2014 Blauer Silvaner trocken – Sponti – Maische – Saalecker Schlossberg

Privat-Weingut Schloss Saaleck, Hammelburg

Orange [oˈʀaenʒ], – die vierte Weindimension

Seit einigen Jahren bahnt sich international eine neue, teilweise heftig umstrittene Bewegung ihren Weg, welche auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Mittlerweile vergären zahlreiche experimentierfreudige Winzer ihre Weißweintrauben mitsamt der Maische. Das Produkt dieser Vorgehensweise nennt sich dann Orange-Wein. Einen solchen Vertreter haben wir diesmal als „Wein der Woche“ erkoren.

Der Blaue Silvaner an sich ist ja schon eine Rarirät in Fränkischen Weinlanden. Aber solch einen besonderen, ja ausgefallenen Vertreter der Sorte hatte ich bisher noch nicht im Glas.
Je nach Jahrgang und Intensität der Farbausprägung in der Beerenschale kann der Blaue Silvaner im fertigen Wein schon auch einmal einen zarten kupferfarbenen Schimmer aufweisen.

2014-blauersilvaner-spontiWas wir aber mit dem 2014er Vertreter der Sorte von Familie Lange (Eigentümer von Schloss Saaleck seit 2011) präsentiert bekommen, sprengt sämtliche Weißwein-Dimensionen.

Der Wein kommt mit einer kräftigen orange-goldenen Farbe ins Glas. Typisch Orange-Wein eben. Erst nach vier Wochen wurde der spontan (ohne Zugabe von Reinzuchthefen) vergorene Jungwein vom Trester (Schalen und Kerne) getrennt. Vor der Flaschenfüllung wurde nur einmal filtriert und leicht geschwefelt. Das minimale Schwefeln ist speziell bei diesem Wein möglich, da er wegen der Sorteneigenschaften und der speziellen Art der Weinbereitung (Maischegärung) einen relativ hohen Tanningehalt besitzt, welcher ihn vor Oxidation schützt.

Wenn man einen solchen Wein verkostet, ist es unabdingbar, seine abgespeicherten Sortenmerkmale und Geschmackseigenschaften zumindest für einen Augenblick an den Rand zu schieben oder besser ganz zu vergessen. Sollten Sie es schaffen, die organoleptische Reset-Taste im Geiste zu drücken, so können Sie sich unvoreingenommen neuen Geruchs- und Geschmackswelten annähern. Im Duft offenbart unser Blauer Silvaner nicht die üblichen, zu erwartenden Birnen- oder Quittennoten. Vielmehr nimmt meine Nase eine komplexe Würze wahr, welche mineralische Komponenten beherbergt, aber auch gewürzige Noten. Und frei nach dem Motto „Das Auge trinkt mit“ nehme ich Orangentöne (Abrieb und Orangeat) wahr.

Am Gaumen wirkt der Wein trotz 5,2 g/l Restzucker, man verzeihe mir den Ausdruck, „furztrocken“. Das liegt in erster Linie an seiner phenolischen Struktur. Für einen Weißwein hat er einen recht hohen Tanningehalt, so dass er am Gaumen unheimlich viel Grip besitzt und einen leicht adstringierenden Eindruck hinterlässt. Wüsste man es nicht besser, so könnte man meinen einen leichten Rotwein im Glase zu haben. Wie schon in der Nase kommt auch im Geschmack eine leichte Orangennote (Pomeranzen) ins Spiel. Der Wein lebt vor allem von seiner Struktur und lässt sich fast kauen. Sie sollten ihn unbedingt als Speisenbegleiter einsetzen, denn dort kann er seine Stärken voll entfalten. Besonders gut kann ich mir eine Kombination mit orientalisch gewürzten (Linsen-)Gerichten vorstellen. Als Fazit bleibt festzuhalten: Experiment geglückt! Zur Nachahmung empfohlen.

Erhältlich für 14,50 €/Flasche bei Frankenweinliebhaber.

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