2017 Weißer Burgunder trocken

Weingut Borst, Nordheim

Der Weiße Burgunder gilt als klassische Rebe, ist sein Anbau doch spätestens seit dem 14. Jahrhundert belegt. Er gehört zwar nicht zu den weitverbreiteten Varietäten in Franken, 2017-weissburg-qba-trocken-schlegelaber seine Stellung als besonders wertvolle Ergänzungssorte dürfte von den wenigsten Weinkennern anzweifelt werden. So mag es auch kaum verwundern, dass sein Flächenanteil langsam aber doch stetig zunimmt. Waren es im Jahr 2000 noch bescheidene 0,7%, so liegen wir heute bereits bei 3,2%. Somit hat sich sein Flächenanteil in Franken binnen 18 Jahren mehr als vervierfacht und er marschiert stramm auf die Marke von 200 Hektar Anbaufläche (in Franken) zu. Im Wesentlichen lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden: der fruchtige, im Stahltank ausgebaute Typus und der kräftige, holzfassgereifte Typus mit mehr oder weniger deutlich ausgeprägten Röstaromen vom Holzfass.

Heute haben wir es mit einem äußerst gelungen Vertreter der ersten Kategorie zu tun. Der trockene Weißburgunder von Winzerfamilie Borst aus Nordheim wurde im Stahltank ausgebaut und bietet im Duft nahezu die gesamte Palette an Aromen auf, welche für meinen Geschmack einen typischen Sortenvertreter ohne Holzeinfluss ausmachen: gelbe Frucht, Blütenduft, haselnussige Aromen und eine „süßliche“, fast etwas vanillige Note, so als ob man an einer Puderdose schnüffelt. Oftmals tendiert die Frucht beim Weißen Burgunder in Richtung gelbe Melone. Dies ist bei unserem heutigen Wein nicht der Fall. Wenn ich es spezifizieren soll, dann würde ich sagen, der Wein duftet nach (Gelee-)Banane. Dies spricht für einen modernen Ausbau im Keller samt kühler Vergärung.

Am Gaumen bewegen wir uns zwar geschmacklich auch im gelben Bereich, aber hier kommen dann eher Zitrusnoten zum Tragen. Der Wein besitzt eine wunderbar lebendige Säure, welche für Frische sorgt, aber dennoch nicht aggressiv getönt ist. Mit seinen 12,5% vol. Alkohol ist er weder ein Leichtgewicht noch ein Sumo-Ringer. Balance und Ausgewogenheit ist hier das Gebot der Genuss-Stunde. Der Wein kommt frisch und geradlinig herüber. In seiner „straighten“ und weinigen Art macht er einfach nur Lust auf den nächsten Schluck. Seine mineralischen Noten und der leicht phenolische Grip im Nachhall sorgen für Persistenz am Gaumen. Sowohl als Speisenbegleiter als auch solo genossen ist der Wein ein Hochgenuss. Sortentypisch, reintönig, delikat.

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2015 Riesling Spätlese feinherb Retzbacher Benediktusberg

Weingut Gebr. Geiger jun., Thüngersheim

Der fränkische Riesling, das ist so ein Thema für sich. Von vielen Kennern und Experten als König unter den weißen Rebsorten bezeichnet, hat er es bis heute nicht geschafft, mehr als kümmerliche fünf Prozent der fränkischen Rebfläche zu erobern. Immerhin 2015-benediktusberg-riesling-spaet-ht-BBhandelt es sich mit Abstand um die meistangebaute Sorte in Deutschland (23 % der Gesamtfläche von 102.000 Hektar).

Obwohl auch in Franken herausragende Exemplare produziert werden, so wird doch traditionell, bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, der Ruf des deutschen Rieslings im Ausland von den Anbaugebieten Rheingau und Mosel geprägt. Hinzu kommen noch, teilweise durch dynamische Entwicklungen der letzten knapp zwei Jahrzehnte, die Nahe, die Pfalz und Rheinhessen.

Weshalb weder der Flächenanteil von Seiten der fränkischen Winzerschaft ausgeweitet wurde noch von Seiten der Weintrinker die Nachfrage nach Franken-Riesling gewachsen ist, bleibt für mich ein Stück weit ein Rätsel. Zumal, wenn ich einen wunderbaren Wein wie die feinherbe Spätlese vom Weingut Gebr. Geiger jun. aus Thüngersheim vor mir habe. Mit einem solchen Wein im Glas kann ich auch bestens nachvollziehen, wie er zu seinem „Adelsprädikat“ „König der weißen Rebsorten“ kam.

Optisch präsentiert er sich mit strahlend strohgelber Farbe. Das Nasenbild ist nobel, vielschichtig, tiefgründig und lebendig. Man meint fast etwas Flirrendes und Vibrierendes wahrzunehmen beim Riechen am Glas. Feinste Zitrusfruchtaromen in sämtlichen Varianten betören die Nase. Das Spektrum reicht von frisch aufgeschnittener Frucht über die Schale (Zesten) bis hin zu kandierten Noten. Auch ein Hauch rieslingtypischer Reifenoten (Petrol) deutet sich an. Wer diesbezüglich ein Nulltoleranz besitzt, sollte eher vorsichtig sein. Alle anderen Weintrinker kann ich an dieser Stelle beruhigen: Es handelt sich wirklich nur um eine komplexitätssteigernde Nuance.

Mit gerade einmal 11,5% vol. Alkohol präsentiert er sich relativ leicht. Bei den 22,3 g/l Restzucker handelt es sich um unvergorenen, traubeneigenen Fruchtzucker. Wäre dieser durch die Gärung komplett in Alkohol umgewandelt worden, so hätten wir als Resultat eine trockene Spätlese mit 12,5 bis 13% vol. Alkohol. Wer Freude an vergleichenden Verkostungen hat, dem sei gesagt: Es gibt tatsächlich auch eine trockene Variante aus gleicher Lage und gleichem Jahrgang vom Weingut Gebr. Geiger jun.. Sie finden diese hier!

Was den Wein für meinen Geschmack so besonders macht, ist seine sensationelle Balance und Feinheit. Der Wein schmeckt mitnichten süß, trotz seiner 22 g/l Restzucker. Dies liegt an der tollen, rieslingtypischen Säure von über 8 g/l. Hat man einen Schluck genommen, so beginnt der Wein auf der Zunge zu tänzeln. Die Geschmacksknospen sind wie elektrisiert. Das oben bereits erwähnte Vibrieren in der Nase findet seine geschmackliche Umsetzung am Gaumen. Dafür liebe ich Riesling. Das ist Formel 1 am Gaumen: rasant, fesselnd,
nervenaufreibend, immer am Limit. Kein Wein für Verzagte. Oder wie der Engländer sagen würde: Not for the faint hearted.

2017 Grauer Burgunder Kabinett trocken Retzbacher Benediktusberg

Weinbau Gehrig, Retzbach

Es geht voran im Weingut Gehrig. Bedenkt man die Tatsache, dass der Jahrgang 2014 mit einer winzigen Menge Silvaner der erste selbstvermarktete war, so kann man unter Berücksichtigung der momentanen Betriebsgröße von sieben Hektar fast schon von --2017-benediktusberg-grauburg-kabinett-trocken-schlegelSiebenmeilenstiefeln sprechen, welche der 28-jährige Junior des Hauses Philipp Gehrig angelegt hat.
Früher wurde die gesamte Traubenproduktion an eine Genossenschaft abgeliefert.
Das Sortiment gestaltet sich fast schon mustergültig für die Anbauregion Franken. Vertreten sind neben den drei meistangebauten fränkischen Varietäten Müller-Thurgau, Silvaner und Bacchus noch ein Rotling, der heute von mir vorgestellte Grauburgunder und neu seit diesem Jahr eine Scheurebe. Als Rotwein soll schließlich auch noch ein Spätburgunder folgen.

Die Trauben für den wirklich absolut trockenen (0,0 g/l Restzucker) 2017er Kabinett vom Grauen Burgunder sind in der bis zu 80 % steilen Lage „Retzbacher Benediktusberg“ gewachsen. Vor 15 Monaten habe ich an dieser Stelle die 2016er-Version als kräftige Spätlese mit 13,5 % vol. Alkohol vorgestellt. Die 2017er Ausgabe ist freilich ein ganz anderer Wein. Dies liegt hauptsächlich in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Jahrgänge begründet, welche wir unserem kontinentalen Klima verdanken.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger fällt der 2017er Kabinett mit seinen 12,5% vol. Alkohol leichter aus. Auch von der Aromatik her unterscheiden sich die beiden Geschwisterweine.
Das Nasenbild der 2016er Spätlese hatte ich folgendermaßen charakterisiert: „Es ist alles vorhanden, was ich als sortentypisch empfinde: reife Birne, eine leichte Exotik in Richtung Ananas, etwas Nuss, zart rauchige Aromen, sanfte Honignoten.“
Im Vergleich hierzu sind die Fruchtnoten beim 2017er Kabinett von größerer Frische geprägt.
Apfel und Zitrus statt Birne und Ananas. Die Nase ist außerdem von floralen und vegetabilen Noten (Heu, Blütendüfte) geprägt. Insgesamt ist die Aromenausprägung sehr klar und reintönig. Der frische, sprudelnde Gebirgsbach kommt mir automatisch in den Sinn.

Am Gaumen tritt der Kabinett fast schon mustergültig als Vertreter seiner Prädikatsstufe in Erscheinung. Leicht, frisch und eher schlank in der Anmutung. Trotz 0,0 g/l Restzucker wirkt der Wein aber nicht penetrant trocken. Das mag in erster Linie an der harmonischen, „weinigen“ Säure liegen, welche zwar Frische verleiht, aber niemals aggressiv getönt ist. Geschmacklich nehme ich vor allem eine angenehme Zitrusfrucht wahr, welche sich im Nachhall zu einer Sensation ( frz. sensation »Empfindung, Sinneseindruck«) von Eisbonbon wandelt.
Wirklich wunderbar für Neugierige und Lernwillige ist die Tatsache, dass die 2016er Spätlese noch bestellbar ist und somit einem spannenden Vergleich mit dem 2017er Kabinett nichts im Wege steht.

2016 Traminer Qualitätswein

Weingut Fröhlich, Wiesenbronn

Traminer oder Gewürztraminer, das ist hier die Frage. Natürlich handelt es sich in unserem Fall keineswegs um eine Frage mit solch einer existenziellen Dimension wie 2016-traminer-liter.pngbeim Dichterfürsten Shakespeare, aber interessant ist der Unterschied dennoch.

So wie es beispielsweise beim Silvaner den grünen, den gelben, den roten und den blauen gibt, so existieren beim Traminer ebenfalls unterschiedliche Varianten.

Je nach Beerenfarbe können verschiedene Spielarten unterschieden werden: rote Beeren – Roter Traminer; hellrot/rosa – Gewürztraminer, gelblich – Gelber Traminer). Im wesentlichen unterscheiden sie sich durch die Intensität ihres würzigen Geschmacks.

Sämtliche genannten Spielarten des Traminers können von den Winzern auf dem Etikett als Gewürztraminer bezeichnet werden. Somit bleibt es letztendlich dem Winzer überlassen, sofern er Roten oder Gelben Traminer im Anbau hat, ob er diese als Traminer oder Gewürztraminer deklariert.

Generell sagt man dem Traminer nach, dass er in Geschmack und Aroma nicht ganz so intensiv sei wie der Gewürztraminer. Auf alle Fälle handelt es sich um eine unserer wertvollsten und ältesten Sorten, welche im Verlauf der Zeit durch natürliche Kreuzungen auch Spuren in anderen Rebsorten wie dem Silvaner und dem Riesling hinterlassen hat.

Als Ursprungsgebiet wird von den Ampelographen Südosteuropa angenommen. Bereits im Mittelalter kam die Sorte in Südtirol vor, wo sie im 15.Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Durch den regen Weinhandel ausgehend von der Ortschaft Tramin (Südtirol) kam die Sorte dann auch zu ihrem heutigen Namen.

Winzerfamilie Fröhlich aus Wiesenbronn hat im Jahrgang 2016 etwas getan, was als absolute Ausnahme zu bezeichnen ist. Sie hat ihren Traminer auf die Literflasche gezogen. Um ehrlich zu sein, ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals ein Traminer/Gewürztraminer in der Literflasche untergekommen ist. Dafür ist die Sorte einfach zu hochwertig und auch vom Ertragsniveau zu niedrig. Aber den Verbraucher freut es um so mehr. Bekommt er doch viel Wein für wenig Geld.

Im Glas präsentiert er sich durchaus sortentypisch, aber eher pianissimo. Der sonst so ausgeprägte Rosenduft ist nur zart angedeutet. Mit zunehmender Verweildauer und Luftzufuhr im Glas entfalten sich herbe Tangerinen-Noten und Anklänge von Wiesenblumen. Auch eine wachsige, an Chenin-Blanc-Weine von der Loire (Vouvray) erinnernde Komponente ist vorhanden. Summa summarum für einen Traminer insgesamt eher ein dezentes Nasenbild.

Am Gaumen überzeugt mich der Liter-Traminer von Familie Fröhlich mit seiner tollen Struktur und einer beachtlichen Dichte. Er besitzt viel Extrakt für einen Literwein. Geschmacklich kommt er dank 5,8 g/l Säure durchaus frisch und lebendig rüber für einen Traminer, neigt die Sorte doch gerne auch einmal zur Säurearmut und zur Behäbigkeit.

Im Vordergrund steht am Gaumen die Tangerinen-Note aus der Nase, welche von einer aparten, zestigen Bitternote begleitet wird. Den Nachhall krönen schließlich noch würzig-mineralische Anklänge. Kulinarisch begleitet unser lohnender Edel-Schoppen am besten eine Edel-Vesper: Terrinen und Pasteten in sämtlichen Varianten oder eine gemischte Käseplatte.

2017 Scheurebe trocken natural pur best of .muschelkalk.

Weingut Glaser, Nordheim

Yeah, baby, yeah!!! Nicht nur ein gewisser britischer Geheimagent oder vielmehr die Parodie eines solchen würde diese Scheurebe vermütlich mögen, ist sie doch genau so 2017-bestofmuschelkalk-scheurebe-schlegeltrocken wie der sprichwörtliche englische Humor. Das ist KOMPROMISSLOS. 0,3 g/l Restzucker.

Selbst wenn sie, sagen wir einhundert, laut Etikett trockene Scheureben (maximal 9g/l) genau hinsichtlich Restsüße betrachten, werden Sie kaum fünf finden, welche unter 1g/l Restzucker liegen. Das trauen sich nur ganz wenige Winzer.

Familie Glaser aus Nordheim gehört zur kleinen Schar jener besonders mutigen Winzer. Sie scheint ohnehin ein Händchen für die Sorte zu haben, denn bereits eine vor über zwei Jahren hier vorgestellte restsüße Spätlese aus dem Jahrgang 2013 hatte mich seinerzeit richtiggehend begeistert. Genauso wie der Vorgänger des heute vorgestellten Weines aus dem Jahrgang 2015.

Zur 2015er Version schrieb ich: „Der Wein ist jedenfalls sehr sortentypisch und ein hervorragender Vertreter einer Scheurebe-Stilistik, wie ich sie gerne trinke. Ausgeprägt in der Aromatik, aber niemals laut. Von der Frucht her mehr Cassis als Grapefruit. Mit salziger Mineralität am Gaumen.“ Ahnliches gilt auch für den 2017er-Jahrgang, allerdings mit einer unterschiedlichen Akzentuierung. Für mich befinden sich Grapefruit und Cassis nahezu in perfekter Balance. Beim Schach würde man von einer Pattsituation sprechen. Zu diesen dominanten Fruchtnoten gesellt sich eine leicht pflanzlich-vegetabile Note hinzu, welche ein wenig an frisch gemähtes Gras denken lässt. Das Faszinierende ist die Ausgewogenheit und Balance in der Nase. Nichts Lautes und Hervorstechendes, sondern alle Komponenten bilden eine fein verwobene Einheit.

Im Glas zeigt die Scheurebe „best of .muschelkalk.“ eine jugendlich wirkende, helle Farbe in Richtung Strohgelb. Die 2015er Version hatte eine erstaunlich kräftige Farbe, welche ins Altgoldene ging. Doch nun zum Gaumenauftritt. Wie präsentiert sich unsere Scheurebe der Marke „bone dry“ geschmacklich?

Um es kurz fassen: faszinierend. Nach dem ersten Schluck stellt sich spontan eine gewisse Verblüffung ein. Man könnte meinen, bei einer solch aromatischen Rebsorte würde auch am Gaumen die Frucht eindeutig domieren, was sie ja meistens tut. Nicht hier jedoch.

Mineralik und Phenolik stehen eindeutig im Vordergrund. Eine geradezu mineralisch-salzige Komponente zieht ihre gnadenlose Spur über die Zunge. Eine phenolische, an Tonic Water erinnernde Note kommt noch hinzu.

Erst nach einer Weile stellt sich im Nachhall eine fast schüchtern in Erscheinung tretende Fruchtnote ein. Ein absolut ernstzunehmender Wein, aber deshalb noch lange kein ernster (soll heißen anstrengender) Wein. Eine Scheurebe mit Tiefgang und Anspruch, auf Augenhöhe mit so manchem mineralischen Sancerre (Sauvignon Blanc). Einfach fabelhaft.

2017 Sauvignon Blanc feinherb

Privat-Weingut Schmitt, Bergtheim

Wie so oft im Leben ist vieles nur eine Frage der Perspektive oder der 2017-sauvignonblanc-feinherb-BxVoreingenommenheit. Wie man möchte. Mag jemand die „neumodische“ Rebsorte Sauvignon Blanc nicht, so kann er jederzeit argumentieren, die einheimische Scheurebe sei die bessere Alternative. Mag jemand die einheimische Scheu nicht, so kann er sich zur Aussage flüchten, der Sauvignon Blanc sei besser, hochwertiger, weil …

Ich denke beide Sorten haben ihre Vorzüge und individuellen Stärken. Es tut also keineswegs Not, sie gegeneinander auszuspielen. Es sei denn man spitzt gerne zu und versteift sich auf das Heimische oder lehnt dieses im Gegenteil ab und kapriziert sich auf einen polyglotten Internationalismus. Aber lassen wir das und wenden uns lieber der äußerst gelungenen Sauvignion-Blanc-Interpretation des Privat-Weinguts Schmitt aus Bergtheim zu.

Vom Typus her würde ich ihn eher in die Kategorie des klassischen Sauvignon aus der Alten Welt stecken. Er wartet nicht mit übermäßigen, exotischen Fruchtaromen auf. Doch beginnen wir mit der Farbe: Hier überrascht er mit einem, für solch einen jungen Wein relativ kräftigen Strohgelb. Von der Nase her ist das sehr wohl typisch Sauvignon, aber auf eine dezente Art. Ganz zart sind die sorteneigenen leicht grasigen Noten angedeutet, auch etwas Heu ist dabei. Die Frucht wird hauptsächlich durch Anklänge von Melone, Sternfrucht und Limette repräsentiert. Aber auch vegetabile und gemüsige Noten von gelber Paprika sind vorhanden. Dazu gesellen sich  noch würzige, hefige und mineralische Anklänge.

Auf den Gaumenauftritt war ich durchaus gespannt, da der Wein offiziell unter „feinherb“ läuft und ich mir nicht so recht vorstellen konnte, dass dies solch einem Wein gut zu Gesicht steht. Als ich die Analysewerte „gecheckt“ hatte, folgte aber auch schon prompt die Entwarnung. Der Wein hat 9 g/l Restzucker und würde sogar noch als trocken durchgehen, wenn er 0,3 g/l mehr Säure hätte. Das Weingesetz schreibt vor, dass ein Wein, um als trocken deklariert werden zu dürfen, maximal 9 g/l Restzucker aufweisen darf und gleichzeitig darf der Säuregehalt maximal 2 g/l niedriger liegen als der Restzuckergehalt. Dies bedeutet in unserem Fall, der Wein darf nicht weniger als 7 g/l Säure haben. Da aber der Säurewert bei 6,7 g/l liegt, ist die Bezeichnung „trocken“ nicht zulässig. Schmeckt aber trotzdem so.

Geschmacklich entfaltet sich unser Wein mit schönen Zitrusfruchtaromen (Limette) am Gaumen. Auch eine herb-exotische Note in Richtung der besagten Sternfrucht schwingt mit. Aber auch die würzigen Komponenten aus der Nase kommen am Gaumen nicht zu kurz. Der Wein wirkt mineralisch und durchaus trocken. Von wegen feinherb. Mit 11,5 % vol. Alkohol ist er auch nicht über die Maßen schwer, so dass einem ungetrübten Genuss während der anhaltenden Hochsommerphase nichts im Wege steht. Dann aber 2 bis 3 Grad kühler servieren als gewöhnlich. Im Glas erwärmt er sich ja um so schneller.

2017 Bacchus Qualitätswein Wiesenbronner Wachhügel

Weingut Hüßner, Wiesenbronn

Weine der Rebsorte Bacchus habe ich Ihnen schon des öfteren versucht, ans Herz zu legen, eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber dieser dritthäufigsten unter den 2017-wachhuegel-bacchus-qba-lieblich-BBweißen Rebsorten Frankens voraussetzend. Manche Weintrinker können dieser aromaintensiven Kreuzung der Elternsorten (Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau wenig abgewinnen: Zu plump, zu penetrant in der Aromatik, zu wenig Spiel am Gaumen lauten gängige Negativurteile. Und das ist ein Stück weit durchaus nachvollziehbar. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Schließlich mag auch nicht jeder Blauschimmelkäse ob seiner ausgeprägten Aromatik.

Ist man aber ausgeprägter Frucht und duftigen, geradezu blumigen Aromen gegenüber nicht abgeneigt, so gibt es neben Muskateller, Gewürztraminer und Scheurebe kaum eine bessere Rebsorte als den Bacchus.

Gefühlt, werden 90 % der Bacchus-Weine halbtrocken ausgebaut und scheinen vornehmlich der Verzückung weiblicher Weinfest-Besucher zu dienen. In ganz seltenen Fällen trauen sich Winzer an eine trockene Version. Auch in der Version eines lieblichen Qualitätsweines findet man ihn eher selten. Um letzteren handelt es sich bei unserem 2017er Bacchus vom Weingut Hüßner aus Wiesenbronn.

So stelle ich mir einen fabelhaften Sommer- und Terrassenwein vor: fruchtig, leicht und beschwingt. Der allererste Naseneindruck ist von Frische geprägt. Tonic-Water und Gurke waren meine spontanen Assoziationen. Aber dann kommt sogleich die typische traubige Bacchus-Frucht zum Vorschein: Man hat das saftige, traubig-würzig duftende Fruchtfleisch quasi vor Augen. So als ob man eine reife Beere zwischen den Fingern zerquetscht. Aber auch florale Anklänge schwingen mit, vor allem Holunderblüte.

Am Gaumen kommt dann Trinkfreude pur auf. Die Balance von Restsüße und Säure ist wunderbar gelungen. Einerseits ist die Säure ausgeprägt genug, um die 20 g/l Restzucker auszubalancieren, andererseits ist sie harmonisch und reif genug, um den Wein „süffig“ zu machen. Abseits von sämtlichen analytischen Daten ist der Wein harmonisch, fruchtbetont und rund, sprich bestens balanciert. Abschließend fällt mir dazu noch ein bei Connaisseuren und Snobs verpöntes Wort ein. Der Wein ist einfach nur LECKER.