2015 Rotling halbtrocken

Weingut Bausewein, Iphofen

Nach kurzem Hin- und Herüberlegen, was für einen Wein ich Ihnen diese Woche vorstellen könnte, habe ich mich dann doch zügig für den neuen Jahrgang vom Rotling der Winzerfamilie Bausewein aus Iphofen entschieden.

2015-rotlingUnd zwar aus dem ganz einfachen Grund, weil der Wein auf seine Art den Frühling ins Glas zaubert und mir damit hilft, den aufkeimenden Winterblues zu vertreiben.

Wesentlich kräftiger als der Jahrgangsvorgänger kommt die aktuelle Version ins Glas. Erinnerte mich die Farbe letztes Jahr noch an einen guten, lachsfarbenen Rosé aus der Provence, so leuchtet der 2015er in kräftigem Rosa mit zartem Orangeschimmer.

In der Nase dominiert zunächst die sehr saftige und reintönige Frucht mit Anklängen von reifen Walderdbeeren. Über diese betörende Fruchtnote legt sich noch eine sahnige Note mit einem Hauch Karamell. Der 2014er Jahrgang war durch seine besonders ausgeprägte Würze, sowohl in der Nase als auch im Geschmack, determiniert. Diese fehlt beim aktuellen Jahrgang fast komplett. Nur ein Hauch frische Gartenkräuter liegt über allem, die pfeffrige Würze fehlt dieses Mal. Aber dies ist sicherlich zum Großteil einfach Ausdruck des Jahrgangs und seiner unterschiedlichen Wachstumsbedingungen und somit unbedingt begrüßenswert.

Dafür ist der neue Jahrgang insgesamt etwas hedonistischer und bereitet großes Trinkvergnügen. Aber unterschätzen sollte man ihn trotzdem nicht. Denn am Gaumen zeigt er bei aller Fruchtigkeit und Saftigkeit auch eine „seriöse“ Seite, welche sich in einer griffigen, prägnanten Struktur mit leicht phenoligen Komponenten äußert. Kurz gesagt: Bei aller Fruchtigkeit und Saftigkeit besitzt der Wein auch Grip und Struktur. Die Restsüße, immerhin bewegen wir uns im halbtrockenen Bereich, wirkt niemals aufgesetzt, sondern unterstreicht lediglich die Frucht. Zur Lammkeule (wie seinen Vorgänger) würde ich ihn nicht empfehlen, aber in ein paar Wochen spricht nichts dagegen, ihn mit kleingeschnittenen, frischen Erdbeeren und ein oder zwei Blättern Minze im Glas zu servieren. Sie werden es lieben! Versprochen!

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2012 Merlot trocken Seinsheimer Hohenbühl – Ein Fränkischer Exot

Weingut Emmerich, Iphofen

Nachdem ich bereits im Juli letzten Jahres einen Merlot aus dem Frankenland vorgestellt hatte, kann man nicht von eine Premiere für diese in unseren Breitengraden recht exotische Rebsorte sprechen. Gerade einmal 8 Hektar werden von dem Reben-Global-Player in Franken kultiviert.

Aber ein anderer, wie ich finde, sehr bemerkenswerter Umstand trägt dafür sehr wohl zu einem Novum bei. Ob Sie es glauben oder nicht, dies ist der erste Wein nach über 70 Verkostungen, welcher mit einem Naturkorken verschlossen ist. Dies sagt sehr, sehr viel über die mittlerweile erreichte Marktakzeptanz des Schraubverschlusses aus. Das Weingut Emmerich verwendet zwar auch Schrauber für den Großteil des Sortiments, aber bei den hochwertigen Rotweinen eben (noch) nicht. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch gar keine Grundsatzdiskussion über Vor- und Nachteile von Verschlussarten vom Zaun brechen. Ich wollte lediglich diesen bemerkenswerten Umstand, welcher für sich spricht, mitteilen.

2012-hohenbuehl-merlot-trockenDoch was viel wichtiger als jedwede Verschlussart ist: wie präsentiert sich unser fränkischer Merlot im Glas? Die Trauben stammen aus der Lage „Seinsheimer Hohenbühl“ und sind im sehr guten Jahrgang 2012 gewachsen. Nach einer klassischen Maischegärung wurde der Wein im Holzfass gereift. Die glänzend granatrote Farbe macht unmittelbar Lust den Wein zu erkunden. Auch wenn wenig Verwechslungsgefahr mit einem klassischen Pomerol besteht, so ist die Nase durchaus charakteristisch. Neben einer sehr feinen, dunkelbeerigen Frucht mit dezenter Vanillenote, verschafft sich vor allem eine unglaublich tolle Würzaromatik in Kombination mit einer leichten Ledernote Aufmerksamkeit. Auch eine gewisse „Schokoladigkeit“, wie ich sie als sehr sortentypisch empfinde, schwingt mit.

Am Gaumen entwickelt der Wein dann einen fast schon beängstigenden Trinkfluss. Balance ist hier das Zauberwort. Die Tannine sind ultrafein, die Säure sorgt für Frische und die Frucht ist reif aber nicht überreif. Der Wein gleitet über die Zunge, betört mit seiner reintönigen Frucht und besitzt im Abgang genau das richtige Maß an Bitterstoffen, um nicht als weichgespült zu gelten. Das ist genau die Art von Rotwein, wo die Flasche viel zu schnell leer ist und man nochmals in den Keller stapfen muss um Nachschub zu holen. Außer man war vorausschauend und hat genügend bei Frankenweinliebhaber bestellt!

2014 Kerner halbtrocken Dettelbacher Berg-Rondell

Weingut Bausewein. Iphofen

Auch wenn die Rebsorte „Kerner“ mittlerweile etwas aus der Mode geraten ist, halten ihr dennoch einige „Aufrechte“ unter den Winzern nach wie vor die Treue. Und das völlig zu Recht wie ich finde.

Als Riesling-Kreuzung, die Eltern-Sorten sind Trollinger und Riesling, besitzt der Kerner meistens einen schönen Säurenerv ohne die Rasse und Strenge des Rieslings, welche viele Weintrinker vor diesem zurückschrecken lässt.

2014-berg-rondell-kerner-halbtrockenDie Trauben für unsere heutige Vorstellung sind in der Lage „Dettelbacher Berg-Rondell“ gewachsen. Farblich präsentiert er sich mit einem sehr hellen Strohgelb im Glas. Die Nase ist einfach zum Reinlegen schön und lässt bereits eine Süffigkeit und Trinkanimo erwarten, welche sich auch tatsächlich einstellt. Doch dazu gleich mehr.

Das Duftspektrum ist hauptsächlich durch fruchtige Anteile definiert und weist neben einer herrlich reifen Ananasfrucht auch noch Anklänge von gelber Zitrone auf. Auch eine gewisse bodengeprägte, „erdige“ Note schwingt noch mit.

Am Gaumen werden die Versprechen der Nase übererfüllt. Solch eine Süffigkeit und Ausgewogenheit erlebt man nicht alle Tage. Die Säure ist mit 6,5 g/l durchaus markant, wird aber von den 16g/l Restzucker dermaßen perfekt konterkariert, dass man sich unweigerlich fragt, ob die Flasche ein Loch hat, weil sie so schnell leer ist. Wenn sie wissen wollen, was in meinen Augen ein saftiger Wein mit hohem Trinkfluss ist, dann sollten Sie einmal diesen biologisch angebauten Kerner von Familie Bausewein probieren.

Nach all den festlichen Genüssen der vergangenen Tage haben wir es hier mit einem tollen „Brot und Butter-Wein“ zu tun. Sollten Sie Wert auf eine Speisenempfehlung legen, so taucht spontan beim Trinken bzw. Verkosten ein gebackener Karpfen mit einem schlotzigen, mit Gurkenraspeln angereicherter, Kartoffelsalat vor meinem inneren Auge auf.

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2014 Iphöfer Scheurebe Kabinett

Weingut Ernst Popp, Iphofen

Donnerwetter! Das Weingut Popp ist mir zwar schon seit langen Jahren ein Begriff, aber in letzter Zeit haben sich die Erfolge und Auszeichnungen derart gehäuft, dass man nicht mehr nur von Winzerglück sprechen kann. Für mich liegt ganz klar auf der Hand, dass hier jemand weiß was er tut und eine genaue Vorstellung davon hat was er will.

So schreibt der „Gault Millau“-Weinguide treffend, aber mit etwas Understatement wie ich finde: „Maria Popp sowie ihre Söhne Johannes und Ernst haben die stattliche Betriebsfläche von 28,5 Hektar gut im Griff. Das Potenzial der guten Lagen in Iphofen und Rödelsee wird genutzt.“
Zum einen sind die Lagen nicht einfach nur gut, sondern teilweise hervorragend. Vor allem zehrt man hier auch vom Potential vieler alter Rebanlagen aus den 70er-Jahren. Zum anderen wird das Potential nicht einfach nur genutzt, sondern gar hervorragend ausgeschöpft.

2014-iphoefer-scheurebe-kabinett-feinherbSo umfasst der Reigen der Prämierungen alleine heuer und letztes Jahr einen phantastischen 1. Platz bei „best of riesling 2014“, “, dem größten Riesling-Wettbewerb der Welt, einen 1.Platz bei „Best of Gold“ in der Kategorie „Edelsüß“, einen 1.Platz und die „Goldene Rebschere“ beim „Internationalen Silvanerpreis“ in der Kategorie „Basic“ (der Wein, 2014 Iphöfer Kalb Silvaner Kabinett trocken, ist im Shop übrigens noch erhältlich).
Als Sahnehäubchen kam Anfang November noch der „Bayerische Staatsehrenpreis“ hinzu.
Mit diesem besonderen Preis wird das konsequente Qualitätsstreben über viele Jahre hinweg honoriert, welches nur Topbetriebe auszeichnet.

Zwar liegt der Focus im Anbau beim Weingut Ernst Popp ganz klar auf den fränkischen Klassikern Silvaner (40 % Flächenanteil), Müller-Thurgau und Riesling, aber mit der 2014er Scheurebe Kabinett beweisen die Brüder Johannes und Ernst Popp nicht nur ihre Vielseitigkeit, sondern auch, dass Sie Aromasorten beherrschen. Die keuperhaltigen Böden der Ipföfer Weinbergslagen bieten beste Voraussetzungen und so mag es kaum verwundern, dass Scheurebe-Weine aus dem Steigerwald unter Kennern hoch geschätzt werden.

Was mir besonders gut an unserem „Wein der Woche“ gefällt, ist seine aromatische, sortentypische Art bei gleichzeitiger Diskretion. Da ist nichts Vorlautes im Spiel, wie bei so vielen anderen Sortenvertretern, die in der Art übereifriger, strebsamer Schüler „hier“, „hier“ zu rufen scheinen und gleichzeitig mit dem Finger schnippen um noch mehr auf sich aufmerksam zu machen. Da ist sehr wohl die Duftigkeit einer guten Scheurebe in der Nase vorhanden mit exotischen Frucht-Aromen und herrlich floralen Tönen, aber dem Wein geht alles Vordergründige ab. Er scheint förmlich zu schweben, so luftig wirkt das Nasenbild.
Man getraut sich kaum den ersten Schluck zu nehmen, so groß ist die Angst die Versprechungen der Nase könnten im Geschmack enttäuscht werden. Aber weit gefehlt. Der Wein besitzt solch einen feinen Schliff und eine filigrane, elegante Art am Gaumen, dass man unmittelbar rätselt, ob man ihn lieber riechen oder trinken mag. Und während man ständig hin und her gerissen ist und am Glas schnüffelt und wieder einen Schluck trinkt, ist auch schon die Flasche geleert. Feinherbe Scheurebe at its best! Panta rhei! Auch die Popp’sche Scheurebe? Logisch! Und für 6,90 Euro bei Frankenweinliebhaber erhältlich.

Mitmach-Küchenparty in familiärer Atmosphäre

Bereits zum zweiten Mal fand auf dem Weingut Bausewein in Iphofen die 2. Mitmach-Küchenparty statt. Die Winzer-Familie lud zum Schnibbeln, Kochen und Essen ein und erlebte eine ebenso entspannte und lockere Atmosphäre wie im vergangenen Jahr – dabei wurde die Teilnehmerzahl (15 Personen) bewusst gering gehalten.

Mitmachkuechenparty-2Laut Sabrina Bausewein hatte man bei dieser Veranstaltung schon im vergangenen Jahr sehr positive Erfahrungen gemacht: „Die meisten, die im letzten Jahr dabei waren, haben sich für dieses Jahr auch wieder angemeldet. Wir waren sehr erfreut über die Motivation der Teilnehmer. Alle waren sehr aktiv und lebendig.“ Sie betont zudem, dass es sich bei der Küchenparty nicht um einen Kochkurs handelt. Es wird gemeinsam gekocht und die Teilnehmer können jederzeit Fragen stellen.

Mitmachkuechenparty-1Die Veranstaltung, bei der die Familie Bausewein komplett vertreten war, begann um 16 Uhr in der Winzer-Weinstube. Sabrina Bauseweins Ehemann Matthias Popp war ebenso mit dabei wie Sabrinas Eltern Ursula und Karl Josef Bausewein. Die Anwesenden erhielten damit bei der Mitmach-Küchenparty einen umfassenden Blick hinter die Kulissen des Weinguts.

Kochwein inklusive

Auf welche kulinarischen Köstlichkeiten sich die Gäste an diesem Abend besonders freuen durften? „Es gab ein 4-Gänge-Menü geben, das aus regionalen und saisonalen Zutaten bestand“, verrät Sabrina Bausewein. Selbst gebackenes Brot, selbst gemachter Brotaufstrich, Rote Bete mit Ziegenkäse sowie um ein Braten mit Apfelkruste und Kürbispommes standen auf dem Plan.

Zu einem guten Essen durfte der Wein natürlich nicht fehlen. Welche Sorte es zu welchem Gang gibt, legten die Bauseweins kurzfristig fest: „Wir haben das intuitiv gemacht und die Weine quer verkostet. So sieht man am besten, wie welche Sorte wirkt und wem welcher Wein am besten schmeckt. Während das Essen zubereitet wurde, gab es Kochwein.“ Die Mitmach-Küchenparty soll im Kalender des Weinguts Bausewein eine feste Einrichtung werden und jährlich stattfinden.