2017 Scheurebe trocken natural pur best of .muschelkalk.

Weingut Glaser, Nordheim

Yeah, baby, yeah!!! Nicht nur ein gewisser britischer Geheimagent oder vielmehr die Parodie eines solchen würde diese Scheurebe vermütlich mögen, ist sie doch genau so 2017-bestofmuschelkalk-scheurebe-schlegeltrocken wie der sprichwörtliche englische Humor. Das ist KOMPROMISSLOS. 0,3 g/l Restzucker.

Selbst wenn sie, sagen wir einhundert, laut Etikett trockene Scheureben (maximal 9g/l) genau hinsichtlich Restsüße betrachten, werden Sie kaum fünf finden, welche unter 1g/l Restzucker liegen. Das trauen sich nur ganz wenige Winzer.

Familie Glaser aus Nordheim gehört zur kleinen Schar jener besonders mutigen Winzer. Sie scheint ohnehin ein Händchen für die Sorte zu haben, denn bereits eine vor über zwei Jahren hier vorgestellte restsüße Spätlese aus dem Jahrgang 2013 hatte mich seinerzeit richtiggehend begeistert. Genauso wie der Vorgänger des heute vorgestellten Weines aus dem Jahrgang 2015.

Zur 2015er Version schrieb ich: „Der Wein ist jedenfalls sehr sortentypisch und ein hervorragender Vertreter einer Scheurebe-Stilistik, wie ich sie gerne trinke. Ausgeprägt in der Aromatik, aber niemals laut. Von der Frucht her mehr Cassis als Grapefruit. Mit salziger Mineralität am Gaumen.“ Ahnliches gilt auch für den 2017er-Jahrgang, allerdings mit einer unterschiedlichen Akzentuierung. Für mich befinden sich Grapefruit und Cassis nahezu in perfekter Balance. Beim Schach würde man von einer Pattsituation sprechen. Zu diesen dominanten Fruchtnoten gesellt sich eine leicht pflanzlich-vegetabile Note hinzu, welche ein wenig an frisch gemähtes Gras denken lässt. Das Faszinierende ist die Ausgewogenheit und Balance in der Nase. Nichts Lautes und Hervorstechendes, sondern alle Komponenten bilden eine fein verwobene Einheit.

Im Glas zeigt die Scheurebe „best of .muschelkalk.“ eine jugendlich wirkende, helle Farbe in Richtung Strohgelb. Die 2015er Version hatte eine erstaunlich kräftige Farbe, welche ins Altgoldene ging. Doch nun zum Gaumenauftritt. Wie präsentiert sich unsere Scheurebe der Marke „bone dry“ geschmacklich?

Um es kurz fassen: faszinierend. Nach dem ersten Schluck stellt sich spontan eine gewisse Verblüffung ein. Man könnte meinen, bei einer solch aromatischen Rebsorte würde auch am Gaumen die Frucht eindeutig domieren, was sie ja meistens tut. Nicht hier jedoch.

Mineralik und Phenolik stehen eindeutig im Vordergrund. Eine geradezu mineralisch-salzige Komponente zieht ihre gnadenlose Spur über die Zunge. Eine phenolische, an Tonic Water erinnernde Note kommt noch hinzu.

Erst nach einer Weile stellt sich im Nachhall eine fast schüchtern in Erscheinung tretende Fruchtnote ein. Ein absolut ernstzunehmender Wein, aber deshalb noch lange kein ernster (soll heißen anstrengender) Wein. Eine Scheurebe mit Tiefgang und Anspruch, auf Augenhöhe mit so manchem mineralischen Sancerre (Sauvignon Blanc). Einfach fabelhaft.

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