2014 Silvaner trocken ** – Deutscher Landwein

Weingut Erwin Christ, Nordheim

Das Weingut Christ zeichnet sich im Vergleich zu anderen Winzerbetrieben durch einige Besonderheiten aus.
So wird hier bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert, um genau zu sein seit 1964, biologisch gewirtschaftet. Die Zertifizierung erfolgte dann im Jahr 1991.
2014-silvaner-trockenAußerdem werden alle Weine, unter Verzicht auf die Amtliche Prüfnummer, konsequent als Landweine vermarktet.
Da beim Landwein weder eine Lagenbezeichnung noch eine Prädikatsbezeichnung auf dem Etikett auftauchen dürfen, war etwas Kreativität gefragt, um den Kunden dennoch ein paar Informationen mit auf den Weg geben zu können. So findet sich auf den Christ’schen Etiketten jeweils ein Symbol, welches stellvertretend für eine Lage steht. Bei unserem 2014er Silvaner ist es ein Vogel, da die Trauben in der Lage Nordheimer Vögelein gewachsen sind. Eine Kirche steht beispielsweise für die Lage Volkacher Kirchberg.

Die Wertigkeit wird über Sterne auf dem Etikett kommuniziert. So steht * für den Basisbereich, ** für das Mittelsegment und *** für gehobene Qualitäten.

Die Trauben für den 2014er Silvaner sind also in der Lage Nordheimer Vögelein gewachsen und der Wein gehört zum mittleren Qualitätssegment. Er besitzt eine relativ kräftige, hellgoldene Farbe. Für einen Silvaner nicht untypisch, zeigt er relativ wenig fruchtige Anklänge in der Nase. Allenfalls etwas Apfel und Zitrus begleitet von feinen Kräuternoten und einem Hauch Spargelsud. Was gleich auffällt, ist eine deutliche Honignote, welche wahrscheinlich von botrytishaltigem Lesegut herrührt. War es schon für konventionell arbeitende Betriebe in diesem Jahrgang schwer genug ausschließlich gesunde Trauben zu ernten, so war es für Biobetriebe eine noch größere Herausforderung.

Am Gaumen präsentiert er sich knalltrocken, wie fast alle Weine von Erwin Christ, und ist mit 0,6 g/l Restzucker geradezu kompromisslos trocken. Trotz seines realtiv niedrigen Alkoholgehaltes (11% vol.) besitzt er eine stoffige Art und bleibt lange haften. In seiner betont herben, etwas rustikalen Art wirkt der Wein etwas aus der Zeit gefallen und
ist nicht unbedingt das, was unsere österreichischen Nachbarn einen „Faserschmeichler“ nennen. Aber dennoch möchte ich alle aufgeschlossenen Weintrinker gerne dazu animieren sich einmal mit dieser Facette der fränkischen Silvaner-Welt auseinanderzusetzten.

Geben Sie diesem „unmodischen“, fränkischen Original eine Chance. Vielleicht nicht unbedingt als Schoppenwein, aber als Begleiter zu Spargel mit Bratkartoffeln und groben Bratwürsten sicherlich ein Hochgenuss.

2014 Blauer Silvaner Spätlese trocken – Untereisenheimer Höll

Weinerlebnis Stühler, Eisenheim

Familie Stühler bewirtschaftet in der Urheimat der fränkischen Leitsorte Silvaner 5,5 Hektar Weinberge. Sie gehört zu dem relativ kleinen Kreis einheimischer Winzer, welcher den Blauen Silvaner als Spielart des landläufig bekannten Grünen Silvaners anbaut und somit zum Erhalt und der Verbreitung dieser Spezialität beiträgt.

2014-hoell-blauersilvaner-spaet-trockenMit gerade einmal 10 Hektar ist die Anbaufläche im Vergleich zum „normalen“ Grünen Silvaner mit seinen mehr als 1.200 Hektar verschwindend gering. Dank natürlich entstandener Mutationen gehören auch noch der „Gelbe Silvaner“ und der „Rote Silvaner“ zur Familie. Allerdings werden beide kaum reinsortig an- und ausgebaut, sondern stehen zusammen mit einer Vielzahl anderer Sorten in uralten Weinbergen im sogenannten „Gemischten Satz“ oder „Altfränkischen Satz“.

Im Glas schimmert die 2014er Spätlese vom Blauen Silvaner in einem zart rötlichen Mittelgold. Bereits in der Nase macht sich die hohe Reife der Trauben bemerkbar – der Wein hat immerhin 14% vol. Alkohol. Zur hochreifen Frucht von Birne, Reneclaude und Netzmelone gesellen sich im Duft zusätzlich noch würzige und fast schon salzig-mineralische Noten. Diese würzige Art bekommt dem Wein sehr gut, denn dadurch gelingt der Drahtseilakt, welcher meines Erachtens immer dann gegeben ist, sobald ein trockener Wein mit der Überreife flirtet.

Bereits in der Nase deutet sich als noch uneingelöstes Versprechen ein cremiger Schmelz an, den der Blaue Silvaner von Familie Stühler tatsächlich auch besitzt. Mit majestätischer Eleganz fließt er über die Zunge und schmeichelt dem Gaumen mit seiner harmonischen Art. Zweifelsohne ein Wein, der am königlichen Hofstaat an der Tafel des Regenten kredenzt worden wäre. Im Geschmack begeistert eine fabelhafte Würze, welche dafür sorgt, dass der Wein im Gesamteindruck nicht zu einlullend wird. Der Nachhall ist ellenlang und der relativ hohe Alkoholgehalt, welcher aber nie brandig wirkt, sorgt für einen geschmeidigen Fond am Gaumen. Ein toller Wein, den ich aufgrund seiner Opulenz unbedingt als Speisenbegleiter einsetzen würde. In erster Linie zu Edelfischen mit sahnigen Saucen.

2015 Rotling halbtrocken

Weingut Lother, Wipfeld

Ja, ich gebe es unumwunden zu, Sie haben mich ertappt! Schon wieder ein Rotling im Glas. Ich betrachte es schon fast als Ritual im Moment, um den heiß ersehnten Frühling „herbeizutrinken“. Denn welcher Wein sollte sich besser für diesen Zweck eignen als ein supersaftiger, vor Frucht nur so strotzender Rotling?

Familie Lother hat alles richtig gemacht und ein Bilderbuch-Exemplar dieser Gattung abgeliefert. Allein schon die herrliche, himbeerrote Farbe, welche der Wein im Glas zeigt, macht ganz 2015-rotlingunmittelbar Lust auf den ersten Schluck.

Doch halt! Als zivilisierte Weintrinker schnuppern wir selbstverständlich erst einmal am Glas. Man meint, wenn man dabei die Augen schließt, inmitten eines Erdbeerfeldes mit vollreifen Früchten zu stehen. Das Ganze hat aber auch noch eine Komponente, welche mich in meine Kindertage zurückversetzt. Dieser spezielle Duft erinnert mich an meine Lieblingssüßigkeit vergangener Tage, doch möchte ich natürlich keine Schleichwerbung machen an dieser Stelle. Ich sage nur soviel, es fängt mit Prima an und hört mit Vera auf. Außerdem stammt es aus Bonn. Von Hans Riegel natürlich. Für den Rest gibt es Suchmaschinen.

Am Gaumen spielen die perfekt dosierte Süße und die lebendige Säure Ping-Pong. Zur Erdbeerfrucht aus der Nase gesellen sich geschmacklich noch ein Touch Himbeere und sogar ein Hauch Rhabarber. Der Trinkfaktor ist immens! Die Hand geht ständig zum Glas und die Geschmackspapillen lechzen nach mehr!

So geht Rotling. Das ist modern und gekonnt vinifiziert, absolut reintönig, saftig und mit unglaublichem Zug am Gaumen. Ab jetzt bis mindestens zum Altweibersommer sollten Sie immer ein paar Flaschen von diesem „Crowd-Pleaser“ im Haus haben. Falls Sie die Grill-Saison noch nicht eröffnet haben, dann wird es jetzt aber Zeit. Den passenden Wein habe ich Ihnen soeben empfohlen!

2013 Silvaner Kabinett trocken Hammelburger Heroldsberg

„Müller! Das Weingut und Weinhotel“, Hammelburg

Heute befindet sich wieder einmal ein Wein in meinem Glas, welcher aus einer Regiom Weinfrankens stammt, die normalerweise nicht so sehr im Fokus der Weinliebhaber steht.
Obwohl Hammelburg dank einer Urkunde aus dem 8. Jahrhundert sogar offiziell als die Wiege des fränkischen Weinbaus gilt, stehen die Erzeugnisse der hiesigen Winzer nicht allzu häufig im Rampenlicht. Mich beschleicht allerdings das Gefühl, dass dies zu Unrecht der Fall sein könnte. Denn alle Weine, welche ich von hier in den letzten Monaten verkostet habe, waren absolut spannende, individuelle Tropfen.

2013-heroldsberg-silvaner-kabinett-trockenSo auch unser Silvaner Kabinett trocken vom Weingut Müller. Die Reben stehen in der Lage „Hammelburger Heroldsberg“. 2013 war nicht unbedingt das Traumjahr fränkischer Winzer. Zu schwierig waren die Wachstums- und Witterungsbedingungen während der Vegetationsperiode und vor allem während der Lese im Herbst.

Aber ein großes Bravo von meiner Seite für diesen absolut stimmigen und charaktervollen Silvaner. Ich habe das Gefühl, hier hat der Winzer ganz genau gewusst, wie er mit den widrigen Bedingungen umgehen muss und wie der Wein später sein soll. Denn trotz aller Unwägbarkeiten während des Ausbaus sollte der Winzer dennoch eine klare Vorstellung davon haben, wie sein Wein später werden soll.

So vermute ich zum Beispiel, dass unser Silvaner wegen der jahrgangsbedingt höheren Säure ganz bewusst einen biologischen Säureabbau durchlaufen hat, wodurch die „aggressivere“ Äpfelsäure in die weichere, harmonischer schmeckende Milchsäure umgewandelt wird. Beim Rotwein ist dieser Prozess absoluter Standard, beim Weißwein eher die Ausnahme. Früher war dieser Vorgang auch beim Weißwein noch weiter verbreitet. Nur in unserem Nachbarland, der Schweiz, ist der BSA (biologische Säureabbau) auch heute noch beim Weißwein gängige Praxis.

Falls Sie sich fragen, wie ich zu meiner Vermutung komme, hier ist die Antwort: In der Nase zeigt der Silvaner eine typische, vom BSA herrührende Note, welche an Molke und ganz leicht an Sauerkraut erinnert. Der Ton ist aber so dezent und wunderbar in die gelbfruchtige, in Richtung Quitte gehende Fruchtaromatik eingebunden, dass lediglich die Komplexität gesteigert wird und wir eine Ahnung davon bekommen, wie ein traditioneller Silvaner vor einem halben Jahrhundert geschmeckt haben könnte. Auch zarte, nussige Anklänge schwingen im Duft mit. Vielleicht war ja sogar ein klein wenig Holz (Holzfassausbau) mit im Spiel.

Am Gaumen begeistert die wunderbar cremige, elegante Art des Weines, die für meinen Geschmack sogar in Richtung eines Burgunders zeigt. Eventuell hat der Wein während des Ausbaus ein langes Feinhefelager mit regelmäßigem Aufrühren der Hefe (Batonnage) erfahren. Dies würde auf jeden Fall die tolle Cremigkeit im Gaumenauftritt erklären. Was dem Ganzen dann noch die Krone aufsetzt, ist eine herrlich mineralische, ganz, ganz leicht bittere Note im Nachhall. Selten habe ich einen so gekonnt vinifizierten, für meinen Geschmack traditionellen Silvaner getrunken. Und dann noch aus solch einem schwierigen Jahrgang. Chapeau!

2012 Domina Spätlese trocken-Volkacher Ratsherr

Weingut Walter Erhard, Volkach

Walter Erhard hat klare Vorstellungen von seinen Weinen und Ihrer Qualität. Allerdings war es ein langer Weg diese auch vollständig umzusetzten. Als er den Betrieb im Jahre 1990 von seinen Eltern übernahm, handelte es sich um einen klassischen, landwirtschaftlichen Mischbetrieb. Sein oberstes Ziel war es ein florierendes, selbstvermarktendes Weingut aufzubauen.

2012-domina-spaet-trocken-BBMit 7,5 Hektar Weinbergsfläche in den bekannten Lagen Escherndorfer Lump und Volkacher Ratsherr, der langjährigen Mitgliedschaft in der Winzervereinigung Frank&Frei und zahlreichen Preisen und Auszeichnungen (Bayerischer Staatsehrenpreis, 1. Platz Internationaler Müller-Thurgau-Preis, 2 Trauben Gault Millau etc.) kann dieses Unterfangen wohl als gelungen bezeichnet werden.

Die „2012er Domina Spätlese trocken“ läuft als teuerster Rotwein im dreigliedrigen Sortiment (Neues Franken, Klassisches Franken, Großes Franken) unter der Kategorie „Großes Franken“. Auf der Hompage heißt es: „Hinter diesen Weinen steckt die ganze Philosophie und Leidenschaft von Walter“ und „nur Trauben aus den Filetstücken des Volkacher Ratsherr und des Eschendorfer Lump eignen sich dafür“.
Durchaus vielversprechende Worte, welche aber auch erst einmal eingelöst sein wollen. Die Wahrheit liegt wie immer im Glas!

Die fränkische Rotweinsorte Nummer Eins in den Händen eines sehr guten Winzers und noch dazu aus einem Top-Jahrgang als trockene Spätlese. Meine Vorfreude auf den Inhalt der bauchigen Flasche war geweckt. Und wurde keineswegs enttäuscht. Der Wein ist sehr präzise und sehr sortentypisch.

Im Glas präsentiert er sich mit funkelnder, kirschroter Farbe. Besonders gut gefällt mir an der Nase die Balance zwischen reifer Frucht und balsamischer Würze.
Die fruchtige Seite wird von kirschigen und pflaumigen Noten repräsentiert. Für Spannung sorgen die (holz)würzigen, an Piment und Wacholder erinnernden Noten. Auch mein heißgeliebter, für die Sorte typischer Rote-Beete-Ton fehlt nicht.

Am Gaumen präsentiert sich die Erhard’sche Domina ungemein elegant mit polierten Tanninen und feinstem Säurenerv. Der Wein gleitet über die Zunge und begeistert mit seiner Frische und Transparenz. Kühl, mit fast schon seidiger Eleganz fließt er über die Zunge. Dank einer sehr feinfühligen Extraktion finden sich Nachhall auch keine Bittertöne, die manchmal, sofern sie zu sehr ausgeprägt sind, eher störend wirken. Das ist ganz klar fränkische Domina-Championsleague. Der Wein lässt sich zwar wunderbar solo trinken, aber der Genuss wird in meinen Augen durch ein passendes Essen nochmals gesteigert. Besonders gerne in Kombination mit Wild aus heimischer Jagd.

2007 „Sonnenfang“ Rotwein-Cuvée Spätlese trocken, im Barrique gereift, Obereisenheimer Höll

Weingut Krämer, Obereisenheim

Erwischt! Geben Sie es zu! Bestimmt haben Sie sich, als Sie den Jahrgang gelesen haben, eine oder sogar mehrere der folgenden Fragen gestellt: Ein acht Jahre alter Rotwein, ist der nicht viel zu alt? Kann man den überhaupt noch trinken? Oder ist das am Ende sogar ein Druckfehler? Die Antworten lauten der Reihe nach: nein, ja (sehr gut sogar!) und nein.

2007-hoell-cuvee-spaet-trockenDoch was verbirgt sich eigentlich für ein Wein hinter der ellenlangen Bezeichnung auf dem Etikett? Da es sich um eine Cuvée handelt, müssen folglich mindestens zwei Rebsorten beteiligt sein. In unserem Fall hat Winzer Gerd Krämer zwei Sorten aus der Burgunderfamilie, nämlich Schwarzriesling und Spätburgunder, miteinander vermählt und in Barriquefässern aus heimischer (Spessart-)Eiche reifen lassen.
Da die Amtliche Prüfnummer aus dem Jahr 2011 stammt, ist anzunehmen, dass der Wein mindestens zwei Jahre im Fass und ein Jahr auf der Flasche reifen durfte, bevor er in den Verkauf kam. Eventuell sogar volle drei Jahre im Fass. Da bewegen wir uns, was die Verweildauer im Holz betrifft, dann schon in Rioja-Reserva-Dimensionen.

Und genau an diesen Typus spanischen, holzfassgereiften Rotweins hat mich unsere Cuvée „Sonnenfang“ beim Verkosten auch erinnert. Hier fließt durchaus kein zarter und eleganter Burgunder ins Glas, sondern ein mittelkräftiger, eher maskuliner Rotwein. Die glanzhelle, granatrote Farbe wirkt für das Alter von mehr als acht Jahren relativ unverbraucht, sogar fast jugendlich. Die Nase ist ganz klar dominiert von den Aromen des Barriqueausbaus.
Waren die Holznoten in der Jugend möglicherweise etwas zu dominant, so haben sie sich jetzt gut in das Gesamtbild integriert und lassen den fruchtigen Noten von Sauerkirsche und Brombeere ausreichend Platz zur Entfaltung.

Am Gaumen sorgen die präsenten (Holz-)Tannine für Grip und Struktur. Ein Wein zum Kauen und Festbeißen, nichts für Eleganztrinker. Wer Nebbiolo in seiner eher spröden, oft sehr fordernden tannin- und säurehaltigen Art mag, ist hier genau richtig. Ich würde den Wein auch eher als Speisenbegleiter einsetzen. Zu Schmorgerichten wie Ochsenbäckchen mit einer gehaltvollen Rotweinsauce beispielsweise. Der Wein braucht auf jeden Fall viel Luft, um sich zu entfalten. Dekantieren zwei, drei Stunden vor Genuss kann nicht schaden.

2012 Merlot trocken Seinsheimer Hohenbühl – Ein Fränkischer Exot

Weingut Emmerich, Iphofen

Nachdem ich bereits im Juli letzten Jahres einen Merlot aus dem Frankenland vorgestellt hatte, kann man nicht von eine Premiere für diese in unseren Breitengraden recht exotische Rebsorte sprechen. Gerade einmal 8 Hektar werden von dem Reben-Global-Player in Franken kultiviert.

Aber ein anderer, wie ich finde, sehr bemerkenswerter Umstand trägt dafür sehr wohl zu einem Novum bei. Ob Sie es glauben oder nicht, dies ist der erste Wein nach über 70 Verkostungen, welcher mit einem Naturkorken verschlossen ist. Dies sagt sehr, sehr viel über die mittlerweile erreichte Marktakzeptanz des Schraubverschlusses aus. Das Weingut Emmerich verwendet zwar auch Schrauber für den Großteil des Sortiments, aber bei den hochwertigen Rotweinen eben (noch) nicht. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch gar keine Grundsatzdiskussion über Vor- und Nachteile von Verschlussarten vom Zaun brechen. Ich wollte lediglich diesen bemerkenswerten Umstand, welcher für sich spricht, mitteilen.

2012-hohenbuehl-merlot-trockenDoch was viel wichtiger als jedwede Verschlussart ist: wie präsentiert sich unser fränkischer Merlot im Glas? Die Trauben stammen aus der Lage „Seinsheimer Hohenbühl“ und sind im sehr guten Jahrgang 2012 gewachsen. Nach einer klassischen Maischegärung wurde der Wein im Holzfass gereift. Die glänzend granatrote Farbe macht unmittelbar Lust den Wein zu erkunden. Auch wenn wenig Verwechslungsgefahr mit einem klassischen Pomerol besteht, so ist die Nase durchaus charakteristisch. Neben einer sehr feinen, dunkelbeerigen Frucht mit dezenter Vanillenote, verschafft sich vor allem eine unglaublich tolle Würzaromatik in Kombination mit einer leichten Ledernote Aufmerksamkeit. Auch eine gewisse „Schokoladigkeit“, wie ich sie als sehr sortentypisch empfinde, schwingt mit.

Am Gaumen entwickelt der Wein dann einen fast schon beängstigenden Trinkfluss. Balance ist hier das Zauberwort. Die Tannine sind ultrafein, die Säure sorgt für Frische und die Frucht ist reif aber nicht überreif. Der Wein gleitet über die Zunge, betört mit seiner reintönigen Frucht und besitzt im Abgang genau das richtige Maß an Bitterstoffen, um nicht als weichgespült zu gelten. Das ist genau die Art von Rotwein, wo die Flasche viel zu schnell leer ist und man nochmals in den Keller stapfen muss um Nachschub zu holen. Außer man war vorausschauend und hat genügend bei Frankenweinliebhaber bestellt!