Randersackerer Pfülben – 2016 Rieslaner Spätlese

Weingut Brand, Randersacker

Familie Brand aus Randersacker scheint ein besonderes Händchen für die Sorte Rieslaner zu haben. Anders kann ich mir das hohe Qualitätsniveau, welches hier über die Jahre hinweg an den Tag gelegt wird, nicht erklären.

Bereits Anfang des Jahres 2017 habe ich an gleicher Stelle den großen Bruder der heute vorgestellten Spätlese aus dem Jahrgang 2016 beschrieben. Es handelte sich um eine phantastische 2015er Auslese, welche ich mit folgenden Worten beschrieben habe:

„Die Nase ist Rieslaner pur! Aus dem prall gefüllten Korb voller exotischer Früchte sticht eine reife Papaya mit ihren würzigen Untertönen hervor. Die Nase ist von kristalliner Reinheit und Brillianz. Die oft anzutreffenden Botrytisnoten hochgradiger edelsüßer Weine gehen diesem Elixier fast vollständig ab. Neben der ausgeprägten Exotik finde ich im Duft auch noch etwas, für mein Empfinden, sehr Sortentypisches: Anklänge von Rhabarber.“

Diese Beschreibung trifft in abgewandelter Form auch auf diese Spätlese aus der Spitzenlage „Randersackerer Pfülben“ zu. Sie besitzt nicht ganz die Fülle und Konzentration der Auslese, besticht aber ebenfalls durch kristalline Reinheit und Präzision in der Nase. Botrytistöne finden sich allenfalls zart angedeutet. Die Frucht ist nicht so exotisch wie bei der Auslese, aber die oben bereits erwähnten, sortentypischen Rhabarbernoten sind ebenfalls vorhanden. Auch würzige, fast schon leicht pfeffrige Anklänge sind vorhanden.

Das fulminante Süße-Säure-Spiel, welches dieser betörende Wein mit jedem Schluck am Gaumen bietet, kündigt sich bereits in der Nase an. Es ist nicht ganz einfach, dieses Phänomen in Worte zu kleiden, aber nach meiner Wahrnehmung vibriert der Wein förmlich im Glas und so etwas wie eine knisternde Spannung liegt sozusagen in der Luft.
Die 30g/l Restzucker werden von der vibrierenden Säure, immerhin handelt es sich um eine Riesling-Kreuzung, fast komplett absorbiert, so dass der Wein halbtrocken schmeckt.

Im Nachhall kommt dann noch eine weitere Schattierung hinzu, nämlich eine an Limette und Zuckerrohr erinnernde Note. Man ist fast versucht von einem Caipirinha-Effekt zu sprechen.
In meinen Augen handelt es sich um einen vollendeten Spitzenwein voller Rasse und Klasse. Und das zu einem Preis, welcher lediglich etwas mehr als ein Drittel der Auslese aus gleichem Hause beträgt.

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2015 Riejo Weißweincuvée

Weingut Hüßner, Wiesenbronn

Wie wir ja alle wissen, ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Man kennt viele Dinge und das Meiste um uns herum scheint vertraut. Von Zeit zu Zeit stößt man aber auch auf 2015-riejo-BxÜberraschendes. Und genau so ist es mir mit dem „Riejo“ vom Weingut Hüßner ergangen. Rebsortenmäßig kenne ich, so denke ich zumindest, die meisten Varietäten, welche in Franken kultiviert werden. Als ich aber das Etikett betrachtete und „Riejo“ las, bin ich zunächst stutzig geworden. Meine erste Assoziation war „Rioja“, aber das konnte ja nicht sein, immerhin handelt es sich um einen fränkischen Wein. Des Rätsels Lösung liegt in der Kreativität der Winzergattin begründet.

Als nämlich vor einigen Jahren die Erntemenge in einer jungen, mit der Rebsorte Johanniter bepflanzten Anlage durch Frühjahrsfröste dezimiert wurde, lohnte eine separate Abfüllung dieser Minimenge nicht und Thomas Hüßner entschied sich für einen Verschnitt mit einem geeigneten Cuvée-Partner. Nach einigem Hin- und Herprobieren entpuppte sich der Rieslaner als der beste Vermählunspartner. Michaela Hüßner hatte sofort den passenden Namen parat: „Riejo“ – denn es handelte sich um eine Cuvée aus Rieslaner und Johanniter. Der Wein kam super bei den Kunden an und so entschied man sich 2016, den Begriff als Wortmarke schützen zu lassen.

Doch wie präsentiert er sich denn nun eigentlich im Glas, unser „Riejo“?

Von der Nase her aromatisch und fruchtig, ohne aufdringlich zu sein. Er besitzt nicht die Rasse und exotische Frucht eines reinsortigen Rieslaners, sondern überzeugt durch Ausgewogenheit und fein verwobene Duftkomponenten, welche mich an Pfirsich, roten Apfel und Zitrusfrüchte erinnern. Das Ganze wirkt sehr abgeklärt und ist von einer feinen Würze unterlegt.

Am Gaumen gelingt der Balanceakt zwischen Fülle und aromatischer Konzentration einerseits und Frische und Leichtigkeit andererseits. (Rest-)Süße und Säure sind wunderbar austariert, so dass der Wein weder knochentrocken noch halbtrocken schmeckt. Mit 8,3 g/l Restsüße bewegen wir uns offiziell im deutschtrockenen Bereich. Mich überzeugt vor allem die geschmeidige, den Gaumen fast schon liebkosende Art dieser Cuvée. Die Säure setzt zum Auftakt am Gaumen einen Kontrapunkt, wird aber im Nachhall von der zarten Restsüße eingefangen und es ergibt sich zusammen mit einer leicht aufrauhenden, phenolischen Komponente ein komplexer Abgang. Der „Riejo“ ist süffig, ohne ins Gefällige abzugleiten. In diesem Fall passen Braut und Bräutigam perfekt zusammen. Erheben wir das Glas auf eine lange, erfolgreich Ehe!

2016 Pinot Blanc trocken

Weingut Deppisch, Theilheim

Das Weingut Deppisch aus Theilheim gehört mit einer bewirtschafteten Rebfläche von knapp zwei Hektar zwar zu den kleineren Betrieben in der Anbauregion, aber durch 2015-pinotblanc-trocken-Bgseine Mitgliedschaft beim Demeter-Verband nimmt es auch eine Art Vorreiterrolle ein. Nur ganz wenige andere Betriebe in Franken nehmen die Mühe auf sich, nach den strengen Richtlinien des Verbandes ihre Weinberge biodynamisch zu bewirtschaften. Wer sich für die Thematik näher interessiert, dem empfehle ich die Lektüre des Buches „Beseelter Wein“ von Nicolas Joly. Er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter des biodynamischen Weinbaus und praktiziert die Methode schon seit den 1980er-Jahren auf dem familieneigenen Weingut in Savennières an der Loire. Sein Top-Wein, der „Clos de la Coulée de Serrant“ gehört zu den berühmtesten Weißweinen Frankreichs.

Nicht nur durch die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, sondern auch mit der Namensgebung auf dem Etikett bewegt sich das Weingut Deppisch jenseits der konventionellen Pfade. Statt des deutschen Rebsortennamens Weißburgunder prangt auf dem Etikett die französische Bezeichnung Pinot Blanc. Und statt einer Lagenbezeichnung steht einfach „Theilheimer“ zu lesen. Dies entspricht quasi einem Village-Wein (z. B. Meursault oder Chassagne-Montrachet) nach französischer bzw. burgundischer Lesart.

Im Glas zeigt der Theilheimer Pinot Blanc eine strahlend strohgelbe Farbe. In der Nase offenbart er sich ganz sortentypisch mit Zurückhaltung und einem guten Schuss Eleganz.

Eine wunderbare Mischung aus Frucht, Mineralität und Würze entfaltet sich nach und nach. Neben einer zarten Birnennote spielen auch Anklänge von Zitrusfrucht eine Rolle. In seiner Grundausrichtung ist der Wein für mein Empfinden frisch und frühlingshaft. Trotz 12,5 % vol. Alkohol präsentiert er sich floral und schwebend in der Nase. Das ist durchaus komplex in Summe, denn auch die mineralischen Noten, in Form einer erdigen Würzigkeit, sind sehr schön herausgearbeitet und tragen zum Facettenreichtun des Weines bei.

Im Geschmack zeigt er sich mittelkräftig mit gutem Nachhall. Der Pinot Blanc von Familie Deppisch baut durchaus Druck am Gaumen auf, aber wirkt dabei niemals fett. Obwohl die Säure analytisch nicht allzu hoch ist, wirkt der Wein dennoch sehr lebendig und frisch. Dies bewirkt hauptsächlich die markante Zitrusnote, welche im Nachhall dominiert. Unser „Village-Wein“ ist zwar mit 7,3 g/l nicht fränkisch trocken, aber durch seine ausgeprägt mineralische Komponente wird das klitzekleine „Zuckerschwänzchen“ bestens konterkariert.

Aus aktuellem Anlass könnte ich mir sehr gut eine Kombination mit fränkischem Spargel mit Zitronenhollandaise vorstellen.

 

2012 Cabernet Dorsa trocken: Blickdicht

Weingut Kessler, Prichsenstadt

Eingangs möchte ich Ihnen heute eine kleine Anekdote erzählen, welche mir in Verbindung mit unserem aktuellen wieder in den Sinn kam.

Vor einigen Jahren präsentierte ich im Rahmen einer Weinprobe einen Rotwein aus dem südwestfranzösischen Anbaugebiet Madiran. Die verwendete Rebsorte Tannat ist bekannt für ihren Tanninreichtum und die Farbtiefe der aus ihr gekelterten Tropfen. Als wir den Wein im Glas kreisen ließen, meinte einer der anwesenden Weinfreunde auf einmal ganz trocken: „Wenn des jetzt ein Damenstrumpf wär‘, würde man sagen, der ist blickdicht.“

Und um genau solch ein „blickdichtes“ Exemplar handelt es sich beim Cabernet Dorsa vom Weingut Kessler aus Prichsenstadt. Die Sorte wurde 1971 an der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstanbau in Weinsberg aus Dornfelder x Cabernet Sauvignon gekreuzt. Mit etwas mehr als 20 Hektar Anbaufläche gehört sie in Franken eher zu den Exoten. Winzermeisterin Ina Kessler ist im Jahrgang 2012 für meinen Geschmack ein Prachtexemplar gelungen. Allein schon die intensive, tiefkonzentrierte Farbe mit ihren Purpur-Reflexen macht neugierig auf den Wein.

In der Nase begeistert beim ersten Reinschnuppern spontan die reintönige, intensive Kirsch- und Brombeerfrucht. Das geht durchaus in die Richtung eines sehr guten Dornfelders. Aber darüber hinaus bringt der andere Elternteil – der „Global Player“ Cabernet Sauvignon – eine unheimlich feine, würzig unterlegte Paprikanote ins Spiel. Auch etwas kalter Kamin schwingt in der Nase noch mit. Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass bei diesem Exemplar die Trumpfkarte Cabernet nicht das restliche Blatt aussticht, sondern gleichberechtigt mit den restlichen „Karten“ zusammenspielt. Tolle Farbe, tolle Frucht und Würze in der Nase. Color – check, odor – check. Und wie steht es mit sapor?

Am Gaumen rollt der Kessler’sche Cabernet Dorsa den roten Samtteppich aus. Die Tannine sind sanft und von feinstem Schliff. Die Säure verleiht dem Wein eine wunderbare Frische und Trinkigkeit. Ich bin nämlich der Ansicht, dass auch Rotweine ein gewisses Säuregerüst benötigen, um nicht zu schnell satt zu machen. So bleibt auch die Eleganz gewahrt und die Lust auf den nächsten Schluck stellt sich automatisch ein. Ganz grandios finde ich die perfekt austarierte Verbindung von Frucht und Würze im Geschmack. Das ist so, als ob die fruchtigen und die würzigen Noten Ping-Pong am Gaumen spielen. Die Krönung des Ganzen ist dann schließlich das dezente, lakritzige Bitterl im langen Nachhall. Farblich blickdicht, aromatisch verführerisch, preislich verlockend: Rotweintrinkerherz was begehrst du mehr?

2015 Bacchus Kabinett – Terrassenwein

Winzerhof Schick, Zeil am Main

Ich habe der Sorte mein erstes magisches Weinerlebnis zu verdanken. Nie werde ich den Moment vergessen, als ein kleiner Schluck einer 1976er Bacchus Beerenauslese meinen Gaumen berührte und mich voll ungläubigen Staunens zurückließ. Bis zu diesem zauberhaften Augenblick hätte ich es nie für möglich gehalten, dass aus Weintrauben so etwas Köstliches entstehen kann.

Auch wenn diese „erste Liebe“ über die Jahre etwas eingerostet war, so habe ich doch, mit gewissen zeitlichen Abständen, immer wieder erstaunliche Weine aus dieser besonders in Franken populären Sorte verkosten dürfen. Momentan findet bei mir gerade so etwas wie ein kleines Bacchus-Revival statt. Heute möchte ich Ihnen eine leichte und frische Variante von den östlichen Ausläufern des fränkischen Weinbaugebietes vorstellen. Man könnte die hiesigen Lagen wie den „Steinbacher Nonnenberg“ und den „Ziegelanger Ölschnabel“, welche der Winzerhof Schick bewirtschaftet, durchaus als „cool climate“-Lagen bezeichnen. Und gerade in solchen etwas kühleren Lagen und klimatischen Verhältnissen fallen die Weine der Sorte besonders saftig und frisch aus.

Bereits die grüngelbe Farbe signalisiert Leichtigkeit und Frische. Der visuelle Eindruck wird dann auch im Duft sogleich bestätigt. Der Wein geht in seiner pflanzlich-würzigen Art schon fast etwas in die Sauvignon Blanc-Richtung. Neben den vegetabilen (Pflanzenstängel) und blättrigen Noten zeigen sich noch Anklänge von Stachelbeere und Kiwi sowie Eisbonbon. Zusätzlich schwingen noch hefige und mineralisch-würzige Noten mit. Insgesamt handelt es sich also eher um einen modernen Sortenvertreter denn um einen klassischen Bacchus. Dies tut der Klasse des Weines allerdings nicht im geringsten einen Abbruch.

Am Gaumen betört unsere Weinvorstellung dann mit seiner äußerst saftigen, feinherben Art. Mit seinem schlanken Körper – gerade einmal 10,5 % vol. Alkohol – kommt er dem Verlangen einer wachsenden Zahl gesundheitsbewusster Genießer nach leichten Weinen voll entgegen. Trotz seiner Leichtigkeit besitzt er aromatische Nachhaltigkeit am Gaumen. Am meisten schlägt die Eisbonbon-Note aus der Nase geschmacklich zu Buche. Die zarte Restsüße wird durch eine lebendige Säure in Zaum gehalten, so dass jegliche Gefahr der Behäbigkeit im Keim erstickt wird. Für einen sogennanten „Leichtwein“ fällt der Abgang mit seinen leicht phenolischen und hefig-würzigen Noten bemerkenswert lang aus. Das macht unglaublich Spaß und fällt für mich in die Kategorie „Terrassenwein“. Sicherlich kann es nicht schaden, ein paar Fläschen als „Frühlingsopfer“ im Keller zu haben. Jetzt muss er nur noch kommen.

 

2015 Bacchus: göttliche Auslese

Weingut Knoblach, Nordheim

Auch Götter haben es nicht immer einfach. In unserem konkreten Fall der Gott des Weines himself im Gewande der nach ihm benannten Rebsorte. Nicht alle Weinliebhaber 2780_2015-bacchus-auslese-suess-bb-500mlsind bereit, ihm zu huldigen, und pflegen ihre Ressentiments gegen den für Ihren Geschmack allzu süffig ausfallenden, parfürmiert bis aufdringlich daherkommenden Bacchus-Wein. Zu allem Unglück handelt es sich dann auch noch um eine Neuzüchtung ((Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau) und schon ist der Stab für alle Zeiten gebrochen über dieser für das Anbaugebiet Franken so wichtigen und wertvollen Rebsorte. Immerhin rangiert sie nach dem Müller-Thurgau und dem Silvaner an dritter Stelle der Anbaustatistik.

Zugegebenermaßen begegnet man mitunter allzu gefälligen und in ihrer anbiedernden Fruchtigkeit recht eindimensionalen Exemplaren. Aber wenn man aufgeschlossen ist und sich etwas Mühe gibt, findet man auch ganz fabelhafte Vertreter der Sorte. Sehr gute, teilweise auch knochentrockene Exemplare, können aufgrund ihres aromatischen Profils manchmal sogar an die Trendsorte Sauvignon Blanc erinnern. Aber auch im edelsüßen Bereich lassen sich echte Schätze heben. Ich erinnere mich beispielsweise noch mit Genuss an eine Trockenbeerenauslese, welche ich letztes Jahr hier vorgestellt habe.

Ganz so hoch greifen wir heute zwar nicht. Aber bei unserem aktuellen Wein handelt es sich immerhin um eine hochgradige Auslese, welche, ganz nach meinem Geschmack, eher in der traditionellen Stilistik edelsüßer Weine ausgebaut wurde. Diese beinhaltet, dass die alkoholische Gärung nicht schon bei relativ niedrigen Alkoholgraden von 7-8 % vol. gestoppt wird und entsprechend viel Restsüße erhalten bleibt, sondern der Most vergärt weiter – in unserem Fall bis 13% vol. Alkohol – und der fertige Wein ist weniger süß. In der Summe ergibt dies eine wunderbare Auslese mit weiniger Charakteristik und relativ kräftigem Körper. Die Nase bietet ein absolut berauschendes, sinnenfrohes und sortentypisches Parfum: Im Mittelpunkt steht eine „fleischige“, traubige Frucht samt Lychee-Einschlag, um welche sich, geradezu irisierend, würzige, leicht rauchige und auch florale Noten guppieren.

Im Geschmack kommt dann die von mir bereits erwähnte „alte Stilistik“ voll zum Tragen. Am Gaumen besitzt die Knoblach’sche Auslese durch ihren kräftigen Körper eine feurige Art, ohne aber brandig zu sein. Man hat wirklich das Gefühl einen Wein zu trinken und eben nicht einen Likör. Neben der traubig-würzigen Frucht (Holunderblüte) kommt im ellenlangen Nachhall eine von der Botrytis herrührende, hauchzarte Bitternote zum Tragen, welche dem Wein zusätzlich Komplexität verleiht. Auch eine gewisse, salzige Note macht sich breit, so dass mit süß, sauer, salzig und bitter sämtliche Geschmacksqualitäten vertreten sind. Und das Geheimnis liegt, wie so oft, in der Harmonie der einzelnen Komponenten begründet. Eine wunderbare, Harmonie ausstrahlende, nicht zu süße, edelsüße Auslese. – Göttlich.

 

 

2015 Grauer Burgunder trocken

Weingut Scheuring, Margetshöchheim

Ähnlich wie seine Schwestersorte, der „Weiße Burgunder“, gehört der „Graue Burgunder“ zu den besonders wertvollen und sowohl von Winzern als auch Weinlieb-GRAUERBURGUNDERhabern gleichermaßen geschätzten Ergänzungssorten. Mit gerade einmal 62 Hektar Rebfläche besiedelt er ein Prozent der gesamten fränkischen Anbaufläche. Da er ebenso wie der „Weiße Burgunder“ kaum über eine ausgeprägte Frucht verfügt und eine von mir gerne als „weinig“ bezeichnete, harmonische Grundstruktur besitzt, eignet er sich wie kaum eine andere Sorte als vielseitiger und äußerst anpassungsfähiger Speisenbegleiter. Man könnte dieses Faktum auch eher negativ auslegen und behaupten, er verfüge über wenig Eigencharakter und Typizität. Aber weit gefehlt:

Ich habe schon lange keinen so sortentypischen, charaktervollen und ausgewogenen Grauburgunder getrunken wie die 2015er Variante von Ilonka Scheuring, der Jungwinzerin des Jahres 2010/2011. Im Glas fasziniert sofort die strahlende, mit einem hellen Strohgold funkelnde Farbe. Im Duft zeigen sich, wie oben bereits angedeutet, keine präpotenten, in den Vordergrund drängenden Fruchtnoten. Das ist eher eine Nase der leisen Töne, welche aber dem genießenden Freund von Nuancen und Zwischentönen so einiges zu bieten hat. In erster Linie sind es zart ausgeprägte, eher in die würzige Richtung gehende Noten: hefige, florale aber auch nussige Töne spielen im Gleichklang. Als Frucht gesellt sich allenfalls eine Ahnung von Birne hinzu. Insgesamt empfinde ich das Nasenbild als sehr sortentypisch.

Im Geschmack ist der Scheuring’sche Grauburgunder fränkisch trocken und kommt aufgrund seiner relativ niedrigen Säure sehr rund und harmonisch an. Was mir besonders gefällt ist eine ganz feine, aufrauende Note am Gaumen, welche für Persistenz sorgt. Vermutlich hat der Wein während seiner Werdung im Keller den biologischen Säureabbau durchlaufen. Darauf deutet eine dezent laktische Note im Nachhall hin. Wenn dem so sein sollte, ist dieser Prozess – welcher bei schweizerischen Weißweinen obligatorisch ist, in unseren Breitengraden aber eher die Ausnahme darstellt – perfekt gelungen. Der Wein hat Gewicht, wirkt aber niemals schwerfällig. Was die Sache so rund macht, ist die Tatsache, dass wir es sowohl mit einem tollen Speisenbegleiter als auch mit einem perfekten Solisten zu tun haben. Ich würde, falls vorhanden, die Burgunder-Gläser aus dem Schrank holen. Und ganz wichtig: nicht zu kalt servieren. Um die 12 Grad sind ideal für meinen Geschmack.