2017 Silvaner Kabinett trocken – Sommerhäuser Ölspiel

Weingut Artur Steinmann, Sommerhausen

Nur wenige Weingüter in Franken verfügen über solch eine faszinierende Historie wie das Weingut Artur Steinmann aus Sommerhausen. Konkret meine ich damit vor allem 2017-oelspiel-silvaner-kabinett-trocken-BBPSdie Historie des Gebäudes, welches das Weingut beherbergt: das Pastoriushaus. Es handelt sich um das Geburtshaus des ersten deutschen Auswanderers nach Amerika und Gründers der ersten deutschen Siedlung namens „Germantown“. Sein Name war Franz Daniel Pastorius.

Im Bewusstsein dieser Historie wurde das Anwesen im Laufe der Jahre vom Winzermeister und amtierenden Weinbaupräsidenten Artur Steinmann liebevoll renoviert. Eine weiterer Meilenstein sowohl in der Weingutsgeschichte als auch in der persönlichen Winzerlaufbahn von Artur Steinmann war sicherlich die Gründung der Winzervereinigung „Frank & Frei“ Mitte der neunziger Jahre. Zunächst galt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gruppe dem Müller-Thurgau und seiner modernen Interpretation. Im Laufe der Jahre kamen bei den meisten Mitgliedsbetrieben weitere Weine hinzu, so dass heute eine ganze Kollektion von „Frank & Frei“-Weinen angeboten wird.

Das was heute gemeinhin als Junge Linie bezeichnet wird – frische, fruchtige, unkomplizierte und eher leichte Weine – wird im Weingut Artur Steinmann fast komplett durch die sechs verschiedene Weine umfassende „Frank & Frei“-Kollektion abgedeckt.

Mir persönlich hat es aber ganz besonders ein Wein aus der „Fränkische Originale“ genannten, klassischen Linie angetan. Es handelt sich um den 2017er Silvaner Kabinett trocken aus der Lage „Sommerhäuser Ölspiel“. Der Wein wird, wie sämtliche andere Weine dieser Linie, in Bocksbeutel abgefüllt. Das alleine ist natürlich noch nichts Besonderes. Aber speziell bei diesem Wein erscheint es mir besonders sinnvoll, da es sich im bestmöglichen Sinne um einen traditionell ausgebauten Silvaner handelt.

Der Wein reift bis zu seiner Füllung im Frühjahr nach der Ernte im traditionellen Stückfass (1.200 Liter Fassungsvermögen). Diese besondere Ausbauweise, welche früher gang und gäbe war, prägt den Wein in besonderer Weise. Man erhält andere Ergebnisse als beim heute fast durchgängig (zumindest beim Weißwein) praktizierten Ausbau im Stahltank. Bei letzterem reift der Wein hermetisch abgeriegelt von der Umwelt im Tank. Das Ergebnis sind fruchtbetonte, reduktive Weine. Ein Wein, welcher im Holzfass ausgebaut wurde, ist im Gegensatz dazu eben nicht hermetisch abgeriegelt, sondern kann über das Medium Holz und seine feinen Poren in Kontakt mit der Umwelt treten und ganz dosiert Sauerstoff aufnehmen. Der fertige Wein definiert sich selbstverständlich ebenfalls über die nach wie vor vorhandene Fruchtigkeit und Sortenart.

Aber durch die sanfte, ganz feine Oxidation über das Medium Holz zeigt der Wein – ich persönlich würde sogar sagen, er brilliert damit – cremige und balsamische (Holzfass-)Noten, welche u. a. ganz zart karamellig in Erscheinung treten. Ansonsten ist vieles da, was ich mir aus dem Spektrum silvanertypischer Aromen erhoffe: fein angedeutete Birnenfrucht, ein Hauch Apfel, eine zart vegetabile bis florale Note, welche der Engländer als „leafy“ bezeichnen würde. Und als „Sahnehäubchen“ obendrauf eben diese besagte und von mir so sehr geliebte cremige Holzfassnote.

Am Gaumen zeigt sich unser Wein mit seinen 11,5 % Vol. Alkohol als mustergültiger, als typischer Vertreter der Prädikatsstufe „Kabinett“: schlank, gradlinig und betont herb. Ja herb, was bitte nicht mit „sauer“ gleichzusetzen ist. Für mich ist der Begriff herb positiv besetzt und ich gebrauche ihn nur, wenn ich ausdrücken möchte, dass ein Wein (sensorisch) wirklich trocken ist und eine lebendige (nicht aggressive), den Appetit anregende Säure und eine „nussige“ Komponente besitzt. Genau diese genannten Eigenschaften vereint der Silvaner Kabinett vom Weingut Steinmann in mustergültiger Art und Weise in sich. Ein delikater, ein eleganter Silvaner, der geradezu nach einem kulinarischen Partner verlangt: gebratenem Meeresfisch, feinem Spargel, Tafelspitz oder einfach einer fränkischen Brotzeit.