2017 Blauer Silvaner Kabinett trocken

Stühler Weinerlebnis, Eisenheim

Den Blauen Silvaner gilt es zu hegen und zu pflegen. Immerhin handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die ursprüngliche Spielart des Silvaners, quasi das 2017-blauersilvaner-kabinett-BxOberhaupt der Silvaner-Familie oder die Mutter aller Silvaner. Neben dem landläufigen Grünen Silvaner existieren noch der Gelbe Silvaner, der Rote Silvaner und eben der Blaue.

Familie Stühler aus Eisenheim bietet einen formidablen Blauen Silvaner an, welchen ich hier schon in den drei letzten Jahrgängen präsentiert habe und welcher somit fast schon ein Klassiker bei den „Frankenweinliebhabern“ ist. Frei nach dem Motto „Alle Jahre wieder“ komme ich folglich nicht umhin, Ihnen heute die 2017er Version vorzustellen.

Bemerkenswert sind die deutlichen Unterschiede, was die Jahrgangsausprägung anbelangt. Die 2015er Ausgabe war eine Spätlese mit satten 15% Vol. Alkohol, welche aber gut verpackt waren. Der heute vorgestellte Wein wandelt diesbezüglich auf anderen Pfaden. Mit 12% Vol. Alkohol handelt es sich um einen klassischen Kabinett.

Im Glas zeigt er eine brillante Farbe mit seinem glanzhellen, funkelnden Strohgelb. In der Nase präsentiert er sich mit dezenter Frucht. Allenfalls Anklänge von Birne, gelbem Apfel (Landsberger) und ein Hauch Zitrus sind wahrnehmbar. Desweiteren zeigen sich noch leicht vegetabile, gemüsige Noten (eingelegte Artischocke), ganz feine Hefenoten und erdige Anklänge, welche an einen Kartoffelkeller oder nassen Lehm denken lassen. Mit etwas Belüftung kommen noch „süßliche“ Duftnoten von Blüten und Heublumen hinzu. Insgesamt also eine sehr typische Silvaner-Nase.

Am Gaumen haben wir es mit einem lebendigen, gradlinigen Wein zu tun. Von der „Gewichtsklasse“ her handelt es sich um einen typischen Kabinett-Wein. Die Säure ist zwar analytisch nicht niedrig (6,5 g/l), aber keineswegs aggressiv getönt. Sie verleiht Frische und Lebendigkeit. Demzufolge fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass der Wein nicht ganz fränkisch trocken ist (5,3 g/l Restzucker). Der Restzucker wird geschmacklich bestens absorbiert. Insgesamt besitzt der Blaue Silvaner von Familie Stühler eine herbe Tönung am Gaumen, zeigen sich doch im Nachhall feine „Gerbstoffe“, hefige Töne sowie wunderbar nussige Noten. Der Wein hat insgesamt eine kühle, straffe Anmutung.

Mein genereller Geschmackseindruck war der eines Bisses in einen frisch vom Baum gepflückten, reifen Apfel.

2017er GS trocken Qualitätswein aus Gemischter Sortenpflanzung Laudaer Altenberg

Weingut Johann August Sack, Lauda-Königshofen
Die Steillage „Laudaer Altenberg“, die Heimat für die Reben dieses Weines, gehört zu den wenigen nicht flurbereinigten Weinbergen Frankens. Die charakteristischen 2017-gs-trockenSteinmauern sind hier landschaftsprägend. Viele Orchideen sowie seltene Schmetterlinge und Vögel sind heute am Altenberg zu finden. So erscheint es nur folgerichtig, die Iris als Etikettenmotiv zu verwenden, da auf den Trockenwiesen und an den Steinriegeln des Laudaer Reblandes die wilden Schwertlilien wachsen.
In dieser einmaligen Kulturlandschaft also stehen die drei Rebsorten für diesen Wein in gemischter Anpflanzung. Früher bezeichnete man diese Art der Kultivierung als „Gemischten Satz“. Dieser Begriff ist mittlerweile ursprungsgeschützt und innerhalb der EU nur noch für Weine aus Österreich zugelassen.

Dabei hat der Mischanbau mehrerer Sorten im gleichen Weinberg unter dem Namen »Alter Fränkischer Satz« eine lange Tradition in Franken. Bis in das 16. Jahrhundert war er Standard in unseren Breitengraden, heute ist er jedoch fast verschwunden. Charakteristisch ist die Vielzahl enthaltener Sorten. Neben der Hauptsorte Silvaner gehören auch heute noch gängige Varietäten wie der Riesling, Muskateller, Gewürztraminer und Gutedel dazu. Aber auch historische, fast ausgestorbene Sorten wie Vogelfränkisch, Adelfränkisch, Weißer Lagler, Geisdutte, Weißer Heunisch und Hartblau sind traditionelle Bestandteile.

Heute haben wir es allerdings mit einer modernen Interpretation zu tun. Beim Weingut Sack handelt es sich um drei Neuzüchtungen, allesamt eher auf der aromatischen Seite angesiedelt: Müller-Thurgau, Bacchus und Kerner. Die Trauben werden am selben Tag gelesen und zusammen gekeltert. Das Ergebnis ist ein fruchtbetonter, würziger Weißwein mit dem gewissen Etwas. In der Nase präsentiert er sich von seiner betont fruchtigen Seite: Da ist viel gelbe Frucht im Spiel, vor allem Mirabelle, etwas kandierte Ananas und ein Hauch Quitte. Die typisch traubige Art eines sortenreinen Bacchus fehlt hier weitestgehend. Dafür ist eine leicht muskatige Würze, wie wir sie vom Müller her kennen, in der Nase vorhanden.

Am Gaumen präsentiert sich unser „Mischsatz“ geradezu herrlich harmonisch, ohne aber auch nur eine Sekunde zu langweilen. Vom Ansatz her wirkt er zwar fast sogar etwas ölig, bleibt aber mit seinen 12,5% vol. Alkohol im mittelkräftigen Bereich. Er zeigt Präsenz am Gaumen und bleibt im Nachhall lange haften. Was mir an seinem Geschmacksbild, welches sich vom Naseneindruck deutlich unterscheidet, besonders gut gefällt, ist die dezent fruchtige Art. Zu den Noten von Apfelschale und Zitrone gesellen sich herb-nussige Noten und eine phenolische Komponente. Das ist insgesamt eher herbstlich getönt und passt hervorragend in diese Jahreszeit. Besonders gut kann ich mir diesen Tropfen zur Käseplatte oder auch zum klassischen Raclette und Fondue vorstellen.