2016 Traminer Qualitätswein

Weingut Fröhlich, Wiesenbronn

Traminer oder Gewürztraminer, das ist hier die Frage. Natürlich handelt es sich in unserem Fall keineswegs um eine Frage mit solch einer existenziellen Dimension wie 2016-traminer-liter.pngbeim Dichterfürsten Shakespeare, aber interessant ist der Unterschied dennoch.

So wie es beispielsweise beim Silvaner den grünen, den gelben, den roten und den blauen gibt, so existieren beim Traminer ebenfalls unterschiedliche Varianten.

Je nach Beerenfarbe können verschiedene Spielarten unterschieden werden: rote Beeren – Roter Traminer; hellrot/rosa – Gewürztraminer, gelblich – Gelber Traminer). Im wesentlichen unterscheiden sie sich durch die Intensität ihres würzigen Geschmacks.

Sämtliche genannten Spielarten des Traminers können von den Winzern auf dem Etikett als Gewürztraminer bezeichnet werden. Somit bleibt es letztendlich dem Winzer überlassen, sofern er Roten oder Gelben Traminer im Anbau hat, ob er diese als Traminer oder Gewürztraminer deklariert.

Generell sagt man dem Traminer nach, dass er in Geschmack und Aroma nicht ganz so intensiv sei wie der Gewürztraminer. Auf alle Fälle handelt es sich um eine unserer wertvollsten und ältesten Sorten, welche im Verlauf der Zeit durch natürliche Kreuzungen auch Spuren in anderen Rebsorten wie dem Silvaner und dem Riesling hinterlassen hat.

Als Ursprungsgebiet wird von den Ampelographen Südosteuropa angenommen. Bereits im Mittelalter kam die Sorte in Südtirol vor, wo sie im 15.Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Durch den regen Weinhandel ausgehend von der Ortschaft Tramin (Südtirol) kam die Sorte dann auch zu ihrem heutigen Namen.

Winzerfamilie Fröhlich aus Wiesenbronn hat im Jahrgang 2016 etwas getan, was als absolute Ausnahme zu bezeichnen ist. Sie hat ihren Traminer auf die Literflasche gezogen. Um ehrlich zu sein, ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals ein Traminer/Gewürztraminer in der Literflasche untergekommen ist. Dafür ist die Sorte einfach zu hochwertig und auch vom Ertragsniveau zu niedrig. Aber den Verbraucher freut es um so mehr. Bekommt er doch viel Wein für wenig Geld.

Im Glas präsentiert er sich durchaus sortentypisch, aber eher pianissimo. Der sonst so ausgeprägte Rosenduft ist nur zart angedeutet. Mit zunehmender Verweildauer und Luftzufuhr im Glas entfalten sich herbe Tangerinen-Noten und Anklänge von Wiesenblumen. Auch eine wachsige, an Chenin-Blanc-Weine von der Loire (Vouvray) erinnernde Komponente ist vorhanden. Summa summarum für einen Traminer insgesamt eher ein dezentes Nasenbild.

Am Gaumen überzeugt mich der Liter-Traminer von Familie Fröhlich mit seiner tollen Struktur und einer beachtlichen Dichte. Er besitzt viel Extrakt für einen Literwein. Geschmacklich kommt er dank 5,8 g/l Säure durchaus frisch und lebendig rüber für einen Traminer, neigt die Sorte doch gerne auch einmal zur Säurearmut und zur Behäbigkeit.

Im Vordergrund steht am Gaumen die Tangerinen-Note aus der Nase, welche von einer aparten, zestigen Bitternote begleitet wird. Den Nachhall krönen schließlich noch würzig-mineralische Anklänge. Kulinarisch begleitet unser lohnender Edel-Schoppen am besten eine Edel-Vesper: Terrinen und Pasteten in sämtlichen Varianten oder eine gemischte Käseplatte.

Advertisements

2017 Scheurebe trocken natural pur best of .muschelkalk.

Weingut Glaser, Nordheim

Yeah, baby, yeah!!! Nicht nur ein gewisser britischer Geheimagent oder vielmehr die Parodie eines solchen würde diese Scheurebe vermütlich mögen, ist sie doch genau so 2017-bestofmuschelkalk-scheurebe-schlegeltrocken wie der sprichwörtliche englische Humor. Das ist KOMPROMISSLOS. 0,3 g/l Restzucker.

Selbst wenn sie, sagen wir einhundert, laut Etikett trockene Scheureben (maximal 9g/l) genau hinsichtlich Restsüße betrachten, werden Sie kaum fünf finden, welche unter 1g/l Restzucker liegen. Das trauen sich nur ganz wenige Winzer.

Familie Glaser aus Nordheim gehört zur kleinen Schar jener besonders mutigen Winzer. Sie scheint ohnehin ein Händchen für die Sorte zu haben, denn bereits eine vor über zwei Jahren hier vorgestellte restsüße Spätlese aus dem Jahrgang 2013 hatte mich seinerzeit richtiggehend begeistert. Genauso wie der Vorgänger des heute vorgestellten Weines aus dem Jahrgang 2015.

Zur 2015er Version schrieb ich: „Der Wein ist jedenfalls sehr sortentypisch und ein hervorragender Vertreter einer Scheurebe-Stilistik, wie ich sie gerne trinke. Ausgeprägt in der Aromatik, aber niemals laut. Von der Frucht her mehr Cassis als Grapefruit. Mit salziger Mineralität am Gaumen.“ Ahnliches gilt auch für den 2017er-Jahrgang, allerdings mit einer unterschiedlichen Akzentuierung. Für mich befinden sich Grapefruit und Cassis nahezu in perfekter Balance. Beim Schach würde man von einer Pattsituation sprechen. Zu diesen dominanten Fruchtnoten gesellt sich eine leicht pflanzlich-vegetabile Note hinzu, welche ein wenig an frisch gemähtes Gras denken lässt. Das Faszinierende ist die Ausgewogenheit und Balance in der Nase. Nichts Lautes und Hervorstechendes, sondern alle Komponenten bilden eine fein verwobene Einheit.

Im Glas zeigt die Scheurebe „best of .muschelkalk.“ eine jugendlich wirkende, helle Farbe in Richtung Strohgelb. Die 2015er Version hatte eine erstaunlich kräftige Farbe, welche ins Altgoldene ging. Doch nun zum Gaumenauftritt. Wie präsentiert sich unsere Scheurebe der Marke „bone dry“ geschmacklich?

Um es kurz fassen: faszinierend. Nach dem ersten Schluck stellt sich spontan eine gewisse Verblüffung ein. Man könnte meinen, bei einer solch aromatischen Rebsorte würde auch am Gaumen die Frucht eindeutig domieren, was sie ja meistens tut. Nicht hier jedoch.

Mineralik und Phenolik stehen eindeutig im Vordergrund. Eine geradezu mineralisch-salzige Komponente zieht ihre gnadenlose Spur über die Zunge. Eine phenolische, an Tonic Water erinnernde Note kommt noch hinzu.

Erst nach einer Weile stellt sich im Nachhall eine fast schüchtern in Erscheinung tretende Fruchtnote ein. Ein absolut ernstzunehmender Wein, aber deshalb noch lange kein ernster (soll heißen anstrengender) Wein. Eine Scheurebe mit Tiefgang und Anspruch, auf Augenhöhe mit so manchem mineralischen Sancerre (Sauvignon Blanc). Einfach fabelhaft.

2017 Sauvignon Blanc feinherb

Privat-Weingut Schmitt, Bergtheim

Wie so oft im Leben ist vieles nur eine Frage der Perspektive oder der 2017-sauvignonblanc-feinherb-BxVoreingenommenheit. Wie man möchte. Mag jemand die „neumodische“ Rebsorte Sauvignon Blanc nicht, so kann er jederzeit argumentieren, die einheimische Scheurebe sei die bessere Alternative. Mag jemand die einheimische Scheu nicht, so kann er sich zur Aussage flüchten, der Sauvignon Blanc sei besser, hochwertiger, weil …

Ich denke beide Sorten haben ihre Vorzüge und individuellen Stärken. Es tut also keineswegs Not, sie gegeneinander auszuspielen. Es sei denn man spitzt gerne zu und versteift sich auf das Heimische oder lehnt dieses im Gegenteil ab und kapriziert sich auf einen polyglotten Internationalismus. Aber lassen wir das und wenden uns lieber der äußerst gelungenen Sauvignion-Blanc-Interpretation des Privat-Weinguts Schmitt aus Bergtheim zu.

Vom Typus her würde ich ihn eher in die Kategorie des klassischen Sauvignon aus der Alten Welt stecken. Er wartet nicht mit übermäßigen, exotischen Fruchtaromen auf. Doch beginnen wir mit der Farbe: Hier überrascht er mit einem, für solch einen jungen Wein relativ kräftigen Strohgelb. Von der Nase her ist das sehr wohl typisch Sauvignon, aber auf eine dezente Art. Ganz zart sind die sorteneigenen leicht grasigen Noten angedeutet, auch etwas Heu ist dabei. Die Frucht wird hauptsächlich durch Anklänge von Melone, Sternfrucht und Limette repräsentiert. Aber auch vegetabile und gemüsige Noten von gelber Paprika sind vorhanden. Dazu gesellen sich  noch würzige, hefige und mineralische Anklänge.

Auf den Gaumenauftritt war ich durchaus gespannt, da der Wein offiziell unter „feinherb“ läuft und ich mir nicht so recht vorstellen konnte, dass dies solch einem Wein gut zu Gesicht steht. Als ich die Analysewerte „gecheckt“ hatte, folgte aber auch schon prompt die Entwarnung. Der Wein hat 9 g/l Restzucker und würde sogar noch als trocken durchgehen, wenn er 0,3 g/l mehr Säure hätte. Das Weingesetz schreibt vor, dass ein Wein, um als trocken deklariert werden zu dürfen, maximal 9 g/l Restzucker aufweisen darf und gleichzeitig darf der Säuregehalt maximal 2 g/l niedriger liegen als der Restzuckergehalt. Dies bedeutet in unserem Fall, der Wein darf nicht weniger als 7 g/l Säure haben. Da aber der Säurewert bei 6,7 g/l liegt, ist die Bezeichnung „trocken“ nicht zulässig. Schmeckt aber trotzdem so.

Geschmacklich entfaltet sich unser Wein mit schönen Zitrusfruchtaromen (Limette) am Gaumen. Auch eine herb-exotische Note in Richtung der besagten Sternfrucht schwingt mit. Aber auch die würzigen Komponenten aus der Nase kommen am Gaumen nicht zu kurz. Der Wein wirkt mineralisch und durchaus trocken. Von wegen feinherb. Mit 11,5 % vol. Alkohol ist er auch nicht über die Maßen schwer, so dass einem ungetrübten Genuss während der anhaltenden Hochsommerphase nichts im Wege steht. Dann aber 2 bis 3 Grad kühler servieren als gewöhnlich. Im Glas erwärmt er sich ja um so schneller.

2017 Bacchus Qualitätswein Wiesenbronner Wachhügel

Weingut Hüßner, Wiesenbronn

Weine der Rebsorte Bacchus habe ich Ihnen schon des öfteren versucht, ans Herz zu legen, eine gewisse Aufgeschlossenheit gegenüber dieser dritthäufigsten unter den 2017-wachhuegel-bacchus-qba-lieblich-BBweißen Rebsorten Frankens voraussetzend. Manche Weintrinker können dieser aromaintensiven Kreuzung der Elternsorten (Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau wenig abgewinnen: Zu plump, zu penetrant in der Aromatik, zu wenig Spiel am Gaumen lauten gängige Negativurteile. Und das ist ein Stück weit durchaus nachvollziehbar. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Schließlich mag auch nicht jeder Blauschimmelkäse ob seiner ausgeprägten Aromatik.

Ist man aber ausgeprägter Frucht und duftigen, geradezu blumigen Aromen gegenüber nicht abgeneigt, so gibt es neben Muskateller, Gewürztraminer und Scheurebe kaum eine bessere Rebsorte als den Bacchus.

Gefühlt, werden 90 % der Bacchus-Weine halbtrocken ausgebaut und scheinen vornehmlich der Verzückung weiblicher Weinfest-Besucher zu dienen. In ganz seltenen Fällen trauen sich Winzer an eine trockene Version. Auch in der Version eines lieblichen Qualitätsweines findet man ihn eher selten. Um letzteren handelt es sich bei unserem 2017er Bacchus vom Weingut Hüßner aus Wiesenbronn.

So stelle ich mir einen fabelhaften Sommer- und Terrassenwein vor: fruchtig, leicht und beschwingt. Der allererste Naseneindruck ist von Frische geprägt. Tonic-Water und Gurke waren meine spontanen Assoziationen. Aber dann kommt sogleich die typische traubige Bacchus-Frucht zum Vorschein: Man hat das saftige, traubig-würzig duftende Fruchtfleisch quasi vor Augen. So als ob man eine reife Beere zwischen den Fingern zerquetscht. Aber auch florale Anklänge schwingen mit, vor allem Holunderblüte.

Am Gaumen kommt dann Trinkfreude pur auf. Die Balance von Restsüße und Säure ist wunderbar gelungen. Einerseits ist die Säure ausgeprägt genug, um die 20 g/l Restzucker auszubalancieren, andererseits ist sie harmonisch und reif genug, um den Wein „süffig“ zu machen. Abseits von sämtlichen analytischen Daten ist der Wein harmonisch, fruchtbetont und rund, sprich bestens balanciert. Abschließend fällt mir dazu noch ein bei Connaisseuren und Snobs verpöntes Wort ein. Der Wein ist einfach nur LECKER.

2016er Edition Lisa Silvaner Spätlese trocken

 

Weingut Schmachtenberger, Randersacker

Wer mich kennt, weiß, dass ich kein großer Freund von holzgeprägten Weißweinen bin. 2016-lisa-silvaner-spaet-trocken-BgAber wie so oft im Leben ist alles nur eine Frage des rechten Maßes. Hält sich der Einfluss des Holzes in Grenzen, so zum Beispiel beim Ausbau im Stückfass (1200 Liter Fassungsvermögen) oder in gebrauchten Fässern, dann bin ich sogar ein ausgesprochener Befürworter dieser Vorgehensweise.

Holger Schmachtenberger hat nach meinem Geschmack mit seiner trockenen Spätlese aus Randersackerer Lagen ein gutes Händchen für den Ausbau im Holzfass bewiesen. Der Rebsorte Silvaner steht dies ohnehin gut zu Gesicht. Die leicht röstigen und vanilligen Noten passen wunderbar zur Gesamtstruktur des Weines.

Beim Eingießen des Weines bin ich zunächst überrascht. Die Farbe ist relativ hell, strohgelb mit leichten Grünreflexen, würde ich sagen. Meistens präsentieren sich Weine dieses „Kalibers“ – Spätlesekategorie mit Holzfassausbau – deutlich kräftiger in der Farbe. Aber das tut der Qualität des Weines keinen Abbruch. In der Nase zeigt er schöne, reife Fruchtaromen von Birne inklusive einer würzigen, an das Kerngehäuse erinnernden Note. Das Holz mit den bereits weiter oben erwähnten Vanilletönen und den zarten Röstaromen ist bestens in den Wein integriert und lässt der Frucht jederzeit genügend Spielraum zur Entfaltung. Hier ist einfach eine ausgezeichnet gelungene Balance dieser beiden Komponenten gegeben.

Am Gaumen präsentiert er sich mit großer Feinheit und Eleganz. Da ist nichts Vorlautes, nichts Wuchtiges. Die Säure sorgt für Spannung, der Restzuckergehalt bewegt sich im Bereich „fränkisch trocken“. Für mich hat der Wein schon fast eine burgunderhafte Anmutung. Und deshalb sehe ich sein Haupteinsatzgebiet im Bereich der Speisenbegleitung. Wenn ich mir vorstelle, welch tolle Kombinationen mit diesem Wein möglich sind, dann läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Ich denke da zum Beispiel an Jakobsmuscheln, welche in Vanillebutter gebraten wurden, oder an Riesengarnelen mit Safranmayonnaise. Das sind natürlich keine billigen Produkte, aber dafür liegt der Wein im einstelligen Bereich. Und das ist aus meiner Sicht für die gebotene Qualität äußerst preiswert.

 

2016 Muskateller trocken

Weingut Deppisch, Theilheim

Vor einiger Zeit hatte ich mit einem Tusch erstmalig einen Muskateller vorgestellt und darauf hingewiesen, dass diese uralte Edelsorte mit ihren lediglich 4 Hektar Anbaufläche 2016-muskateller-trocken-Bgin Franken zu den Raritäten gezählt werden muss.

In den vergangenen drei Jahren hatte ich schon mehrmals Weine von Winzer Christian Deppisch aus Theilheim vorgestellt, unter anderem seinen Blauen Silvaner und auch den Weißburgunder. Beginnend im Jahr 1989 hat sich aus dem ehemaligen Garagenweingut mit gerade einmal 500 qm Rebfläche ein Kleinbetrieb von 4 Hektar entwickelt, welcher sicherlich zu den spannendsten in Franken gehört. Das liegt in meinen Augen vor allem am Mut, eigene Wege zu gehen. Bereits 2008 wurde die Zertifizierung nach Demeter-Richtlinien begonnen. Es gibt weltweit nur etwas mehr als 500 Weingüter, welche sich den strengen Regeln dieses Verbandes unterwerfen. Das Ergebnis im Glas spricht meistens für sich. Individuelle, charaktervolle Weine aus biodynamisch „produzierten“ Trauben, welche genügend Zeit im Keller bekommen, sich zu entwickeln, und weitestgehend in Ruhe gelassen werden. So findet beispielsweise beim Weingut Deppisch keine Schönung der Weine im Keller statt.

Die Rebsorte Muskateller ist mir bisher nicht aufgefallen im Sortiment von Christian Deppisch. Vermutlich handelt es sich um eine Neuanpflanzung. Dies ist sehr löblich, da die Sorte als schwierig im Anbau gilt. Sie hat hohe Lageansprüche, neigt zum Verrieseln während der Blüte (geringer Ertrag!) und ist fäulnisanfällig während der Reifephase.

Der trockene Muskateller aus dem Jahrgang 2016 gehört zu den Ortsweinen und befindet sich in der Qualitätshierarchie unterhalb der Lagenweine und der „Großen Gewächse“. Nicht umsonst zählt die Varietät zu den sogenannten Aromasorten. Bereits ein kurzes Schnuppern am Glas reicht aus, um dies nachvollziehen zu können. Das ist wunderbar expressiv und exotisch, fast schon süchtig machend. Neben der prägenden Pfirsichfrucht schwingen auch Noten von Lychee, Rosenblättern und Orangenblüten mit. Fast erinnert das Ganze ein klein wenig an eine andere, uralte Aromasorte: den Traminer.

Was die Deppisch’sche Interpretation der Sorte von vielen anderen unterscheidet, ist ihre kompromisslos trockene Art. Trocken-Puristen dürften sich freuen über die 2,2 g/l Restzucker. Zwar stehen dem Muskateller durchaus ein paar Gramm Restzucker gut zu Gesicht, aber als Essensbegleiter oder als Aperitif greife ich dann doch lieber auf die selten zu findenden ganz trockenen Varianten zurück. Der Wein besitzt Struktur und aromatischen Rückhalt am Gaumen, ist mit 12% Vol. Alkohol aber dennoch relativ leicht. Ein ganz wunderbarer Vertreter dieser weithin unterschätzten Sorte.

2015 Albalonga Auslese Randersackerer Marsberg

Weingut Martin Göbel, Randersacker

Wenn ich an meine Anfangszeit als Weinliebhaber Mitte der 1990er Jahre zurückdenke, 2015-marsberg-albalonga-auslese-suessso gehören zu meinen schönsten Erlebnissen diverse, zu verschiedenen Anlässen verkostete Beeren- und Trockenbeerenauslesen dieser kostbaren und raren Rebsorte. Diese erinnerungswürdigen Weine stammten damals in erster Linie vom Weingut Martin Göbel, welches der Sorte bis zum heutigen Tag die Treue hält.

Und das will durchaus etwas heißen, denn Alabalonga war schon immer ein Spezialisten-Thema. Selbst zu Zeiten weiterer Verbreitung betrug die bestockte Fläche bundesweit nur 34 Hektar (1988). Davon sind heute gerade einmal 14 Hektar übrig gebleiben. In Franken sind es nur zwei Hektar, obwohl die Sorte ihren Ursprung hier hat. Sie wurde 1951 an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Würzburg von Dr. Hans Breider aus den Sorten Rieslaner und Silvaner gezüchtet.

Ähnlich wie bei ihrem Elter Rieslaner bringt die Sorte nur bei ausreichender Reife (wir reden von Spätleseniveau aufwärts) gute Ergebnisse. Gelingt in besonderen Jahren eine edelsüße Variante, so handelt es sich oft um Spitzenweine, welche sogar dem Riesling den Platz auf seinem Thron streitig machen können. Kennzeichend für solche Albalonga-Kreszenzen sind ihre Ausdrucksstärke und die enorme Aromenvielfalt mit exotischen Noten.

Um genau solch ein hochedles Gewächs handelt es sich bei der 2015er Albalonga Auslese von Winzer Martin Göbel. Bereits die strahlende, hellgoldene Farbe macht neugierig auf den Wein. Selbstverständlich zeigen sich im Duft auch rauchige Botritystöne, welche aber genug Raum zur Entfaltung für die Frucht lassen. In der Nase begeistert die phantastische, durchaus in Richtung Rieslaner gehende Frucht. Der Wein strahlt und vibriert im Glas. Seine Rasse und Klasse sind förmlich greifbar. Das Fruchtspektrum bewegt sich hauptsächlich im gelben Bereich und reicht von Rhabarber, Honigmelone, hochreifer Mirabelle und kandierter Aprikose bis in exotische Mango-Gefilde.

Am Gaumen wirkt diese wunderbare, sicherlich hochgradige Auslese mit ihren 125 g/l Restzucker niemals zuckrig oder klebrig süß. Dieser Umstand ist der austarierenden und Frische verleihenden Säure, welche mit 10g/l für meinen Geschmack im idealen Bereich liegt, zu verdanken. Das Süße-Säure-Spiel macht den Wein unheimlich lebendig und sorgt dafür, dass sich kein vorschneller Sättigungseffekt ausbreitet. Geschmacklich erinnert mich das Ganze an Rhabarber und Limette. Der Nachhall ist ewig lang und mir stellt sich beim Trinken die Frage, ob dieses herrliche Elixier überhaupt eine Begleitung benötigt oder ob man nicht lieber jeden kostbaren Schluck pur genießen sollte. Ich denke eher letzteres.