2016 Muskateller trocken

Weingut Deppisch, Theilheim

Vor einiger Zeit hatte ich mit einem Tusch erstmalig einen Muskateller vorgestellt und darauf hingewiesen, dass diese uralte Edelsorte mit ihren lediglich 4 Hektar Anbaufläche 2016-muskateller-trocken-Bgin Franken zu den Raritäten gezählt werden muss.

In den vergangenen drei Jahren hatte ich schon mehrmals Weine von Winzer Christian Deppisch aus Theilheim vorgestellt, unter anderem seinen Blauen Silvaner und auch den Weißburgunder. Beginnend im Jahr 1989 hat sich aus dem ehemaligen Garagenweingut mit gerade einmal 500 qm Rebfläche ein Kleinbetrieb von 4 Hektar entwickelt, welcher sicherlich zu den spannendsten in Franken gehört. Das liegt in meinen Augen vor allem am Mut, eigene Wege zu gehen. Bereits 2008 wurde die Zertifizierung nach Demeter-Richtlinien begonnen. Es gibt weltweit nur etwas mehr als 500 Weingüter, welche sich den strengen Regeln dieses Verbandes unterwerfen. Das Ergebnis im Glas spricht meistens für sich. Individuelle, charaktervolle Weine aus biodynamisch „produzierten“ Trauben, welche genügend Zeit im Keller bekommen, sich zu entwickeln, und weitestgehend in Ruhe gelassen werden. So findet beispielsweise beim Weingut Deppisch keine Schönung der Weine im Keller statt.

Die Rebsorte Muskateller ist mir bisher nicht aufgefallen im Sortiment von Christian Deppisch. Vermutlich handelt es sich um eine Neuanpflanzung. Dies ist sehr löblich, da die Sorte als schwierig im Anbau gilt. Sie hat hohe Lageansprüche, neigt zum Verrieseln während der Blüte (geringer Ertrag!) und ist fäulnisanfällig während der Reifephase.

Der trockene Muskateller aus dem Jahrgang 2016 gehört zu den Ortsweinen und befindet sich in der Qualitätshierarchie unterhalb der Lagenweine und der „Großen Gewächse“. Nicht umsonst zählt die Varietät zu den sogenannten Aromasorten. Bereits ein kurzes Schnuppern am Glas reicht aus, um dies nachvollziehen zu können. Das ist wunderbar expressiv und exotisch, fast schon süchtig machend. Neben der prägenden Pfirsichfrucht schwingen auch Noten von Lychee, Rosenblättern und Orangenblüten mit. Fast erinnert das Ganze ein klein wenig an eine andere, uralte Aromasorte: den Traminer.

Was die Deppisch’sche Interpretation der Sorte von vielen anderen unterscheidet, ist ihre kompromisslos trockene Art. Trocken-Puristen dürften sich freuen über die 2,2 g/l Restzucker. Zwar stehen dem Muskateller durchaus ein paar Gramm Restzucker gut zu Gesicht, aber als Essensbegleiter oder als Aperitif greife ich dann doch lieber auf die selten zu findenden ganz trockenen Varianten zurück. Der Wein besitzt Struktur und aromatischen Rückhalt am Gaumen, ist mit 12% Vol. Alkohol aber dennoch relativ leicht. Ein ganz wunderbarer Vertreter dieser weithin unterschätzten Sorte.

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2015 Albalonga Auslese Randersackerer Marsberg

Weingut Martin Göbel, Randersacker

Wenn ich an meine Anfangszeit als Weinliebhaber Mitte der 1990er Jahre zurückdenke, 2015-marsberg-albalonga-auslese-suessso gehören zu meinen schönsten Erlebnissen diverse, zu verschiedenen Anlässen verkostete Beeren- und Trockenbeerenauslesen dieser kostbaren und raren Rebsorte. Diese erinnerungswürdigen Weine stammten damals in erster Linie vom Weingut Martin Göbel, welches der Sorte bis zum heutigen Tag die Treue hält.

Und das will durchaus etwas heißen, denn Alabalonga war schon immer ein Spezialisten-Thema. Selbst zu Zeiten weiterer Verbreitung betrug die bestockte Fläche bundesweit nur 34 Hektar (1988). Davon sind heute gerade einmal 14 Hektar übrig gebleiben. In Franken sind es nur zwei Hektar, obwohl die Sorte ihren Ursprung hier hat. Sie wurde 1951 an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Würzburg von Dr. Hans Breider aus den Sorten Rieslaner und Silvaner gezüchtet.

Ähnlich wie bei ihrem Elter Rieslaner bringt die Sorte nur bei ausreichender Reife (wir reden von Spätleseniveau aufwärts) gute Ergebnisse. Gelingt in besonderen Jahren eine edelsüße Variante, so handelt es sich oft um Spitzenweine, welche sogar dem Riesling den Platz auf seinem Thron streitig machen können. Kennzeichend für solche Albalonga-Kreszenzen sind ihre Ausdrucksstärke und die enorme Aromenvielfalt mit exotischen Noten.

Um genau solch ein hochedles Gewächs handelt es sich bei der 2015er Albalonga Auslese von Winzer Martin Göbel. Bereits die strahlende, hellgoldene Farbe macht neugierig auf den Wein. Selbstverständlich zeigen sich im Duft auch rauchige Botritystöne, welche aber genug Raum zur Entfaltung für die Frucht lassen. In der Nase begeistert die phantastische, durchaus in Richtung Rieslaner gehende Frucht. Der Wein strahlt und vibriert im Glas. Seine Rasse und Klasse sind förmlich greifbar. Das Fruchtspektrum bewegt sich hauptsächlich im gelben Bereich und reicht von Rhabarber, Honigmelone, hochreifer Mirabelle und kandierter Aprikose bis in exotische Mango-Gefilde.

Am Gaumen wirkt diese wunderbare, sicherlich hochgradige Auslese mit ihren 125 g/l Restzucker niemals zuckrig oder klebrig süß. Dieser Umstand ist der austarierenden und Frische verleihenden Säure, welche mit 10g/l für meinen Geschmack im idealen Bereich liegt, zu verdanken. Das Süße-Säure-Spiel macht den Wein unheimlich lebendig und sorgt dafür, dass sich kein vorschneller Sättigungseffekt ausbreitet. Geschmacklich erinnert mich das Ganze an Rhabarber und Limette. Der Nachhall ist ewig lang und mir stellt sich beim Trinken die Frage, ob dieses herrliche Elixier überhaupt eine Begleitung benötigt oder ob man nicht lieber jeden kostbaren Schluck pur genießen sollte. Ich denke eher letzteres.

2016er Merzling Qualitätswein – Laudaer Altenberg

Weingut Johann August Sack, Lauda-Königshofen

Beim Merzling, einer 1960 neu gezüchteten pilzwiderstandsfähigen Weißweinsorte, handelt es sich um einen echten Exoten in Deutschlands Rebgärten. Er wurde von 2016-merzling-BxJohannes Zimmermann am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg aus Seyve-Villard 5276, Riesling und Ruländer gekreuzt. Der Name leitet sich aus der Gemeinde Merzhausen am südlichen Stadtrand von Freiburg im Breisgau ab. Die Zulassung durch das Bundessortenamt erfolgte 1993. Die Lagenansprüche und die Traubenreife sind mit dem Müller-Thurgau vergleichbar.

Beim Weingut Sack stehen die Reben in der nicht flurbereinigten Steillage „Laudaer Altenberg“. Die charakteristischen Steinmauern sind landschaftsprägend und besitzen die positive Eigenschaft, dass sie tagsüber die Sonnenwärme speichern und abends wieder an die Reben abgeben. Windabweisende Hecken und der standorttypische Trockenrasen sorgen für eine abwechslungsreiche Landschaft und ein intaktes Biotop, welches ein Rückzugsgebiet für zahlreiche Tiere und Pflanzen darstellt. Viele Orchideen sowie seltene Schmetterlinge und Vögel sind heute am Altenberg zu finden. So erscheint es nur folgerichtig, die Iris als Etikettenmotiv zu verwenden, da auf den Trockenwiesen und an den Steinriegeln des Laudaer Reblandes die wilden Schwertlilien wachsen.

In dieser einmaligen Kulturlandschaft stehen also die 10 Ar Merzling-Reben des Weingutes Sack. Doch wie macht er sich eigentlich, der Wein aus dieser raren Rebsorte?

In der Nase präsentiert er sich einerseits ungemein fruchtig, fast schon ins Exotische gehend und anderseits wieder betont würzig mit rauchigen Anklängen. Neben hochreifer Birne zeigen sich auch Noten von Ananas und ein Hauch Eisbonbon. Über diesem „Fruchtteppich“ schwebt eine würzige, bisweilen ins Nussige abzielende Note, welche mich an Weine aus der Rebsorte Grauburgunder erinnert.

Am Gaumen ist der 2016er Merzling sehr saftig und trinkig, was in erster Line auf seine gut abgestimmte Restsüße in Verbindung mit der lebendigen Säure zurückzuführen ist. Für Puristen und ausgewiesene Trockentrinker präsentiert er sich zu saftig und die vergleichsweise hohe Restsüße (17,3 g/l) dürfte ein klassisches K.O.-Kriterium darstellen.

Wer aber gerne einen fruchtbetonten, nicht zu trockenen aber auch nicht zu süßen Weißwein trinkt, dürfte hier genau richtig liegen. Erfahrungsgemäß geht ein solcher Wein immer gut zur gemischten Käseplatte. Von der Grundstruktur wirkt der Wein eher schlank und frisch. Dies ist in erster Linie auf die lebendige Säure zurückzuführen, die zwar analytisch gar nicht so arg hoch liegt, aber dennoch die Restsüße hervorragend konterkariert. Mit diesem Merzling im Glas darf dann gerne der April kommen mit Temperaturen im Bereich der 20° Marke.

Würzburger VDP-Weingüter präsentieren „Wein-Ideen“ zur Landesgartenschau

Anlässlich der bevorstehenden Landesgartenschau präsentierten die drei Würzburger Traditionsweingüter und die Landesgartenschau 2018 GmbH ihr gemeinsames Projekt „Wein-Ideen“.

LGS-Wein VDP WeingüterIm Zeichen des SchmetterlingsIm Zeichen des Schmetterlings, der wie kein anderes Lebewesen Wandel, Agilität und Inspiration symbolisiert, entsteht auf der Hochfläche in Würzburg der neue Stadtteil Hubland. Ein Lebensraum, der Think Tank, Zukunftslabor und Impulsgenerator ist und vielleicht schon bald Vorbildcharakter haben wird – für die Region, das Land und weit darüber hinaus.

Rund zwei Kilometer von der Würzburger Innenstadt entfernt und auf Augenhöhe mit der historischen Festung Marienberg können interessierte Besucher nicht nur seltene Gewächse und blühende Landschaften erleben, sondern auch einen Standort für neue Ideen kennenlernen.

Wein als Botschafter Dort wo die Ideen wachsen, gedeihen auch vorzügliche Weine. Was also lag näher, als mit den drei Schwergewichten der Würzburger VDP-Weingüter anlässlich der Landesgartenschau Würzburg 2018 eine exklusive Weinedition zu entwickeln. Jedes der drei Weingüter stellt dafür eine Rebsorte aus einer „Ortslage“ in einem besonders gestalteten Bocksbeutel zur Verfügung. Alle drei Weine spiegeln die Besonderheiten der Region und des Terroirs wider:

– 2016 Würzburger Domina, Weingut Bürgerspital Zum Hl. Geist. Die typisch fränkische Rotweinsorte kommt in einem pinken Bocksbeutel daher. Rund und harmonisch mit gut eingebetteten Tanninen.

– 2017 Würzburger Riesling, Weingut Staatlicher Hofkeller. Der „König der Weißweine“ besticht durch seine rassige Säure und feine Eleganz. Er präsentiert sich im gelb gestalteten Bocksbeutel.

-2017 Würzburger Silvaner, Weingut Juliusspital. Die fränkische „Kompetenzrebe“, feinfruchtig in der Nase, geradlinig und fränkisch trocken. Er repräsentiert im orangefarben gestalteten Bocksbeutel die dritte Farbe der Landesgartenschau.

Landesgartenschau-Geschäftsführerin Claudia Knoll präsentierte das „stylische Produkt“ dann auch nicht ohne gewissen Stolz. Sie bedankte sich bei allen Beteiligten für die Zusammenarbeit und das Engagement. Bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass die Schmetterlinge die Botschaft des Weines aus der Region heraustragen.

Die Weine im attraktiven Geschenkkarton sind im Würzburger Einzel- und Fachhandel, der Tourist-Information Falkenhaus, bei den drei Weingütern oder online unter www.frankenweinliebhaber.de erhältlich.

Foto: Frankenweinliebhaber/ Die Macher der „Wein-Ideen“ präsentieren ihre Weine (v.l.n.r Thilo Heuft/Weingut Staatlicher Hofkeller, Claudia Knoll/Landesgartenschau 2018 GmbH, Horst Kolesch, Weingut Juliusspital und Robert Haller/Weingut Bürgerspital)

2016 Silvaner VDP.Ortswein

Weingut Schwab, Thüngersheim

Da wir es heute wieder einmal mit einem Wein eines VDP-Betriebes zu tun haben, möchte ich eingangs die Chance nutzen, um kurz auf das Klassifikationssystem des 2016-silvaner-trocken-BBVerbandes einzugehen. Pate hierfür stand die Bezeichnungs-Hierarchie im Burgund. Die Basis der Qualitäts-Pyramide bilden die Gutsweine, welche nur den Namen der Rebsorte tragen und keine weitere geographische Eingrenzung erfahren als den Namen des Anbaugebietes. Eine Stufe darüber sind die sogenannten Ortsweine angesiedelt. Hier wird die Gemeinde genannt, aus welcher die Trauben für den Wein stammen. Bei unserem Wein der Woche handelt es sich um einen Thüngersheimer Silvaner. Die nächste Stufe sind die Weine aus „Erste Lage“-Weinbergen (z. B. Thüngersheimer Scharlachberg). Das Pendant im Burgund sind die Premier-Cru Lagen. Die Spitze der Pyramide bilden schlussendlich die sogenannten „Großen Gewächse“. Sie stammen ausschließlich aus den besten Parzellen der „Große Lage“ genannten Spitzenlagen (z. B. Thüngersheimer Johannisberg mit dem Gewann bzw. der Parzelle „Rothlauf“). Analog zu den Grand Cru-Lagen im Burgund.

Da es sich bei dem heute vorgestellten Wein von Winzermeister Thomas Schwab um einen VDP.Ortswein handelt, können die Trauben aus sämtlichen Thüngersheimer Lagen stammen. Naturgemäß werden die Trauben für den Ortswein nicht in der „Großen Lage“ gewachsen sein, aber dennoch kann man als Konsument schon einen aussagekräftigen, charaktervollen Wein erwarten. Unter Umständen findet sich auch hin und wieder einmal sogar Lesegut aus „Ersten Lagen“ in einem solchen Wein.

Der 2016er Thüngersheimer Silvaner wartet im Glas mit einem jugendlich anmutenden Farbspiel auf: Ein glanzhelles Strohgelb mit grünlichen Reflexen begrüßt das Auge des Genießers. Die Nase deutet auf einen eher leichten bis mittelgewichtigen Sortenvertreter hin, da die Aromen frisch sind und keinerlei Überreife andeuten. Es dominieren ganz klar fruchtige Noten von Apfel und gelber Zitrone, sowie eine kühle, minzige Note. Die gesamte Ausprägung ist klar und frisch, so dass der sprichwörtliche Gebirgsbach vor dem inneren Auge auftaucht. Auch die silvanertypische, „erdige“ Note ist in dezenter Ausprägung vorhanden.

Am Gaumen wirkt der Thüngersheimer Silvaner straff und fokussiert. Der Wein ist keineswegs dünn, aber von der Anmutung her schlank und delikat. In Kunstbegriffen gesprochen handelt es sich eher um eine Skulptur von Giacometti denn von Botero. Die vive Säure gibt dem Wein Spannung und Zug am Gaumen, ist aber ungemein gut integriert. Mit 2,9 g/l Restzucker bewegen wir uns außerdem im „fränkisch trockenen“ Bereich. Dies sind in meinen Augen allerbeste Voraussetzungen für einen hervorragenden Essensbegleiter. In erster Linie zu Austern, gedünstetem Fisch und sonstigem Meeresgetier.

2015 Pinot Noir – anno XV – Spätburgunder Spätlese trocken

Weingut Reichert, Nordheim

Der Spätburgunder als wichtigste rote Sorte in Deutschland – diese Aussage bezieht sich sowohl auf qualitative als auch quantitative Aspekte – muss sich quasi zwangsläufig mit dem Original aus Frankreich messen lassen. Wer von großen Burgunderweinen redet, spricht notwendigerweise auch immer von der Region Burgund. Nun ist es schlechterdings möglich, in Deutschland französische Burgunder zu erzeugen. Aber die besten Exemplare aus Deutschland weisen zumindest in ihrer grundsätzlichen Stilistik in diese Richtung.

Den Gegenpol hierzu bildet meiner Ansicht nach der traditionelle deutsche Spätburgunder. Mit seiner erdbeerduftigen Frucht und Anklängen von Bittermandeln, im schlimmsten Fall mit deutlicher Restsüße versehen, stellt er für meinen Geschmack eher das Zerrbild eines guten Burgunders dar.

Was einen guten Pinot Noir ausmacht sind, Ausgewogenheit, duftige Eleganz bis hin zu sinnlicher Anmutung, moderater Holzeinsatz und Finesse. Der Grund, weshalb ich Ihnen heute die trockene Spätlese von Familie Reichert vorstelle, ist leicht zu erraten. Er besitzt ein gerüttelt Maß von all jenen Eigenschaften.

Die Trauben sind in der Lage „Nordheimer Vögelein“ gewachsen und der Grundwein wurde für ein knappes Jahr in Barriquefässern ausgebaut. In der Farbe zeigt er ein ganz burgundertypisches, eher helles Granatrot. Die Nase verströmt genau jene wunderbar duftige Eleganz, welche ich so schätze. Da ist nichts Vorlautes, da kracht es nicht im Glas, sondern vielmehr vollzieht sich ein Akt der Betörung. Neben fruchtigen, an Kirsche und Pflaume erinnernden Noten, treten zarte Vanilledüfte vom Barriquefass und mit etwas Belüftung sogar Anklänge von rohem Fleisch in Erscheinung. So stelle ich mir einen gelungenen Spätburgunder vor.

Am Gaumen setzt sich die Marschrichtung aus der Nase fort. Auch hier ist Eleganz das Stichwort. Eine feine Säureader sorgt zusammen mit den seidigen Tanninen für einen mittelkräftigen, vornehmen Auftritt. Lediglich eine kleine Bitternote, in Richtung Lakritze gehend, hat anfänglich vielleicht ein wenig die Harmonie gestört. Aber mit zunehmender Belüftung hat sich diese Note immer besser integriert. Dekantieren ist also folglich mit Sicherheit kein Fehler bei diesem Wein. Sollten Sie ihn wie ich zu einem wunderbaren Mittagessen genießen, dann erübrigt sich das „Problem“ sowieso, denn hier fällt diese Note nicht mehr ins Gewicht und der Pinot von Familie Reichert kann wahrhaft französische Qualitäten entwickeln und tatkräftig das „Savoir Vivre“ unterstützen.

Randersackerer Pfülben – 2016 Rieslaner Spätlese

Weingut Brand, Randersacker

Familie Brand aus Randersacker scheint ein besonderes Händchen für die Sorte Rieslaner zu haben. Anders kann ich mir das hohe Qualitätsniveau, welches hier über die Jahre hinweg an den Tag gelegt wird, nicht erklären.

Bereits Anfang des Jahres 2017 habe ich an gleicher Stelle den großen Bruder der heute vorgestellten Spätlese aus dem Jahrgang 2016 beschrieben. Es handelte sich um eine phantastische 2015er Auslese, welche ich mit folgenden Worten beschrieben habe:

„Die Nase ist Rieslaner pur! Aus dem prall gefüllten Korb voller exotischer Früchte sticht eine reife Papaya mit ihren würzigen Untertönen hervor. Die Nase ist von kristalliner Reinheit und Brillianz. Die oft anzutreffenden Botrytisnoten hochgradiger edelsüßer Weine gehen diesem Elixier fast vollständig ab. Neben der ausgeprägten Exotik finde ich im Duft auch noch etwas, für mein Empfinden, sehr Sortentypisches: Anklänge von Rhabarber.“

Diese Beschreibung trifft in abgewandelter Form auch auf diese Spätlese aus der Spitzenlage „Randersackerer Pfülben“ zu. Sie besitzt nicht ganz die Fülle und Konzentration der Auslese, besticht aber ebenfalls durch kristalline Reinheit und Präzision in der Nase. Botrytistöne finden sich allenfalls zart angedeutet. Die Frucht ist nicht so exotisch wie bei der Auslese, aber die oben bereits erwähnten, sortentypischen Rhabarbernoten sind ebenfalls vorhanden. Auch würzige, fast schon leicht pfeffrige Anklänge sind vorhanden.

Das fulminante Süße-Säure-Spiel, welches dieser betörende Wein mit jedem Schluck am Gaumen bietet, kündigt sich bereits in der Nase an. Es ist nicht ganz einfach, dieses Phänomen in Worte zu kleiden, aber nach meiner Wahrnehmung vibriert der Wein förmlich im Glas und so etwas wie eine knisternde Spannung liegt sozusagen in der Luft.
Die 30g/l Restzucker werden von der vibrierenden Säure, immerhin handelt es sich um eine Riesling-Kreuzung, fast komplett absorbiert, so dass der Wein halbtrocken schmeckt.

Im Nachhall kommt dann noch eine weitere Schattierung hinzu, nämlich eine an Limette und Zuckerrohr erinnernde Note. Man ist fast versucht von einem Caipirinha-Effekt zu sprechen.
In meinen Augen handelt es sich um einen vollendeten Spitzenwein voller Rasse und Klasse. Und das zu einem Preis, welcher lediglich etwas mehr als ein Drittel der Auslese aus gleichem Hause beträgt.