2018 Nordheimer Vögelein, Rieslaner Spätlese

Weingut Borst, Nordheim

Könnte ich mir meinen ganz persönlichen christianarchäorebsortenstatistischen 2017-voegelein-rieslaner-soaet-trockne-BBPSWunschpunsch zusammenbrauen, so läge der Rieslaner mindestens auf Platz 5 bei den weißen Rebsorten und nicht wie in der Realität mit seinen insgesamt 80 Hektar in ganz Deutschland unter „ferner liefen“.

Knapp die Hälfte der gesamtdeutschen Anbaufläche entfällt auf das Anbaugebiet Franken. Dies mag auch nicht sonderlich verwundern, sofern man weiß, dass die Sorte 1921 von Dr. August Ziegler in Veitshöchheim, dem Sitz der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, gekreuzt wurde. Wie der Name schon erahnen lässt, sind die Kreuzungseltern Riesling und Silvaner. Ursprünglich wurde die Sorte unter dem Namen „Mainriesling“ vermarktet. Da der Name vielfach zu Verwirrung und Verwechslungen (vor allem mit dem klassischen Weißen Riesling) führte, wurde sie 1963 in „Ries¬aner“ umgetauft.

Der Rieslaner ist so etwas wie der ungekrönte König unter den weißen Sorten. Eine größere Popularität verhinderten vor allem sein Hang zur Verrieselung und damit einhergehend niedrige Erträge und die hohen Lagenansprüche. Gerne würde ich schreiben, die Anzahl der mit ihm bepflanzten Hektare sei Legion. Dem ist leider nicht so. Seine Qualitäten in Form edler Spitzenweine sind es sehr wohl.

Ich war folglich auch sehr gespannt, was die 2018er restsüße Spätlese vom Weingut Borst aus Nordheim im Glas anzubieten hat. Ich denke, es war genau der richtige Weg, welchen das Weingut mit diesem Wein im heißen Jahrgang 2018 mit seiner hohen Traubenreife beschritten hat. Lieber etwas weniger Alkohol und etwas mehr natürliche Restsüße. Den 11% Vol. Alkohol stehen in diesem Fall satte 60 g/l Restzucker gegenüber. Andere Weingüter haben andere Wege eingeschlagen. So ist mir auch schon eine trockene 2018er Rieslaner Spätlese von einem anderen Weingut begegnet mit satten 16% Vol. Alkohol. Was in diesem Fall selbstverständlich tiefgestapelt ist. In Wirklichkeit handelt es sich um eine hochgradige trockene Auslese. Möglicherweise stelle ich diesen Wein in den nächsten Monaten auch hier vor. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass der Alkohol gut eingebunden ist.

Doch nun zurück zur Borst’schen Spätlese. Die Nase besticht mit einer herrlichen Mischung exotischer Fruchtaromen. Das Spektrum reicht von frischer Frucht über kandierte Noten bis hin zur Fruchtgummi-Variante. Maracuja, weiße Johannisbeere, kandierte Ananas und Tropifrutti fallen mir zuerst ein. Was nicht heißt, dass damit schon alle Schätze geborgen sind, welche der Wein parat hält.

Der erste Schluck, der auf Zunge und Gaumen trifft, ist Überwältigung pur. Was für eine Harmonie, was für eine Noblesse! Die Balance von Süße und Säure ist schlichtweg perfekt. Natürlich schmeckt der Wein süß, aber er wirkt zu keiner Sekunde klebrig und sättigend. Der Wein ist ein flüssiges Dessert für sich.

Für die meisten Süßspeisen kommt er als Begleiter nicht in Betracht, da hierfür seine Restsüße nicht ausreicht. Genial ist die Kombination mit einer kleinen Auswahl feinster Käsesorten in Affineur-Qualität (Comté mindestens 24 Monate gereift, geaschter Ziegenkäse von der Loire, Tomme de Savoie oder St. Nectaire, Èpoisses oder Munster und eventuel auch noch ein Blauschimmelkäse wie Roquefort oder Stilton). Auch hier gilt, wie beim Rieslaner, Klasse statt Masse.

VDP.Ortswein – 2018 Thüngersheimer Bacchus halbtrocken

Weingut Schwab, Thüngersheim

So geht Bacchus! Zu apodiktisch? Also gut: So kann Bacchus also auch sein.
2018-bachus.ht-BxWas Winzermeister Thomas Schwab hier abliefert, hat in meinen Augen fast schon Referenzcharakter für die Rebsorte. Der Wein ist dermaßen saftig, verspielt und lebendig, dass es eine wahre Freude ist, ihn gut gekühlt bei herrlichem Sommerwetter zu schlürfen.

Wir haben draußen 30° Celsius als ich diese Zeilen schreibe. Stellen Sie sich vor, Sie würden im Garten oder auf der Terrasse an einem schattigen Plätzchen sitzen und neben einem stets gut gefüllten Wasserglas auch ein Weinglas stehen haben. Dieses Szenario schreit geradezu nach einem „Anlasswein“ (Sommerwein, Terrassenwein, Grillwein …). Und genau dieser halbtrockene Bacchus aus dem sehr guten Jahrgang 2018 wäre der perfekte Begleiter in dieser Situation. Relativ leicht im Alkohol, fruchtbetont, erfrischend.

In der Nase typisch Bacchus: würzige, traubige Frucht, Anklänge von Holunderblüte, ein Hauch Lychee, rauchige Noten, sogar dezent mineralische Anklänge. So weit, so typisch. Bacchus eben.

Die eigentliche Sensation spielt sich für meinen Geschmack am Gaumen ab. Die Säure verleiht dem Wein eine Lebendigkeit und fast schon tänzerische Eleganz, welche ich in dieser Form so gut wie noch nie bei einem Bacchus erlebt habe. Die zweifelsohne vorhandene und auch schmeckbare Restsüße von 12 g/l wird dermaßen perfekt austariert von der Säure, dass man schon fast von einer kleinen Geschmacksexplosion sprechen kann. Das Süße-Säure-Spiel am Gaumen ist von frappierender Art. Einfach nur „wow“. Diese innere Spannung und diese Lebendigkeit und Frische führen unweigerlich zu einem enormen Trinkfluss. Da geht die Hand so schnell zum Glas, dass man fast in den Slow-Motion-Modus schalten muss.

Das Schöne ist, dass man den Wein herrlich solo trinken kann, aber auch verschiedene, vielversprechende Kombinationen kulinarischer Art sind denkbar: Zu asiatischen Gerichten mit leichter bis ausgeprägter Schärfe (Curry-Gerichte, vietnamesischer Papaya- oder Rindfleischsalat) passt er ebenso hervorragend wie zu sommerlichen Salaten mit Ziegenkäse oder zu süß-sauren Gerichten aus der chinesischen Küche.

Und das Beste kommt sprichwörtlich zum Schluss: In Anbetracht der tollen Qualität und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir es mit einem Ortswein aus einem renommierten VDP-Betrieb zu tun haben, kann man den aufgerufenen Preis nur als extrem angemessen bezeichnen. Oder einfacher ausgedrückt: günstig.

2017 Echter Silvaner Iphöfer-Julius-Echter-Berg

Weingut Ilmbacher Hof, Iphofen

Beim Betrachten des Etiketts kommt wahrscheinlich nicht wenigen Konsumenten die Frage in den Sinn: Gibt es denn auch einen unechten Silvaner? Die Antwort könnte in 2016-echtersilvanereinem gewissen Sinne „Ja“ lauten. Unter „echt“ laufen alle Spielarten des Silvaners: grüner, gelber, blauer und roter Silvaner. Als „unechten“ könnte man den sogenannten „Muskat-Silvaner“ oder auch „Muskat-Sylvaner“ bezeichnen. Hierbei handelt es sich um ein früher gängiges Synonym für die Sorte Sauvignon Blanc, welches aber heutzutage (auf dem Etikett) nicht mehr erlaubt ist.

Aber ich möchte Sie hier nicht auf eine falsche Fährte locken, denn Familie Fröhlich vom Ilmbacher Hof intendiert mit der Bezeichnung „Echter Silvaner“ etwas anderes. Es handelt sich um ein Wortspiel, welches angelehnt ist an die Herkunft des Weines. Die Reben, an welchen die Trauben für diesen Silvaner gewachsen sind, stehen nämlich im Iphöfer-Julius-Echter-Berg, zweifellos eine der Spitzenlagen Weinfrankens. Echter Berg = Echter Silvaner könnte also die Kurzformel lauten.

Darüber hinausgehend erwarte ich mir aber noch etwas anderes, wenn ein Winzer ein solches Wortspiel verwendet. Und zwar in folgendem Sinne: Echter Silvaner = authentischer, typischer Silvaner. Quasi der Prototyp eines fränkischen Silvaners. Deshalb wenden wir uns nun auch dem Wein zu und wollen herausfinden, ob diese Erwartungen erfüllt werden.

Spontan würde ich sagen, Mission erfüllt. Die Nase ist Silvaner in Reinkultur. Einfach herrlich. Da sind gelbfruchtige Anklänge, welche an eine reife Birne denken lassen, vorhanden. Erdige Noten in Richtung Kartoffelkeller und nasser Ton. Auch ein „süßlicher“ Duft von getrockneten Heublumen schwingt mit. Was mich besonders begeistert ist der Umstand, dass neben den Trockenblumen-Noten auch frische, florale Blütendüfte vorhanden sind. Insgesamt ein vielschichtiges, in sich stimmiges (Silvaner-)Nasenbild.

Am Gaumen dann „fränkisch trocken“ mit einer bestens integrierten Säure. Der Wein besitzt einfach eine tolle Struktur, kommt dabei aber ohne nennenswerte Phenolik aus. Frucht, Säure, Restzucker und Körper (Alkoholgehalt) stehen in einem idealen Verhältnis zueinander. Geschmacklich nehme ich in erster Linie eine frische, belebende Zitrusnote wahr mit einem leichten Einschlag in Richtung herber Limettenzeste. Der ist rund am Gaumen, ohne weichgespült zu sein. Ein herrlicher Silvaner, der jederzeit eine Trinkempfehlung verdient.

Echter Berg. Echter Silvaner. Echt gut. Ein echter Franke eben.

2018 Chardonnay trocken

Weingut Manuel Sauer, Nordheim

Ein Großteil der (Weiß-)Weine des Jahrgangs 2018 ist gefüllt und im Verkauf. Meine angespannte Vorfreude auf die neuen Weine konzentriert sich hauptsächlich auf die 2018-chardonnay-trocken-BgFrage, wie der extrem warme und trockene Sommer sich auf die Alkoholgradation und die Säurewerte ausgewirkt hat. Erwartet uns ein zweites 2003? Damals präsentierten sich viele Weine zunächst beeindruckend aufgrund ihres kräftigen Körpers. Nicht selten wiesen sie Alkoholgrade von 14, 14,5 und teilweise sogar 15 % Vol. auf. In Verbindung mit den gleichzeitig niedrigen Säurewerten bauten diese Weine jedoch schnell ab und legten ein schlechtes Reifeverhalten an den Tag. Wie immer bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Es gibt durchaus Weine aus dem Hitzejahr 2003, welche auch heute noch überzeugen können.

Nach meinen zugegebenermaßen noch nicht repräsentativ zu nennenden Verkostungserfahrungen mit dem 2018er Jahrgang komme ich zu dem vorläufigen Schluss, dass die Problematik des 2003er Jahrganges nicht evident ist.

Unser Wein, der 2018er Chardonnay trocken vom Weingut Manuel Sauer aus Nordheim, ist ein guter Vertreter, um meine These zu belegen. Der Wein besitzt Fülle und Schmelz. Man merkt in der Nase schon, dass er wohl eher in einem warmen Jahrgang entstanden ist. Die Fruchtausprägung ist reif und weist in eine tropische Richtung. Ich nehme exotische Aromen von Ananas, reifer Physalis und (Gelee-)Banane wahr. Wobei aber keine Überreife wahrnehmbar ist. Eine wunderbare Würze und eine mineralische Gesteinsmehl-Note sorgen für zusätzliche Komplexität und dafür, dass der Wein nicht zu vordergründig fruchtig wirkt.

Am Gaumen keine Spur von alkoholischer Hitze. Mit 12,5% Vol. Alkohol kommt hier auch keinerlei Verdacht auf, es könnte sich um einen breitschultrigen Boliden handeln. Restzucker und Säure stehen sich mit jeweils ca. 6 g/l im Verhältnis 1:1 gegenüber, was dem Wein sehr gut steht. Die Säure ist reif und verleiht dem Wein Frische. Es handelt sich wohl, dank des warmen Jahrgangs, hauptsächlich um „gute“ weil harmonisch schmeckende Weinsäure. In kühlen Jahren findet sich mehr „aggressive“, säuerlicher schmeckende Äpfelsäure im Wein.

Trotz 6 g/l Restzucker wirkt der 2018er Chardonnay von Manuel Sauer nicht zu „süßlich“. Der Wein kommt harmonisch rüber und zeigt sogar Grip und eine gewisse mineralische Rauheit am Gaumen. Dies ist sicherlich auch noch seiner Jugend geschuldet und wird sich mit Flaschenreife noch glätten. Aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass wir es mit einem ganz typischen, deutschen Chardonnay ohne Holzeinfluss zu tun haben, der jetzt schon unglaublich viel Trinkfreude bereitet. Ganz gleich, ob zum Essen oder solo genossen. Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

2017 Silvaner Kabinett trocken – Sommerhäuser Ölspiel

Weingut Artur Steinmann, Sommerhausen

Nur wenige Weingüter in Franken verfügen über solch eine faszinierende Historie wie das Weingut Artur Steinmann aus Sommerhausen. Konkret meine ich damit vor allem 2017-oelspiel-silvaner-kabinett-trocken-BBPSdie Historie des Gebäudes, welches das Weingut beherbergt: das Pastoriushaus. Es handelt sich um das Geburtshaus des ersten deutschen Auswanderers nach Amerika und Gründers der ersten deutschen Siedlung namens „Germantown“. Sein Name war Franz Daniel Pastorius.

Im Bewusstsein dieser Historie wurde das Anwesen im Laufe der Jahre vom Winzermeister und amtierenden Weinbaupräsidenten Artur Steinmann liebevoll renoviert. Eine weiterer Meilenstein sowohl in der Weingutsgeschichte als auch in der persönlichen Winzerlaufbahn von Artur Steinmann war sicherlich die Gründung der Winzervereinigung „Frank & Frei“ Mitte der neunziger Jahre. Zunächst galt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gruppe dem Müller-Thurgau und seiner modernen Interpretation. Im Laufe der Jahre kamen bei den meisten Mitgliedsbetrieben weitere Weine hinzu, so dass heute eine ganze Kollektion von „Frank & Frei“-Weinen angeboten wird.

Das was heute gemeinhin als Junge Linie bezeichnet wird – frische, fruchtige, unkomplizierte und eher leichte Weine – wird im Weingut Artur Steinmann fast komplett durch die sechs verschiedene Weine umfassende „Frank & Frei“-Kollektion abgedeckt.

Mir persönlich hat es aber ganz besonders ein Wein aus der „Fränkische Originale“ genannten, klassischen Linie angetan. Es handelt sich um den 2017er Silvaner Kabinett trocken aus der Lage „Sommerhäuser Ölspiel“. Der Wein wird, wie sämtliche andere Weine dieser Linie, in Bocksbeutel abgefüllt. Das alleine ist natürlich noch nichts Besonderes. Aber speziell bei diesem Wein erscheint es mir besonders sinnvoll, da es sich im bestmöglichen Sinne um einen traditionell ausgebauten Silvaner handelt.

Der Wein reift bis zu seiner Füllung im Frühjahr nach der Ernte im traditionellen Stückfass (1.200 Liter Fassungsvermögen). Diese besondere Ausbauweise, welche früher gang und gäbe war, prägt den Wein in besonderer Weise. Man erhält andere Ergebnisse als beim heute fast durchgängig (zumindest beim Weißwein) praktizierten Ausbau im Stahltank. Bei letzterem reift der Wein hermetisch abgeriegelt von der Umwelt im Tank. Das Ergebnis sind fruchtbetonte, reduktive Weine. Ein Wein, welcher im Holzfass ausgebaut wurde, ist im Gegensatz dazu eben nicht hermetisch abgeriegelt, sondern kann über das Medium Holz und seine feinen Poren in Kontakt mit der Umwelt treten und ganz dosiert Sauerstoff aufnehmen. Der fertige Wein definiert sich selbstverständlich ebenfalls über die nach wie vor vorhandene Fruchtigkeit und Sortenart.

Aber durch die sanfte, ganz feine Oxidation über das Medium Holz zeigt der Wein – ich persönlich würde sogar sagen, er brilliert damit – cremige und balsamische (Holzfass-)Noten, welche u. a. ganz zart karamellig in Erscheinung treten. Ansonsten ist vieles da, was ich mir aus dem Spektrum silvanertypischer Aromen erhoffe: fein angedeutete Birnenfrucht, ein Hauch Apfel, eine zart vegetabile bis florale Note, welche der Engländer als „leafy“ bezeichnen würde. Und als „Sahnehäubchen“ obendrauf eben diese besagte und von mir so sehr geliebte cremige Holzfassnote.

Am Gaumen zeigt sich unser Wein mit seinen 11,5 % Vol. Alkohol als mustergültiger, als typischer Vertreter der Prädikatsstufe „Kabinett“: schlank, gradlinig und betont herb. Ja herb, was bitte nicht mit „sauer“ gleichzusetzen ist. Für mich ist der Begriff herb positiv besetzt und ich gebrauche ihn nur, wenn ich ausdrücken möchte, dass ein Wein (sensorisch) wirklich trocken ist und eine lebendige (nicht aggressive), den Appetit anregende Säure und eine „nussige“ Komponente besitzt. Genau diese genannten Eigenschaften vereint der Silvaner Kabinett vom Weingut Steinmann in mustergültiger Art und Weise in sich. Ein delikater, ein eleganter Silvaner, der geradezu nach einem kulinarischen Partner verlangt: gebratenem Meeresfisch, feinem Spargel, Tafelspitz oder einfach einer fränkischen Brotzeit.

2017 Blauer Silvaner Kabinett trocken

Stühler Weinerlebnis, Eisenheim

Den Blauen Silvaner gilt es zu hegen und zu pflegen. Immerhin handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die ursprüngliche Spielart des Silvaners, quasi das 2017-blauersilvaner-kabinett-BxOberhaupt der Silvaner-Familie oder die Mutter aller Silvaner. Neben dem landläufigen Grünen Silvaner existieren noch der Gelbe Silvaner, der Rote Silvaner und eben der Blaue.

Familie Stühler aus Eisenheim bietet einen formidablen Blauen Silvaner an, welchen ich hier schon in den drei letzten Jahrgängen präsentiert habe und welcher somit fast schon ein Klassiker bei den „Frankenweinliebhabern“ ist. Frei nach dem Motto „Alle Jahre wieder“ komme ich folglich nicht umhin, Ihnen heute die 2017er Version vorzustellen.

Bemerkenswert sind die deutlichen Unterschiede, was die Jahrgangsausprägung anbelangt. Die 2015er Ausgabe war eine Spätlese mit satten 15% Vol. Alkohol, welche aber gut verpackt waren. Der heute vorgestellte Wein wandelt diesbezüglich auf anderen Pfaden. Mit 12% Vol. Alkohol handelt es sich um einen klassischen Kabinett.

Im Glas zeigt er eine brillante Farbe mit seinem glanzhellen, funkelnden Strohgelb. In der Nase präsentiert er sich mit dezenter Frucht. Allenfalls Anklänge von Birne, gelbem Apfel (Landsberger) und ein Hauch Zitrus sind wahrnehmbar. Desweiteren zeigen sich noch leicht vegetabile, gemüsige Noten (eingelegte Artischocke), ganz feine Hefenoten und erdige Anklänge, welche an einen Kartoffelkeller oder nassen Lehm denken lassen. Mit etwas Belüftung kommen noch „süßliche“ Duftnoten von Blüten und Heublumen hinzu. Insgesamt also eine sehr typische Silvaner-Nase.

Am Gaumen haben wir es mit einem lebendigen, gradlinigen Wein zu tun. Von der „Gewichtsklasse“ her handelt es sich um einen typischen Kabinett-Wein. Die Säure ist zwar analytisch nicht niedrig (6,5 g/l), aber keineswegs aggressiv getönt. Sie verleiht Frische und Lebendigkeit. Demzufolge fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass der Wein nicht ganz fränkisch trocken ist (5,3 g/l Restzucker). Der Restzucker wird geschmacklich bestens absorbiert. Insgesamt besitzt der Blaue Silvaner von Familie Stühler eine herbe Tönung am Gaumen, zeigen sich doch im Nachhall feine „Gerbstoffe“, hefige Töne sowie wunderbar nussige Noten. Der Wein hat insgesamt eine kühle, straffe Anmutung.

Mein genereller Geschmackseindruck war der eines Bisses in einen frisch vom Baum gepflückten, reifen Apfel.

2017er GS trocken Qualitätswein aus Gemischter Sortenpflanzung Laudaer Altenberg

Weingut Johann August Sack, Lauda-Königshofen
Die Steillage „Laudaer Altenberg“, die Heimat für die Reben dieses Weines, gehört zu den wenigen nicht flurbereinigten Weinbergen Frankens. Die charakteristischen 2017-gs-trockenSteinmauern sind hier landschaftsprägend. Viele Orchideen sowie seltene Schmetterlinge und Vögel sind heute am Altenberg zu finden. So erscheint es nur folgerichtig, die Iris als Etikettenmotiv zu verwenden, da auf den Trockenwiesen und an den Steinriegeln des Laudaer Reblandes die wilden Schwertlilien wachsen.
In dieser einmaligen Kulturlandschaft also stehen die drei Rebsorten für diesen Wein in gemischter Anpflanzung. Früher bezeichnete man diese Art der Kultivierung als „Gemischten Satz“. Dieser Begriff ist mittlerweile ursprungsgeschützt und innerhalb der EU nur noch für Weine aus Österreich zugelassen.

Dabei hat der Mischanbau mehrerer Sorten im gleichen Weinberg unter dem Namen »Alter Fränkischer Satz« eine lange Tradition in Franken. Bis in das 16. Jahrhundert war er Standard in unseren Breitengraden, heute ist er jedoch fast verschwunden. Charakteristisch ist die Vielzahl enthaltener Sorten. Neben der Hauptsorte Silvaner gehören auch heute noch gängige Varietäten wie der Riesling, Muskateller, Gewürztraminer und Gutedel dazu. Aber auch historische, fast ausgestorbene Sorten wie Vogelfränkisch, Adelfränkisch, Weißer Lagler, Geisdutte, Weißer Heunisch und Hartblau sind traditionelle Bestandteile.

Heute haben wir es allerdings mit einer modernen Interpretation zu tun. Beim Weingut Sack handelt es sich um drei Neuzüchtungen, allesamt eher auf der aromatischen Seite angesiedelt: Müller-Thurgau, Bacchus und Kerner. Die Trauben werden am selben Tag gelesen und zusammen gekeltert. Das Ergebnis ist ein fruchtbetonter, würziger Weißwein mit dem gewissen Etwas. In der Nase präsentiert er sich von seiner betont fruchtigen Seite: Da ist viel gelbe Frucht im Spiel, vor allem Mirabelle, etwas kandierte Ananas und ein Hauch Quitte. Die typisch traubige Art eines sortenreinen Bacchus fehlt hier weitestgehend. Dafür ist eine leicht muskatige Würze, wie wir sie vom Müller her kennen, in der Nase vorhanden.

Am Gaumen präsentiert sich unser „Mischsatz“ geradezu herrlich harmonisch, ohne aber auch nur eine Sekunde zu langweilen. Vom Ansatz her wirkt er zwar fast sogar etwas ölig, bleibt aber mit seinen 12,5% vol. Alkohol im mittelkräftigen Bereich. Er zeigt Präsenz am Gaumen und bleibt im Nachhall lange haften. Was mir an seinem Geschmacksbild, welches sich vom Naseneindruck deutlich unterscheidet, besonders gut gefällt, ist die dezent fruchtige Art. Zu den Noten von Apfelschale und Zitrone gesellen sich herb-nussige Noten und eine phenolische Komponente. Das ist insgesamt eher herbstlich getönt und passt hervorragend in diese Jahreszeit. Besonders gut kann ich mir diesen Tropfen zur Käseplatte oder auch zum klassischen Raclette und Fondue vorstellen.