2014 Merlot trocken – Eibelstadter Mönchsleite

Weingut Thomashof, Eibelstadt

Mit gerade einmal acht Hektar Anbaufläche in ganz Franken ist die Rebsorte Merlot ein absoluter Exot in unseren Breitengraden. Im Gegensatz zum Cabernet Sauvignon, einem weiteren Global Player unter den Rebsorten, gelangt der früher reifende Merlot in unserem Klima im Schnitt der Jahre zu einer befriedigenden Reife. Deshalb ergibt es durchaus
Sinn, dass der eine oder andere Winzer sein Glück mit der Sorte probiert. Allerdings sollte man fairerweise nicht einen so komplexen und konzentrierten Wein erwarten, wie ihn die klassischen und zugleich auch berühmtesten Herkunftsgebiete der Sorte hervorbringen: Pomerol und Saint Emilion im Anbaugebiet Bordeaux.

Die Merlot-Reben des Thomashofs stehen in der nicht ganz so bekannten, aber dennoch guten Lage „Eibelstadter Mönchsleite“. Nachdem 2014 für die roten Sorten nicht gerade ein optimales Jahr war, mag es kaum überraschen, dass wir es eher mit einem leichteren Sortenvertreter zu tun haben. Der aber nichtsdestotrotz über eine ganze Menge Typizität verfügt.

Die mittlere Konzentration deutet sich schon in der Farbe mit einem nicht zu tiefen Granatrot an. Aber was für eine wunderbare, fruchtige Würze beim ersten Schnuppern am gefüllten Glas: etwas Tabak und Zigarrenkiste, leicht pflaumige Fruchtkomponenten, ein Hauch Bleistift und eine kleine Prise Paprika. Alles in allem sehr sortentypisch also. Grüne, sprich unreife Noten? Fehlanzeige!

Am Gaumen setzt sich der positive Eindruck aus der Nase dann ungemindert fort.
Die Tannine sind rund und geschliffen, keine Adstringenz (austrocknende Noten) weit und breit. Eine feine Säureader sorgt für Eleganz und Delikatesse im Geschmack. Neben fruchtigen, an Kirsche erinnernden Noten dominieren auf der Zunge die würzigen, tabakigen Noten. Insgesamt handelt es sich um einen harmonischen, sehr trinkigen Rotwein, der weder über- noch unterkomplex ist. Er bietet puren, unverfälschten Trinkspaß zu einem mehr als verbraucherfreundlichen Preis.

Riesling Kabinett trocken – Steinbacher Nonnenberg

Winzerhof Schick, Zeil am Main

Heute begeben wir uns, was zugegebenermaßen recht selten der Fall ist, wieder einmal an die östlichen Ausläufer des fränkischen Weinbaugebietes. Der Winzerhof Schick ist in Zeil am Main beheimatet, einer Region, wo sich Wein-Franken und Bier-Franken sozusagen die Hand reichen.

Die Riesling-Trauben für unseren „Wein der Woche“ sind in der denkmalgeschützten Lage „Steinbacher Nonnenberg“ gewachsen, wo der Weinbau bereits seit dem 14. Jahrhundert belegt ist. Heutzutage, da es ja durchaus üblich ist, dass diverse, einen Distinktionsgewinn suggerierende Zusatzbezeichnungen die Weinetiketten vieler Betriebe schmücken, schadet es keineswegs, diese Praxis zu hinterfragen. Im Falle des heute vorgestellten Riesling Kabinetts vom Winzerhof Schick finde ich die Zusatzbezeichnung „Terrasse“ richtig und wichtig. Immerhin handelt es sich um eine denkmalgeschützte, von Trockensteinmauern eingefasste, terrassierte Lage, welche nur mit viel Idealismus in reiner Handarbeit bewirtschaftet werden kann.

Den Beweis, dass sich der Einsatz für den Erhalt dieser Kulturlandschaft lohnt, kann aber letztendlich nur der fertige Wein im Glas erbringen. Hier funkelt er in einem klaren Hellgelb.
Von der Stilistik her haben wir es mit einem klassischen Kabinett zu tun. Der Wein ruht in sich und überzeugt durch seine lediglich fein angedeuteten Fruchtaromen. Zu den Zitrusaromen , welche im Mittelpunkt stehen, gesellen sich als Nebendarsteller Noten von grünem Apfel und frische Wiesenkräuter. Die Klarheit und Transparenz der Aromen in der Nase überzeugen auf ganzer Linie.

Am Gaumen fällt als erstes die rieslingtypische, prononcierte Säure auf, welche aber keinesfalls unreif oder aggressiv rüberkommt. Der Wein zeichnet sich durch klare Konturen und einen gewissen Purismus aus. Für mich hat das durchaus „Old-school“-Qualitäten im positiven Sinne. Da ist nichts auf vordergründige Frucht getrimmt. Der Kabinett vom Winzerhof Schick ist schlank und fokussiert mit mineralischem Fundament, ohne anstrengend zu sein. Die phenolischen Noten vieler Rieslingweine, welche zunehmend mit mehr oder weniger ausgeprägter Maischestandzeit gekeltert werden, finden sich in unserem Wein nicht. Dies hat auch zur Folge, dass er sich schon relativ offen präsentiert und einen hohen Trinkfluss besitzt. In diesem Fall kann Purismus sogar Sünde sein. Nämlich dann, wenn man die ganze Flasche alleine leert. Was keineswegs abwegig ist!

2015 Grauer Burgunder Spätlese

Weingut Lother, Wipfeld

In Anbetracht der Tatsache, dass die Rebsorte Grauburgunder mit mehr als 5.000 Hektar Anbaufläche bei den weißen Sorten an dritter Stelle der deutschen Anbaustatistik liegt, war sie noch nicht oft zu Gast an dieser Stelle. Dies mag vor allem daran liegen, dass es sich bezogen auf das Anbaugebiet Franken lediglich um eine zwar wertvolle, aber letztendlich doch nur ergänzende Varietät handelt. Mit knapp über 60 Hektar bepflanzter Rebfläche nimmt die Sorte gerade einmal 1% der fränkischen Gesamtfläche ein.

Durch seine eher dezente Art und harmonische Säure – gute Reifewerte vorausgesetzt – gibt er für meinen Geschmack einen hervorragenden und vor allem vielseitigen Essensbegleiter ab. Heute haben wir es mit einem Exemplar einer aussterbenden Gattung zu tun. Das Weingut Lother traut sich etwas anzubieten, was früher normal war und heute mit der sprichwörtlichen Lupe gesucht werden muss: der volumige, restsüße Grauburgunder vom Typ Spätlese – auch Ruländer genannt. Im Elsass, wo die Sorte weit verbreitet ist, kennt man diesen Typus ebenfalls, allerdings häufig mit einem deutlichen Botrytiseinfluss versehen.

Die 2015er Spätlese vom Weingut Lother präsentiert sich hellgelb im Glas. Die Nase ist glockenklar, von Botrytis weit und breit keine Spur. Ganz typisch für die Sorte zeigen sich fruchtige Noten von Birne, die in unserem Fall leicht in Butter geschwenkt wurde. Auch ganz zarte Trockenobstanklänge (Aprikose) scheinen durch. Zusammen mit den eher würzigen Noten von Rauch und Hefe, ergibt sich ein vielschichtiges Nasenbild.

Eine seiner größten Stärken ist die Ausgewogenheit und innere Ruhe, welche er am Gaumen ausstrahlt. Trotz kräftigem Alkoholgehalt wirkt er sehr ausgewogen und harmonisch im Geschmack. Die knapp 14g/l Restsüße werden durch die lebendige Säure bestens eingefangen, so dass der Wein zu keiner Zeit schwerfällig oder behäbig wirkt. Im Nachhall kommen neben den fruchtigen Tönen vor allem hefige und leicht phenolige Noten zum Tragen. Dies spricht für eine gute Prognose in Hinblick auf die Lagerfähigkeit. Ein wunderbarer Sortenvertreter, der sich herrlich solo trinken lässt, aber auch sahnige Pilzgerichte oder ein Kalbsragout mit heller Sauce vortrefflich begleiten kann.

2015 « Blanc de Noir » Spätlese trocken

Weingut Kessler, Prichsenstadt

Nachdem ich im Laufe der letzten zwei Jahre bereits mehrfach an dieser Stelle „Blanc-de-Noir“-Weine vorgestellt und das Prozedere der Herstellung ausführlich erläutert habe, soll heute die Ultrakurzbeschreibung zur Erklärung, was es damit auf sich hat, genügen: Weißer Wein von roten Trauben.

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich an Stelle von Winzerin Ina Kessler den Wein in Anbetracht seiner lachsrosa Farbe als „Blanc de Noir“ vermarkten würde, aber das ändert nichts an der untadeligen Qualität dieser Spätlese. Das ist wirklich ein Mordswein mit seinen 15% vol. Alkohol. Und es spricht für die Kunst des Winzers, dass davon am Gaumen so gut wie nichts zu spüren ist. Tatsache ist, dass man einen solchen Alkoholgehalt nur mit Traubenmaterial jenseits der 100° Oechsle erreicht. Folglich haben wir es streng genommen sogar mit einer trockenen Auslese zu tun. Dies ist sicherlich dem hervorragenden Jahrgang 2015 geschuldet und in dieser Form auch nur in besonderen Jahren möglich.

Zur Farbe des Weines habe ich mich ja bereits oben geäußert. Schon in der Nase baut der Hellgekelterte von Familie Kessler einen enormen Druck auf und deutet an was sich nach dem ersten Schluck am Gaumen abspielt. Die fruchtigen Aromen erinnern an gelbe Pflaume, Zwetschge und Melone. Der Duft ist zwar nicht von Überreife geprägt, aber dennoch schwingen andeutungsweise etwas rosinierte und kandierte Noten mit. Dies kann unter Umständen von einem Eintrocknen der Beeren ohne Beteiligung der Edelfäule Botrytis cinerea herrühren.

Am Gaumen gelingt dann mühelos das Paradox, scheinbare Gegensätze miteinander zu vereinen: Kraft und Eleganz, Konzentration und Finesse. Was vor allem positiv ins Gewicht fällt, ist der Umstand, dass wir es mit einem wirklich trockenen Wein (2,4 g/l Restzucker) zu tun haben. Die nicht gerade niedrige Säure verleiht dem Wein bei aller Stärke eine schöne Frische und sorgt für einen eleganten Gaumenauftritt. Das ist kein Tropfen, den man einfach mal so nebenher trinkt. Vielmehr drängt er sich geradezu als Begleiter auch kräftiger Gerichte auf. Ich würde zu einem mit Wurzelgemüse geschmorten Ochsenschwanz raten. Dazu dürfen es Serviettenknödel sein, und diese gerne selbstgemacht.

2015 Müller-Thurgau Kabinett trocken Dettelbacher Berg-Rondell

Weingut Bausewein, Iphofen

Frei nach dem Motto „Die fetten Jahre sind vorbei“, möchte ich Ihnen heute nach den üppigen Schwelgereien der nun hinter uns liegenden Weihnachtsfeiertage bewusst einen „Brot und Butter-Wein“ im besten Sinne vorstellen. Es handelt sich sozusagen um ein genießerisches Downgrade, um dem Alltag seine ihm gebührende Normalität zurückzugeben.

Und welcher Wein wäre dazu besser geeignet als unser fränkischer Müller-Thurgau? Ein schnörkelloser, ehrlicher Tropfen, welcher wunderbar zum Schöppeln einlädt, aber durchaus auch so manches Schmankerl aus der Kategorie Hausmannskost vortrefflich zu begleiten vermag. Ich denke da zum Beispiel an einen angemachten Camembert, eine Forelle blau oder „Müllerin Art“ oder ein knuspriges Schnitzel mit Kartoffelsalat.

Familie Bausewein aus Iphofen liefert uns mit ihrem trockenen Kabinett aus der Lage „Dettelbacher Berg-Rondell ein tolles Exemplar der Gattung ehrlicher, saftiger Müller. Zudem noch aus Bio-Anbau, welcher hier schon seit über 20 Jahren praktiziert wird.

Der Wein aus dem sehr guten Jahrgang 2015 zeigt sich im Glas hellgelb mit leichten Grünreflexen. Die Nase ist wunderbar reintönig und verbreitet geradezu frühlingshafte Frische. Zu den fruchtigen Noten von Ananas gesellen sich nämlich auch Düfte von frisch geschnittenem Gras und leicht kräutrige Anklänge, an erster Stelle wäre hier Waldmeister zu nennen. Das ist in der Tat sehr animierend und macht Lust sogleich den ersten, kräftigen Probeschluck zu nehmen.

Vom ersten Moment an überzeugt er mit Harmonie und Saftigkeit. Für einen Kabinett ist er zwar nicht ganz leicht, aber auch nicht zu konzentriert und schwer. Von der Frucht her finden sich am Gaumen hauptsächlich Anklänge von gelbem Apfel und Zitrusfrüchten. Was mir sehr gur gefällt ist die Strukturiertheit des Weines, welche auf eine leicht phenolische, Grip verleihende Note zurückzuführen ist. Ein kleines Restzuckerschwänzschen macht das Ganze schließlich rund und saftig am Gaumen. Die Säure ist reif und harmonisch. Das ist einfach Trinkspaß pur! Ich mache mir gar keine Sorgen um die Zukunft dieser vielgeschmähten Rebsorte, wenn nur genügend Weine so zu überzeugen wissen wie der trockene Kabinett von Familie Bausewein.

2015 Rieslaner Auslese Randersackerer Pfülben

Weingut Brand, Randersacker

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Ein wenig Lamentieren muss von Zeit zu Zeit erlaubt sein. Es ist ein Jammer mitverfolgen zu müssen, wie diese einzigartige, zudem aus Franken stammende Rebsorte, im wahrsten Wortsinne, immer weiter an Boden verliert.

1921 von Oekonomierat Dr. August Ziegler an der Bayerischen Landesanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Würzburg aus Silvaner x Riesling gekreuzt, kann sie in wenigen Jahren ihren einhundertsten Geburtstag feiern. Hoffentlich wird ihr dieses Jubiläum entsprechende Aufmerksamkeit und Interesse sowohl von Seite der Winzer, als auch der Konsumenten bescheren. Denn eines ist in jedem Falle gewiss: In den hohen Prädikaten, ab Auslese aufwärts, kann der Rieslaner seinen hochedlen Elter Riesling sogar überflügeln.

Heute habe ich nun die Ehre Ihnen ein absolutes Prachtexemplar vorstellen zu dürfen. Das Weingut Brand gehört zu den glücklichen Betrieben, welche in der Toplage des Ortes Rebflächen besitzen: dem Randersackerer Pfülben. Unter Experten ist es sogar unstrittig, dass es sich um eine der besten Lagen in ganz Franken handelt. Und genau dorthin hat Familie Brand wohlweislich ihre Rieslaner-Reben gepflanzt, denn die Sortenansprüche sind immens hoch. Das Ergebnis im Glas liefert den eindrucksvollen Beweis für die Größe dieser Rebsorte, sofern ideale Voraussetzungen, wie in unserem Fall, gegeben sind: hochedle Rebsorte, Top-Lage, Spitzenjahrgang und last but not least qualitätsbewusster Winzer.

Im Glas präsentiert sich die 2015er Auslese mit einem für diese Prädikatsstufe relativ hellem Strohgelb. Von den Werten her dürfte es sich sogar um eine abgestufte Beerenauslese handeln. Die Nase ist Rieslaner pur! Aus dem prall gefüllten Korb voller exotischer Früchte sticht eine reife Papaya mit ihren würzigen Untertönen hervor. Die Nase ist von kristalliner Reinheit und Brillianz. Die oft anzutreffenden Botrytisnoten hochgradiger edelsüßer Weine gehen diesem Elixier fast vollständig ab. Neben der ausgeprägten Exotik finde ich im Duft auch noch etwas, für mein Empfinden, sehr Sortentypisches: Anklänge von Rhabarber.

Und mit dieser nasalen Wahrnehmung können wir dann sogleich den Bogen zu den Geschmackseindrücken spannen. Meine Güte ist das gut! Man muss den Wein probiert haben, um es zu glauben. Das Süße-Säurespiel ist dermaßen ausgewogen und brilliant, dass man sofort den nächsten Schluck nehmen muss, weil man es nicht glauben mag. Am Gaumen findet sich auch geschmacklich der Eindruck von Rhabarber aus der Nase wieder in Form einer wunderbar prononcierten, animierenden Säure. Der Wein strahlt absolute Harmonie und Feinheit aus und wirkt keineswegs klebrig oder „sticky“ wie der Engländer sagen würde. Eine hochfeine, an Grapefruit erinnernde Bitternote trägt zu Spannung und Komplexität im langen Nachhall bei. Ich würde diesen großen Rieslaner-Wein am besten pur, aufgrund seiner appetitanregenden Säure gerne auch als Aperitif, trinken. Dieses echte Highlight meines Weinjahres ist zwar nicht ganz billig, aber unbedingt seinen Preis wert.

2015 Kerner Spätlese trocken „Alte Reben“ – Iphöfer Kronsberg

Weingut Bunzelt, Nordheim

„Alter“ Wein in neuen Flaschen. So oder so ähnlich könnte das Motto bei unserem aktuellen „Wein der Woche“ lauten. Der Wein, welchen ich Ihnen heute präsentiere, ist natürlich nicht alt, vielmehr stammt er aus dem momentan noch jüngsten, verfügbaren Jahrgang 2015. Die Moste der 2016er Ernte gären noch oder haben erst seit Kurzem ihre Gärung beendet und liegen meist noch auf der Hefe. Entweder im Holzfass oder im Stahltank.

2015-kronsberg-altereben-kerner-spaet-bbAlt sind nur die Rebstöcke von welchen die Trauben für diesen Tropfen stammen. Hier in Wein-Deutschland dürfen Reben im Schnitt ca. 25 Jahre ihre Dienste versehen. Da liegen die Bunzelt’schen Kerner-Reben im Kronsberg mit ihren 40 Jahren also deutlich darüber und gelten deshalb als „Alte Reben“. Die theoretischen Vorteile der Reben-Oldies sind von Haus aus niedrigere Erträge und tiefer reichende Wurzeln, welche für eine bessere Flüssigkeits- und Mineralstoffversorgung sorgen. In sehr heißen und trockenen Jahren leiden die Stöcke dann nicht so schnell unter Trockenstress und die bessere Mineralstoffaufnahme führt zu extraktreicheren Weinen. So die Theorie.

Das mit der neuen Flasche im Eingangssatz ist auch nicht wörtlich zu nehmen. Aber die Optik ist neu, denn mit dem 2015er Jahrgang hat Familie Bunzelt Ihre Etiketten einem Re-Launch unterzogen. Waren die alten Labels schlicht und eher herkömmlich gestaltet, so legt die neue Ausstattung mit ihrer auf Flächigkeit und grafische Wirkung setzenden Art ein deutliches Bekenntnis zur Moderne ab.

Aber noch viel wichtiger als die Optik ist natürlich der Inhalt der Flasche. Die Stunde der Gaumen-Wahrheit hat also geschlagen. Halt, stopp! Doch noch einmal zurück zur Optik! Die Spätlese von den „Alten Reben“ funkelt mit herrlich zitronengelber Schattierung im Glas.
Was erwartet man nun von einem Kerner aus „Alten Reben“? Vor allem mehr Tiefgang. Oft haben die Weine aus dieser Sorte zwar guten Alkoholgehalt aufgrund hoher Reifewerte, aber es mangelt bisweilen an Extrakt und Körper.

Die Nase duftet auf jeden Fall schon sehr vielversprechend beim ersten Hineinschnuppern in das Glas. Ein reifer, sehr reiner Ananaston tritt im Duft als Solist auf und wird von einer feinen Zitrusnote, welche eine gefühlvolle Hintergrundmusik bildet, begleitet. Auch auf dem Rückzug befindliche Hefenoten sind, quasi als Erinnerungsspuren der einstmals vollzogenen Gärung, noch wahrnehmbar.

Am Gaumen stellt sich, sobald man den ersten Schluck genommen hat, genau das ein, worauf ich gehofft hatte. Für einen Kerner besitzt die Spätlese vom „Iphöfer Kronsberg“ bemerkenswerten Extrakt. Das Mundgefühl ist von taktiler Art mit phenolischem Einschlag. Fast schon ein Wein zum Kauen. Am mittleren Gaumen kommt dann die Ananas-Zitrus-Frucht aus der Nase wunderbar zum Tragen. Der Wein reißt dann auch nicht ab, sondern bleibt sehr lange haften und entwickelt nach hinten hinaus eine wunderbar mineralische Ader, welche richtiggehend salzig ausklingt. Einer der besten Kerner meiner Weintrinker-Laufbahn!