2015 Albalonga Auslese Randersackerer Marsberg

Weingut Martin Göbel, Randersacker

Wenn ich an meine Anfangszeit als Weinliebhaber Mitte der 1990er Jahre zurückdenke, 2015-marsberg-albalonga-auslese-suessso gehören zu meinen schönsten Erlebnissen diverse, zu verschiedenen Anlässen verkostete Beeren- und Trockenbeerenauslesen dieser kostbaren und raren Rebsorte. Diese erinnerungswürdigen Weine stammten damals in erster Linie vom Weingut Martin Göbel, welches der Sorte bis zum heutigen Tag die Treue hält.

Und das will durchaus etwas heißen, denn Alabalonga war schon immer ein Spezialisten-Thema. Selbst zu Zeiten weiterer Verbreitung betrug die bestockte Fläche bundesweit nur 34 Hektar (1988). Davon sind heute gerade einmal 14 Hektar übrig gebleiben. In Franken sind es nur zwei Hektar, obwohl die Sorte ihren Ursprung hier hat. Sie wurde 1951 an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Würzburg von Dr. Hans Breider aus den Sorten Rieslaner und Silvaner gezüchtet.

Ähnlich wie bei ihrem Elter Rieslaner bringt die Sorte nur bei ausreichender Reife (wir reden von Spätleseniveau aufwärts) gute Ergebnisse. Gelingt in besonderen Jahren eine edelsüße Variante, so handelt es sich oft um Spitzenweine, welche sogar dem Riesling den Platz auf seinem Thron streitig machen können. Kennzeichend für solche Albalonga-Kreszenzen sind ihre Ausdrucksstärke und die enorme Aromenvielfalt mit exotischen Noten.

Um genau solch ein hochedles Gewächs handelt es sich bei der 2015er Albalonga Auslese von Winzer Martin Göbel. Bereits die strahlende, hellgoldene Farbe macht neugierig auf den Wein. Selbstverständlich zeigen sich im Duft auch rauchige Botritystöne, welche aber genug Raum zur Entfaltung für die Frucht lassen. In der Nase begeistert die phantastische, durchaus in Richtung Rieslaner gehende Frucht. Der Wein strahlt und vibriert im Glas. Seine Rasse und Klasse sind förmlich greifbar. Das Fruchtspektrum bewegt sich hauptsächlich im gelben Bereich und reicht von Rhabarber, Honigmelone, hochreifer Mirabelle und kandierter Aprikose bis in exotische Mango-Gefilde.

Am Gaumen wirkt diese wunderbare, sicherlich hochgradige Auslese mit ihren 125 g/l Restzucker niemals zuckrig oder klebrig süß. Dieser Umstand ist der austarierenden und Frische verleihenden Säure, welche mit 10g/l für meinen Geschmack im idealen Bereich liegt, zu verdanken. Das Süße-Säure-Spiel macht den Wein unheimlich lebendig und sorgt dafür, dass sich kein vorschneller Sättigungseffekt ausbreitet. Geschmacklich erinnert mich das Ganze an Rhabarber und Limette. Der Nachhall ist ewig lang und mir stellt sich beim Trinken die Frage, ob dieses herrliche Elixier überhaupt eine Begleitung benötigt oder ob man nicht lieber jeden kostbaren Schluck pur genießen sollte. Ich denke eher letzteres.

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