2014 Silvaner Kabinett trocken – Volkacher Ratsherr

Weingut Walter Erhard, Volkach

Als Walter Erhard den Betrieb im Jahre 1990 von seinen Eltern übernahm, handelte es sich um einen klassischen, landwirtschaftlichen Mischbetrieb. Sein oberstes Ziel war es, ein florierendes, selbstvermarktendes Weingut aufzubauen.

Mit 7,5 Hektar Weinbergsfläche in den bekannten Lagen Escherndorfer Lump und Volkacher Ratsherr, der langjährigen Mitgliedschaft in der Winzervereinigung 2014-silvaner-kabinett-trockenFrank&Frei und zahlreichen Preisen und Auszeichnungen (Bayerischer Staatsehrenpreis, 1. Platz Internationaler Müller-Thurgau-Preis, 2 Trauben Gault Millau etc.) kann dieses Unterfangen als bestens gelungen bezeichnet werden.

Der „2014er Silvaner Kabinett trocken“ ordnet sich im dreigliedrigen Sortiment (Neues Franken, Klassisches Franken, Großes Franken) in die Kategorie „Klassisches Franken“ ein. Auf der Homepage heißt es: „Klassisch im Bocksbeutel spiegeln die Weine die fränkische Kompetenz und Vielfalt wider. Jedes Jahr aufs Neue schmecken Sie den Unterschied der Lagen. Weine aus dem Eschendorfer Lump schmecken anders als Weine aus dem Volkacher Ratsherr.“

Im „Ratsherr“ sind auch die Trauben für den 2014er Silvaner Kabinett von Walter Erhard gewachsen. Mit 12,8 % vol. Alkohol handelt es sich eigentlich eher um ein kleine Spätlese, aber die Wahrheit liegt wie immer im Glas und der Wein zeigt sich von einer eleganten, verspielten Art, die man durchaus als „kabinettig“ bezeichen kann. Zumal eine freiwillige Abstufung von Seiten des Winzers ja immer zum Vorteil der Weingenießer geschieht.

Im Glas zeigt der Wein ein schönes Strohgelb mit leicht grünlichen Reflexen. Die Nase ist unheimlich frisch und zeigt kaum Reifenoten. Durchaus silvanertypisch ist relativ wenig Frucht wahrnehmbar. Allenfalls etwas Zitrusfrucht, aber eher von der grünen Sorte (Limette). Was den Erhard’schen Silvaner auszeichnet, ist eine wunderbar frische, kräutrig-florale Nase.

Assoziativ lässt sich der Wein in etwa so beschreiben: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie sitzen gerade auf einer frühlingshaften Blumenwiese und trinken ein Glas extratrockenes Tonic-Water mit einem Schuss Limettensaft, als gerade jemand beginnt, den Rasen zu mähen.

Geschmacklich kommt ganz klar wieder die Zitrusnote aus der Nase zum Tragen. Die Säure verleiht dem Silvaner aus dem „Ratsherr“ einen rassigen und eher schlank anmutenden Gaumenauftritt. Es ist aber allemal genug Substanz und Extrakt da, um den Wein nicht dünn erscheinen zu lassen. Mein Kurzfazit lautet: Rassige Eleganz gepaart mit frühlingshafter Frische. Ein Bilderbuch-Silvaner, der alle Arten von Fisch auf das Vortrefflichste schwimmen lässt!

2013 Scheurebe Spätlese Nordheimer Vögelein

Weingut Glaser, Nordheim

2016 ist das große Jubiläumsjahr der Scheurebe. Die Sorte wurde im Jahr 1916 von Dr. Georg Scheu an der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey (Rheinhessen) gekreuzt. Lange Zeit glaubte man irrtümlich, es handele sich um eine Kreuzung der Elternsorten Riesling und Silvaner. Dies hat sich jedoch durch moderne Genanalysen als falsch erwiesen. Die Sorte entstammt vielmehr der 2013-voegelein-scheurebe-spaet-trockenVerbindung von Riesling und Bukettraube. Und spätestens hier kommt dann auch die Region Franken ins Spiel: die Bukettraube, welche hierzulande als ausgestorben galt, wurde im 19. Jahrhundert vom Weinbau-Pionier Sebastian Englerth in Randersacker aus Silvaner und Trollinger gekreuzt. Auf verschlungenen Pfaden fand die Sorte ihren Weg nach Südafrika und wird dort heute auf knapp 90 Hektar kultiviert.

Doch zurück zur Scheurebe, welche ich für eine der qualitativ hochwertigsten „Neuzüchtungen“  überhaupt halte: Auch wenn sich die Anbaufläche in den letzen 20 Jahren mehr als halbiert hat, so gehört sie mit knapp 1.500 Hektar immer noch zu den Top 10 der meistangebauten weißen Rebsorten. Was der Sorte helfen könnte, nicht noch weiter an Boden zu verlieren, ist der Umstand, dass sie von vielen Winzern als deutsche Antwort auf die Modesorte Sauvignon Blanc gesehen und vermarktet wird.

Die Trauben für die restsüße Spätlese von Familie Glaser sind in der Lage „Nordheimer Vögelein“ gewachsen. Und ob Sie es glauben oder nicht, mein erster Gedanke beim Schnüffeln am Glas war Sauvignon Blanc. Und zwar aus Neuseeland. Die Nase weist in eine überaus exotische, an Mango und Maracuja erinnernde Richtung. Erst mit etwas Belüftung und steigender Temperatur zeigt sich die sortentypische Grapefruit-Note. Auch etwas Pflanzlich-Vegetabiles wie Erbsenschote nehme ich wahr. Das alles ist sehr expressiv und eindeutig, ohne gleich ins Schwülstige abzudriften.

Am Gaumen folgt dann die eigentliche Sensation: Man merkt sofort, dass es sich um eine Riesling-Kreuzung handelt. Die Säure zieht über die Zunge, als ob Sie den Main teilen möchte. Das ist dermaßen frisch und belebend, dass sofort den nächsten Schluck macht, ob man will oder nicht. Die Scheurebe Spätlese von Familie Glaser hat einen Zug am Gaumen, dass es eine wahre Freude ist. Geschmacklich kommt wieder die Maracuja aus der Nase zum Vorschein. Aber auch eine würzige, fast salzige Note schwingt im langen Nachhall mit.

Das ist einfach toll! Vor allem wirkt der Wein noch unglaublich frisch, ja fast jugendlich! Die Reifefähigkeit hochklassiger Scheureben ist in Kennerkreisen Legende. Aber was erzähle ich eigentlich? – Bitte selbst probieren, frei nach dem Motto: „Probieren geht über studieren“.

2014 Acolon Qualitätswein trocken

Weinerlebnis Stühler, Untereisenheim

Heute haben wir es im Rahmen der wöchentlichen Weinvorstellung wieder einmal mit einer Rebsorten-Premiere zu tun. Der Acolon gehört zu den neueren roten Rebsorten und wurde 1971 an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg gekreuzt. Die Eltern sind Lemberger (Blaufränkisch) und Dornfelder. Nachdem im Jahr 2002 die Sortenzulassung erteilt wurde, fand die Sorte rasch 2014-hoell-acolon-trockenVerbreitung. Sie wird in Deutschland aktuell auf ca. 480 Hektar angebaut (0,5 % der Gesamtfläche). Davon entfallen gut 50 Hektar auf das Anbaugebiet Franken.

Die Sorte gilt als frühreifend und liefert im Vegleich zu ihren Elternsorten höhere Mostgewichte. Die Weine besitzen in der Regel eine gute Färbung und ausgeprägte Fruchtaromen bei guter Struktur und harmonischen Gerbstoffen.

Die Trauben für den Acolon von Familie Stühler sind in der Lage „Untereisenheimer Höll“ gewachsen. Im Glas zeigt er eine wunderbar purpurrote Farbe. Beim Riechen am Glas zeigt der Wein sowohl fruchtige als auch würzige Noten, welche mich an Teer und Waldfrüchte erinnern. In Anlehnung an die Barolo-Allegorie der frisch geteerten Straße, welche an einem Feld blühender Rosen vorbeiführt, kommt mir beim Stühler’schen Acolon ein kleiner Feldweg in den Sinn, welcher gerade asphaltiert wird und an dessen Rand üppig behangene Brombeersträucher mit vollreifen Früchten stehen.

Am Gaumen zeigt er sich momentan noch als Rauhbein mit Charme. Die Tannine sind zwar feinkörnig, aber noch nicht ganz eingebunden bzw. abgeschmolzen. Das stört aber nicht weiter, denn der Wein hat genug Körper und Fruchtsubstanz, um trotzdem schon Trinkfreude zu bereiten. Geschmacklich kommt eine aparte Waldbeerennote zum Tragen, welche im Nachhall in eine feine, an Lakritze und Tapenade (südfranzösische Olivencreme) erinnernde Note mündet.

Damit wären wir auch schon bei der Speisenbegleitung. Eine gegrillte Lammhaxe oder eine geschmorte Lammschulter (mit Tapenade eingerieben) sollte ein gutes Match ergeben.

2015 Kerner Spätlese lieblich Nordheimer Kreuzberg

Weingut Reichert, Nordheim

Wie es nun einmal so ist im Leben, gelingt es selten, einen anhaltenden Abwärtstrend umzukehren. Die Rebsorte Kerner könnte ein Lied davon singen, wäre Sie in der Lage, zu sprechen. Im Jahre 1929 an der Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg gekreuzt, trat Sie zunächst ihren Siegeszug in Deutschlands Weingärten an, um dann in den letzten 20 Jahren wieder mehr als 60% ihrer Anbaufläche einzubüßen. Prädikat „megaout“.

2015-kreuzberg-kerner-spaet-schlegelIn meinen Augen völlig unverständlicherweise nimmt man unsere Spätlese von Familie Reichert als Maßstab her. Die Trauben sind im Nordheimer Kreuzberg gewachsen und wurden mit Spätlese-Gradation geerntet. Diese Tatsache alleine hat noch nicht allzu viel zu bedeuten, neigt die Sorte doch von Haus aus zu hohen Mostgewichten – Spätlese aufwärts.

Was den Kerner von Familie Reichert so gelungen macht, ist sein phantastisches Säurespiel, welches in der Tat an seinen Elter – den Riesling – erinnert.
Doch fangen wir bei der Nase an: Beim Riechen am gut gefüllten Glas (wichtig!) betört der Wein mit kristallklarer Frucht. Neben einer wunderbar reifen Pfirsichnote schwingen noch hefige Aromen und das berühmte sortentypische Eisbonbon mit.

Auf der Zunge brennt der Wein dann ein wahres Geschmacks-Feuerwerk ab. Die fulminante Säure sorgt im Zusammenspiel mit der Süße für einen quicklebendigen Gaumen-Auftritt. Das hat Saft, das hat Rasse und Klasse. Geschmacklich meldet sich wieder das Eisbonbon aus der Nase zu Wort. Außerdem erinnert mich das Ganze an den Biss in ein Stück reife Mango mit ihren leicht ätherischen Noten. In der Kategorie „Trinkfluss-Punkte“ bekäme die Spätlese von Familie Reichert die Höchstpunktzahl von mir. Prädikat „Glas immer zu schnell leer“.
Jetzt wissen Sie auch, warum das Glas gut gefüllt sein soll (siehe oben)!

2015 Silvaner Kabinett trocken – Randersackerer Ewig Leben

Winzerkeller Randersacker

Frei nach dem Motto „Alles hat eine Ende…“ möchte ich Ihnen gerne zum Finale der Spargel-Saison einen Silvaner aus dem „Premium-Weinort“ Randersacker empfehlen.

Randersackerer Ewig Leben

Randersackerer Ewig Leben

Der Silvaner passt nicht nur perfekt zum Edelgemüse Spargel. Er ist historisch betrachtet nun mal der Franken liebstes Reben-Kind, auch wenn der Müller-Thurgau in der Anbau-Statistik immer noch leicht die Nase vorn hat. Und die Betonung liegt auf noch, denn wenn sich der Trend weiter so fortsetzt, wird der Tag bald kommen, an dem die Österreicher-Rebe (ein Synonym für den Silvaner) wieder den ihr gebührenden Platz an der Sonne einnehmen wird.

Die Trauben für unseren trockenen Kabinett sind in der Lage „Ewig Leben“ gewachsen. Dies ist die Großlagenbezeichnung für die Gemarkung Randersacker.
Im Glas schimmert der Wein strohgelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase zeigen sich kaum Fruchtaromen, allenfalls etwas gelber Apfel und ein Hauch Zitrone. Vielmehr dominieren, zumindest momentan noch, hefige und mineralisch-würzige Noten das Nasenbild.

Am Gaumen überzeugt er mit seiner körperreichen Art, welche ihn sogar glatt als Spätlese durchgehen ließe. Mit seinen sieben Gramm Restzucker pro Liter ist er zwar nicht fränkisch trocken, aber dem steht dafür mit 6,2 g/l eine lebhafte Säure als Ausgleich gegenüber. Alles in allem handelt es sich um einen sehr saftigen und würzigen Vertreter seiner Art. Im Nachhall kommt neben der erdigen, silvanertypischen Art noch die Zitrusfrucht aus der Nase zum Tragen. Besonders empfehlen kann ich diesen Silvaner zu mariniertem Spargel.

Einfach nicht zu weich gekochte Spargelstangen auf eine Servierplatte mit leichter Vertiefung legen und mit folgender Marinade übergießen: je zur Hälfte Kochsud und Ölivenöl in eine Schüssel geben, gut verrühren (Schneebesen!) und herzhaft mit Salz, Pfeffer, Senf, Gemüsebrühe (Pulver), einem Schuss Soja-Sauce und Essig abschmecken. Dann noch klein geschnittenen Schnittlauch zugeben und das Ganze zugedeckt für einige Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen. Dazu am Besten Bratkartoffeln servieren.

2014 Silvaner trocken ** – Deutscher Landwein

Weingut Erwin Christ, Nordheim

Das Weingut Christ zeichnet sich im Vergleich zu anderen Winzerbetrieben durch einige Besonderheiten aus.
So wird hier bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert, um genau zu sein seit 1964, biologisch gewirtschaftet. Die Zertifizierung erfolgte dann im Jahr 1991.
2014-silvaner-trockenAußerdem werden alle Weine, unter Verzicht auf die Amtliche Prüfnummer, konsequent als Landweine vermarktet.
Da beim Landwein weder eine Lagenbezeichnung noch eine Prädikatsbezeichnung auf dem Etikett auftauchen dürfen, war etwas Kreativität gefragt, um den Kunden dennoch ein paar Informationen mit auf den Weg geben zu können. So findet sich auf den Christ’schen Etiketten jeweils ein Symbol, welches stellvertretend für eine Lage steht. Bei unserem 2014er Silvaner ist es ein Vogel, da die Trauben in der Lage Nordheimer Vögelein gewachsen sind. Eine Kirche steht beispielsweise für die Lage Volkacher Kirchberg.

Die Wertigkeit wird über Sterne auf dem Etikett kommuniziert. So steht * für den Basisbereich, ** für das Mittelsegment und *** für gehobene Qualitäten.

Die Trauben für den 2014er Silvaner sind also in der Lage Nordheimer Vögelein gewachsen und der Wein gehört zum mittleren Qualitätssegment. Er besitzt eine relativ kräftige, hellgoldene Farbe. Für einen Silvaner nicht untypisch, zeigt er relativ wenig fruchtige Anklänge in der Nase. Allenfalls etwas Apfel und Zitrus begleitet von feinen Kräuternoten und einem Hauch Spargelsud. Was gleich auffällt, ist eine deutliche Honignote, welche wahrscheinlich von botrytishaltigem Lesegut herrührt. War es schon für konventionell arbeitende Betriebe in diesem Jahrgang schwer genug ausschließlich gesunde Trauben zu ernten, so war es für Biobetriebe eine noch größere Herausforderung.

Am Gaumen präsentiert er sich knalltrocken, wie fast alle Weine von Erwin Christ, und ist mit 0,6 g/l Restzucker geradezu kompromisslos trocken. Trotz seines realtiv niedrigen Alkoholgehaltes (11% vol.) besitzt er eine stoffige Art und bleibt lange haften. In seiner betont herben, etwas rustikalen Art wirkt der Wein etwas aus der Zeit gefallen und
ist nicht unbedingt das, was unsere österreichischen Nachbarn einen „Faserschmeichler“ nennen. Aber dennoch möchte ich alle aufgeschlossenen Weintrinker gerne dazu animieren sich einmal mit dieser Facette der fränkischen Silvaner-Welt auseinanderzusetzten.

Geben Sie diesem „unmodischen“, fränkischen Original eine Chance. Vielleicht nicht unbedingt als Schoppenwein, aber als Begleiter zu Spargel mit Bratkartoffeln und groben Bratwürsten sicherlich ein Hochgenuss.

2015 Zweigelt Weißherbst Kabinett trocken – Dettelbacher Sonnenleite

Winzerhof Kieselsmühle, Dettelbach

Klein aber fein, so könnte das Motto für den Winzerhof Kieselsmühle aus Dettelbach lauten. Gerade einmal 3,5 Hektar bewirtschaftet das Ehepaar Petra und Werner Schmitt fast ausschließlich in Dettelbacher Lagen. Dass hier ein hoher Qualitätsanspruch an den Tag gelegt und auch eingelöst wird, beweist der im Jahr 2013 verliehene Bayerische Staatsehrenpreis. Ein weiteres Motto könnte lauten: Vielfalt ist Trumpf. Trotz der vergleichsweise überschaubaren Betriebsgröße befinden sich zehn verschiedene Rebsorten im Anbau. Eine der großen Spezialitäten der Kieselsmühle ist die eher 2015-sonnenleite-zweigelt-weissherbst-kabinett-trocken-BBfrankenuntypische Rebsorte Zweigelt, welche 1922 in Österreich aus den beiden autochthonen Sorten St. Laurent und Blaufränkisch gekreuzt wurde. Es handelt sich um die meistangebaute rote Varietät in unserem Nachbarland. In Deutschland sind kaum 100 Hektar mit der Zweigeltrebe bestockt, davon gerade einmal 15 Hektar in Franken.

Unser „Wein der Woche“ wäre somit im doppelten Sinne ein Exot: Zweigelt ist ohnehin selten bei uns anzutreffen, aber dann auch noch als Weißherbst gekeltert, da müssen selbst Spezialitätenliebhaber lange suchen, um ein Pendant zu finden.
Doch wie präsentiert sich unser „Exil-Österreicher“ im Glas? Die Farbe ist ein wunderbar strahlendes, mittelkräftiges Pink. In der Nase zeigt er glasklare, rotbeerige Fruchtaromen, welche aber niemals ins Kitschige abgleiten, sondern vielmehr von einer zarten Würze begleitet werden. Die Lust auf den ersten Schluck stellt sich auf jeden Fall unmittelbar ein.

In seiner feinsäuerlichen, rotfruchtigen Art erinnert der Wein etwas an leicht gezuckerte Ribiseln, um im Idiom des Heimatlandes der Sorte zu verbleiben. Auch wenn „trocken“ auf dem Etikett steht, so hat er doch ein paar Gramm Restzucker, welche aber überhaupt nicht stören, sondern vielmehr die Fruchtigkeit unterstreichen und im Zusammenspiel mit der Säure einen spannenden Kontrast erzeugen. Auch im Geschmack kommt, wie bereits im Duft angedeutet, eine würzige Note zum tragen. Eine leicht phenolische Komponente sorgt für Struktur am Gaumen und verhindert, dass man den Wein einfach nur so „wegschlabbert“. Dafür wäre er zwar keineswegs zu schade, aber unter Wert geschlagen allemal. Denn durch seine Kraft (13 % vol. Alkohol) und Struktur eignet er sich ausgezeichnet als Essensbegleiter. Ich würde ihn gerne zu marinierten (Olivenöl, Kräuter und Knoblauch) und anschließend gegrillten Lammkoteletts trinken.