2014 Müller-Thurgau Kabinett trocken Nordheimer Vögelein

Weingut Karl Braun, Nordheim

Das Weingut Karl Braun wird schon seit Generationen als reiner Familienbetrieb geführt. Neben dem Weingutsbetrieb werden noch Gästezimmer angeboten und im Frühjahr und Herbst locken für jeweils zwei Monate herzhafte Genüsse, passend zu den eigenen Weinen, zur Einkehr in die Heckenwirtschaft ein.

Einen formidablen Begleiter zu den dort servierten deftigen Köstlichkeiten gibt mit Sicherheit auch unser „Wein der Woche“ ab. Der 2014er Müller-Thurgau Kabinett trocken aus der Lage Nordheimer Vögelein. Erst vor einigen Wochen wurde dieser Wein bei der „Berliner Wein Trophy“ mit Gold ausgezeichnet.

2014-muellerthurgau.kabinett-trockenUm so gespannter war ich darauf, wie sich der Wein im Glas präsentieren würde. Auch wenn der Müller seit vielen Jahren flächenmäßig auf dem Rückzug ist, so wird er trotzdem noch auf Jahre hinaus die meistangebaute und somit auch eine der wichtigsten Rebsorten in Franken bleiben. Meist findet man ihn in der Literflasche oder als frischen Sommerwein, gerne auch als Rivaner bezeichnet.

Dass diese vielgescholtene Rebsorte aber noch mehr kann, bezweifeln die meisten Weinliebhaber. Der berühmte Weinautor Stuart Pigott war vor Jahren angetreten den Gegenbeweis zu liefern und hat in der Lage Steillage „Tauberzeller Hasennestle“ versucht eine Art „Großes Gewächs“ zu erzeugen. Ich kenne diesen Wein leider nicht, aber er hat durchaus, neben einiger Kritik (zu mastig, overdone) auch viel Lob erfahren.

Familie Braun verortet ihren trockenen Müller-Thurgau Kabinett in der Kategorie „Klassisches Franken“. Und das trifft es sehr gut. Im Glas präsentiert sich dieser stoffige Wein mit herrlich hellgoldener Farbe. Schon beim schwenken des Glases bemerkt man eine gewisse Viskosität und man erwartet keinen leichten Sommerwein. Ein erstes Schnuppern am Glas bestätigt dies auch sofort. Wow! Was für eine Nase. Da ist Fülle und Stoffigkeit. Neben fruchtigen, an Ananas und Zitrusfrüchte erinnernden, Noten nehme ich vor allem komplexe Würzaromen wahr.

Zur müllertypischen Muskatwürze gesellen sich Noten von Heu und feine mineralische Anklänge. Der Wein hat viel Substanz und ist für einen Kabinett-Wein sehr stoffig. Von der Anmutung her würde ich blind auf eine Spätlese tippen. Aber spätestens nach dem ersten Schluck werden diese Eindrücke auch schon wieder relativiert. Eine herrlich knackige Säure zieht ihre Spur mit der Präzision eines Laserstrahls über Zunge und Gaumen und lässt den Wein bei aller Kraft und Dichte fast schon wieder leicht und spritzig wirken. Zur Abwechslung also mal kein Leichtwein mit Stoff und Susbstanz, sondern ein stoffiger, substanzreicher Wein mit Hang zur Leichtigkeit.
Wären mehr Müller-Thurgau-Weine so wie dieser, dann hätte die Sorte garantiert kein Image-Problem! Besonders Trocken-Trinkern möchte ich den Wein ans Herz legen. Mit gerade einmal 2,4 g/l Restzucker ist er nicht nur gesetzlich trocken sondern sogar „fränkisch trocken“.

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